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Donnerstag, 9. April 2020

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Die Lügner" von Kate Weinberg



bold (Februar 2020),
Hardcover/SU, 400 Seiten,
übersetzt von Anne Brauner und Alexandra Ernst,
18,00 € [D]


Jess Walker hält sich für wertlos und unscheinbar. Als sie jedoch ihr Studium beginnt, lässt sie Familie und Vergangenheit zurück und beschließt, sich neu zu erfinden. Schnell findet Jess anziehende Vorbilder für ihr Vorhaben: Lorna Clay, die von Jess überaus bewunderte, exzentrische Literaturwissenschaftlerin. Und Alec, den charismatischen Journalisten, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Beide zeigen ihr, wie außergewöhnlich sie selbst und das Leben sein können.
Als Alec Jess’ Gefühle erwidert, glaubt sie am Ziel ihrer Träume angekommen zu sein. Doch dann reist Alec nach Südafrika - und wird wenige Tage später tot aufgefunden. Und plötzlich muss Jess alles infrage stellen, was sie je für die Wahrheit gehalten hat. (Text-, Cover- und Zitatrechte: bold)


Ich habe praktisch alle ihre Vorlesungen mit dem Handy mitgeschnitten. Die Rede, die sie vor dem Puppenspiel gehalten hat, höre ich mir am häufigsten an. Als gäbe sie in diesen zwölf Minuten mit ihrer rauen Stimme Antworten auf alle Fragen, die ich mir sechs Jahre danach immer noch stelle. Hätte ich besser zugehört und hingesehen, hätte ich die überall verstreuten Zeichen gedeutet - wäre es dann anders ausgegangen? - S. 8


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Eine ganze Weile vor dem Lesen hatte ich mich natürlich über "Die Lügner" informiert. Schließlich beeinflussen Buchinfos generell meine Entscheidung für oder gegen ein Buch. Im Laufe der Zeit "vergesse" ich Klappentexte jedoch auch wieder. Bei "Die Lügner" habe ich den Test gemacht und diesen nicht erneut gelesen, das Buch also völlig frei begonnen. Eine gute Entscheidung und ganz sicher ein Grund, warum ich vorurteilsfrei und ziemlich fasziniert in die Geschichte eintauchen konnte.
  2. Jess ist mit ihrer Familie nicht allzu glücklich. Darum freut sie sich aufs Studium der Anglistik und findet schnell Freunde an der Uni. Zum Beispiel die weltoffene und draufgängerische Georgie, die Jess sofort für sich vereinnahmt. Oder den charismatischen Alec, der zwar Georgies Freund ist, in Jess aber ein solches Verlangen auslöst, dass sie sich richtiggehend nach ihm verzehrt. Und dann ist da noch Lorna, eine exzentrische und begehrte Autorin und Literaturprofessorin, die ebenfalls Begehren, fast schon Besessenheit in Jess auslöst. Was für Jess als die Erfüllung ihrer Träume begann, wird mit der Zeit zum völligen Albtraum.
  3. "Die Lügner" liest sich wie eine Mischung aus Jugendbuch und Erwachsenenroman. Das bringt eine ganz eigene Faszination mit sich, die aber nur aufrecht erhalten wird, wenn man am Buch dranbleibt und sich auf die Geschichte einlassen kann. Anfangs hat der Roman einen belletristischen Touch, in den sich mit der Zeit noch Elemente eines Thrillers mischen. Diese Kombination gefiel mir sehr gut.
  4. Kate Weinberg schreibt hochwertig und undurchsichtig. So ganz ist niemals klar, wo Jess' Geschichte hinführen wird, wie alles zusammenhängt und was ans Licht kommt (oder auch nicht). Für mich wurde die Geschichte schnell soghaft, durch eine unterschwellige Anspannung, aber es gab auch Durststrecken im Buch. Manche Vorlesung oder Literatur-Essays werden analysiert und auseinandergenommen. Das ist wichtig für die Wirkung der Geschichte und schafft Verknüpfungen, verlangt aber in diesen Momenten eine hohes Maß an Konzentration. Für mich war "Die Lügner" kein Easy Reading, kein Buch, das sich mal so eben weglesen lässt.
  5. Das Ende des Buches lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Zwar mag ich es gerne, wenn Geschichten nicht allzu aufgelöst und "gut" zu Ende gehen, wenn die Protagonistin lernen muss, mit ihren Fehlern und der Situation wie sie ist klarzukommen, allerdings hätte ich mir in einigen Punkten doch noch mehr Klarheit gewünscht. Ich bin mir sicher, dass Leser*innen noch eine Weile über das Gelesene nachdenken werden. Und das ist wiederum gut so.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

anspruchsvoll, nachvollziehbar, angespannt, obsessiv und weitreichend




Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Die Lügner" ist ein anspruchsvolles Buch zwischen Jugend- und Erwachsenenroman, das mit einer hochwertigen, nicht ganz einfachen und polarisierenden Geschichte einen Lesesog aufbaut, für den auch Elemente eines Thrillers verantwortlich sind. Leser*innen sollten sich auf die Geschichte einlassen und bereit sein kleine Durststrecken zu überwinden, indem sie konzentriert am Buch dranbleiben. Dann wird man die obsessive Geschichte gerne analysieren und sie noch eine Weile Revue passieren lassen. Ich war ziemlich fasziniert davon.


