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Donnerstag, 14. November 2013

Rezension zu "Frostblüte" von Zoë Marriott



Verlag: Carlsen (Oktober 2013)
Originaltitel: FrostFire
Übersetzer: Claudia Max
Reihe: - , ab ca. 14 J.
Ausführung: Klappenbroschur, 464 S.
ISBN: 978-3551312709
14,99 € [D]

Genre: High Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Das Thema
Frost ist seit ihrem achten Lebensjahr auf der Flucht. Zuerst zusammen mit ihrer Mutter, nach deren Tod alleine. Frost trägt einen Wolfsdämon in sich, ein tödliches Erbe ihres Vaters. Sobald sie blutet oder sich zu sehr aufregt, bricht der Wolf hervor und greift wahllos die Menschen in ihrer Umgebung an. Weit entfernt von ihrer Heimat erhofft sich Frost Hilfe von der Feuergöttin. Der Legende nach, könnte diese ihr vielleicht helfen und den Wolf entfernen. Auch wenn die Legende vage ist und es nicht sicher ist, ob Frost überhaupt geholfen werden kann, klammert sie sich an diese Möglichkeit.
Auf ihrem gefährlichen Weg trifft Frost auf die Berggarde des Königs, die das Königreich Ruan vor Aufständischen schützen sollen. Dort weckt sie schnell das Interesse des Anführers Luca, sowie das Misstrauen seines Leutnants Arian. Frost wird ihnen früher oder später ihr Geheimnis anvertrauen müssen, damit sie keinen der Männer und ihre Berggarde in Gefahr bringt.

Die Rezension

Der Anfang: Als der Wolf das erste Mal von mir Besitz ergriff, war ich acht. 

Oh schön! Ein High Fantasy-Roman für Jugendliche, bzw. All Age-Leser, ist es immer wert, beachtet zu werden. Hier hat Kristin Cashore mit "Die Beschenkte" Maßstäbe gesetzt und gezeigt, dass auch für diese Gruppe von Lesern erstklassige High Fantasy-Romane geschrieben werden können.
Schon aus dem Klappentext lässt sich das bemerkenswerte Genre erkennen. Eine Reise, ein entferntes Königreich und eine offensichtliche Fantasykomponente, hier der Wolfsdämon, deuten darauf hin. "Frostblüte" kommt ohne Umgebungskarte aus, die Handlung ist, bis auf einige Rückblicke, sehr linear. Der Roman kann darum zur einfacheren High Fantasy gezählt werden und ist auch sehr gut für Einsteiger in dieses Genre geeignet.

"Ich glaube nicht an Flüche", entgegnete er mit durchdringendem Blick. "Ich glaube nicht an Magie, an Dämonen. Ich glaube daran, dass man die Wahl hat. Was immer man dir erzählt hat, wer immer dir Schaden zugefügt hat, welche Vergangenheit dich auch verfolgt, du kannst die Entscheidung treffen, das alles hinter dir zu lassen. - S. 121

Die Geschichte startet mit einem Rückblick auf Frosts Kindheit, bevor man sie direkt mit ihr auf ihrer Reise befindet. So weiß man sofort, mit was man es zu tun hat und welche Last Frost zu stemmen hat. Rückblicke bekommt man regelmäßig zwischen der Haupthandlung. So hat man am Ende ein recht umfassendes Bild von ihr.
Interessant ist, welche Rolle die Autorin dem Wolfsdämon, der in Frost lebt, zugedacht hat. Er übernimmt in Gefahrensituationen die vollständige Kontrolle. Die Autorin verzichtet jedoch auf eine äußerliche Verwandlung à la Werwolf. Im Laufe der Handlung ist man sich nicht sicher, ob der Wolf Frost Einbildung, bzw. schwierigen Kindheit, entspringt und sie ihn sich "abtrainieren" oder kontrollieren kann. Dies wird ihr vom Anführer der Berggarde Luca vorgeschlagen. In anderen Situationen erlebt man den Wolf in etwas abstrakten Fantasiegedankengängen live, also als tatsächlich vorhandenen Dämon. Hier wäre eine Entscheidung für eine dieser Ausführungen sinnvoll gewesen.

Frost ist anfänglich ein sympathisches und toughes Mädel, büßt während der Geschichte jedoch einiges an Glaubwürdigkeit ein. Stellt sie sich anfangs noch jeder auftauchenden Gefahr, egal ob mit Wolf oder ohne, wird sie nach der Begegnung mit der Berggarde zum Zimperlieschen. Anstatt dankbar zu sein, dass sie aufgenommen und beschützt wird, scheut sie jede kleinste Konfliktsituation, läuft oft davon und verweigert das Schlafen im Frauengemeinschaftgszelt, da sie "das Geschnaufe und die dicke Luft darin nicht aushält". Folglich landet sie, als große und einzige Ausnahme, im Zelt des Anführers Luca. Natürlich! Diese Situationen wirken zu konstruiert und forciert eine Annäherung, bzw. die Lovestory zwischen den Charakteren.
Das Thema Lovestory ist dann ganz nett umgesetzt. Zwar sind hier zwei Männer im Spiel, es entsteht aber keine typische Dreiecksgeschichte, in der sich Frost nicht entscheiden kann. Ihre Haltung ist sehr schnell klar.

Trotz einer allgemein spannenden Handlung, ist "Frostblüte" nicht ganz längenfrei. Das betrifft vor allem Frosts Zwiesprache mit dem Wolf und ihren Selbstfindungsgedanken. Hier wünscht man sich während des Lesens öfter, dass die Story vorangetrieben wird.
Die High Fantasy-Geschichte hat eine altertümliche Anmutung. Ein wildes Königreich, ohne Elektrizität oder modernen Fortbewegungsmitteln, dafür alten Waffen, Zelte und Feuerstellen. Im Gegensatz dazu sind einige Sätze während Kommunikationen und einzelne Wörter zu modern geraten (z.B. Dad, statt Vater oder lieb, statt freundlich).
Gegen Ende erwartet den Leser ein actionreicher und entscheidender Machtkampf. Besonders ein eingefügter Endkonflikt und dessen Wendung hält die Spannung hoch. "Frostblüte" ist ein Einzelroman und somit abgeschlossen.

Das persönliche Fazit
"Frostblüte" ist ein gut geschriebener, meist spannender und etwas romantischer All Age-Fantasyroman. Einige Handlungsstränge, den Wolf in Frost betreffend, waren mir ein bisschen zu abstrakt. Verständlich sind sie aber allemal. Das Buch liest sich einfach, nicht zu komplex und eignet sich auch für Einsteiger in dieses Genre. An den Charme und die Ausdruckskraft anderer Bücher dieser Zielgruppe (wie etwa "Die Beschenkte", "Grischa" oder auch "Nachtlilien") kommt "Frostblüte" aber nicht heran. Ungeachtet einiger Schwächen, habe ich den Roman recht gerne gelesen. Er positioniert sich im guten Mittelfeld. 3 Sterne.
Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 3,5 / 5
Charaktere: 3 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de