© Damaris liest.




Dienstag, 7. April 2020

"Eine Insel zwischen Himmel und Meer" von Lauren Wolk



Das Thema
Crow hat ihr ganzes Leben auf einer winzigen Insel verbracht. Sie wurde, kaum ein paar Stunden alt, in einem lecken Boot an den Strand gespült. Osh hat sie gerettet. Bei ihm ist sie aufgewachsen. Immer schon wollte Crow wissen, woher sie stammt. Ist es möglich, dass sie gar nicht von so weit her kommt? Als eines Nachts ein unheimliches Feuer auf einer unbewohnten Insel aufscheint, steigen in Crow all die unausgesprochenen Fragen nach ihrer Herkunft auf. Und Stück für Stück begreift sie, was Familie wirklich bedeutet.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


[...] musste ich immer darüber nachdenken, wer wohl mich gemacht hatte. Wer hatte mich damals angeschaut, als ich wie eine zarte, gerade aufgehende Blüte war, und beschlossen, mich den Wellen anzuvertrauen? Und warum?
All diese Fragen trug ich mit mir herum wie einen Sack, der mit jedem Jahr schwerer wurde, auch wenn ich mich im Laufe der Zeit daran gewöhnt hatte. Auch wenn ich nicht unglücklich war mit dem Leben, das ich hatte.
Ich wollte es einfach nur wissen. Verstehen. Den Sack endlich ablegen können.
S. 16/17


Das Leseerlebnis
Mit ihrem Buch "Das Jahr, in dem ich lügen lernte" hat Lauren Wolk mich vor einiger Zeit vereinnahmt und eine ganze Weile nicht mehr losgelassen. Als ich dann "Eine Insel zwischen Himmel und Meer" entdeckte, war klar, dass ich auch diesen Roman lesen möchte. Er gefiel mir sogar noch ein bisschen besser, auch wenn dieser Eindruck wohl subjektiv bleiben wird. Jedenfalls traf mich das Buch mitten ins Herz. Die Autorin erzählt ihre Geschichten besonders feinfühlig und sensibel, sogar mit einer gewissen Poesie, verbindet sie jedoch mit einer Handlung, die äußerst spannend und mitreißend ist. "Eine Insel zwischen Himmel und Meer" wird noch lange nachklingen.

Die Geschichte wirkt schon etwas, als wäre sie aus der Zeit gefallen. Sie spielt auf den Elizabeth-Inseln, an der Ostküste der USA, in den 1920er-Jahren. Der Zeitpunkt ist für das Lesegefühl nicht so wichtig, er verdeutlicht aber die damaligen Lebensumstände und manche Charaktereigenschaft und trägt viel zur Atmosphäre des ohnehin sehr stimmungsvollen Settings bei.
Auf einer vorgelagerten Mini-Insel vor Cuttyhunk leben Crow und Osh, ganz alleine in einer kleinen Hütte. Crow wurde in einem lecken Boot auf der Insel angespült, erst wenige Stunden alt. Gefunden wurde sie damals von dem Aussteiger Osh, der das kleine Mädchen zu sich nahm und es groß zog. Nun ist Crow 12 Jahr alt. Ihr gefällt das Leben mit Osh und der Kontakt zu Miss Maggie, einer netten Nachbarin, zu der die beiden viel Kontakt haben. Und doch wächst in Crow mit jedem Jahr der Wunsch, genau zu wissen, woher sie kommt und warum sie als Baby in einem Boot weggeschickt wurde. Als Crow einen Hinweis bekommt, wird sie von Osh und Miss Maggie bei der Suche nach Antworten unterstützt. Keiner der drei ahnt jedoch, welch gefährliches und nervenaufreibendes Abenteuer daraus wird.

Freitag, 3. April 2020

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im April 2020

Auch für den April habe ich wieder einige Bücher in den Neuerscheinungslisten gefunden, die sofort auf meine Wunschliste gewandert sind. So ziemlich bunt gemischt, wie meistens. Bei einigen Titeln bin ich mir sicher, dass ich sie lesen werde, bei anderen warte ich liebe noch erste Meinungen ab, weil ich mir noch etwas unschlüssig bin. Aber ich habe ein Auge darauf. Für neun März-Bücher heißt es jetzt erst mal: Ab auf die Wunschliste!


Fantasy - Science-Fiction

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


 

The Frost Files: Letzte Hoffnung von Jackson Ford ... klingt irgendwie taff, aber auch nicht recht greifbar für mich. Die Beschreibung (Urban Fantasy mit cooler Superheldin) interessiert mich, und ich würde mich hier einfach überraschen lassen. - Ihre psychokinetischen Fähigkeiten machen Teagan Frost zum wertvollsten Mitglied einer geheimen Einsatztruppe der Regierung. Doch dann wird bei einem Einsatz jemand ermordet und Teagan zur gesuchten Mörderin. Selbst ihr eigenes Team zweifelt an ihrer Unschuld. Eine Jagd queer durch Los Angeles beginnt.
Vengeful: Die Rache ist mein von V. E. Schwab ... ist der zweite Band der Vicious & Vengeful-Dilogie. Der erste Band war einer der mitreißendsten und düstersten Bücher, die ich bisher gelesen habe. "Vengeful: Die Rache ist mein" ist darum ein Lesemuss und dick vorgemerkt.

Mittwoch, 1. April 2020

"Köngisfluch: Die Empirium-Trilogie" von Claire Legrand



Das Thema
Rielle soll acht verborgene Heiligtümer finden, um die offene Pforte, durch die die Engel in böser Absicht gekommen sind, wiederherzustellen. Eliana wird ein Jahrtausend später als lang ersehnte Retterin der Menschheit empfangen. Während sie an mehreren Fronten kämpft - gegen das Imperium und seine Monster, gegen Simon und gegen sich selbst -, verschieben sich die Grenzen zwischen Freund und Feind. Doch für welche Seite werden die Königinnen ihre außergewöhnlichen Kräfte einsetzen, für das Gute oder das Böse?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arctis Verlag


Sie schloss die Augen gegen die Erinnerung, aber ihr Geist beschwor sie dennoch herauf: das Gefühl, dass die Welt auf ihr Geheiß entzweibrach. Wie sich die Hitze in ihren Handflächen ballte. Wie eine Explosion ungesehener Macht ihr die Haare aus dem Gesicht fegte. Das Empirium, roh und grell, ein Spiegel ihrer eigenen Wut und Angst.
Corien, wie er von ihr wegkroch, sein geschundener Körper von Verbrennungen überzogen.
Drei Männer, die reglos zu ihren Füßen lagen. Ihr Vater, der mit seinen letzten Atemzügen das Wiegenlied ihrer Mutter sang.
Eine Mutter und ein Vater. Beide durch ihre Hand gestorben.
- S. 21


Das Leseerlebnis
Fast genau ein Jahr ist es her, seit ich "Zorngeboren" gelesen habe, den ersten Band der Empirium-Trilogie. Und alles, wirklich alles sprach dafür, sofort zum Nachfolgeband "Königsfluch" zu greifen, das Buch zu verschlingen und zu genießen. Denn der Reihenstart gefiel mir so gut, dass er damals, schon während der ersten Seiten, zu einem Lieblingsbuch wurde. Und weil ich perfekt vorbereitet sein wollte, es mir total wichtig war, mir die komplexen Strukturen der Geschichte allerbestens in Erinnerung zu rufen, habe ich mich vor "Königsfluch" mit dem Hörbuch zu "Zorngeboren" aufgefrischt. Nun sind die Bücher ja generell sehr umfangreich, doch die Auffrischung war ein lohnendes Unterfangen. Ich konnte übergangslos zum zweiten Band aufschließen. Und der war großartig. So großartig, dass die Reihe schon mit "Königsfluch" für mich zu einer des besten Fantasy-Trilogien zählt. Egal ob für (ältere) Jugendliche oder Erwachsene.

Zum Inhalt möchte ich nicht allzu viel vorwegnehmen. Wieder verfolgt man als Leser*in zwei Zeitebenen. Die der neu ernannten Sonnenkönigin Rielle, und, etwa Tausend Jahre später, die von Eliana, die in ihrer Welt als Hoffnung für die Zukunft betrachtet wird, aber noch dabei ist zu lernen, wie sie ihre Kräfte einsetzten kann. Rielle entwickelt sich weiter. Eliana entwickelt sich weiter. Und es ist komplett spannend, in welche Richtung das führt. Bei Rielle geht es darum, dass sie mithilfe ihrer magischen Kräfte gut geschützte Heiligtümer findet und sammelt, um die Engelspforte erneut zu versiegeln. Denn diese wird schwächer, und die Engel drängen zurück in ihre Welt, um Rache für ihre Verbannung zu üben. Eliana hat eher mit persönlichen Problemen zu kämpfen. In ihrer Welt gibt es, so scheint es, keine Magie mehr. Darum fällt es Eliana auch so schwer, auf ihre eigenen Kräfte zuzugreifen. Stattdessen ist das Imperium auf der Jagd nach ihr, denn sie stellt eine Bedrohung dar. Und so kämpft Eliana für mehrere Fronten, zumeist auf Seiten einer Rebellion. Eigentlich möchte sie aber nur Sicherheit für ihren Bruder und ihre Freunde.