Das Thema
Manchmal stellt Mia sich vor, ihre Krankheit wäre eine beneidenswerte Superkraft. Tatsächlich ist es im Alltag aber ganz schön problematisch, wenn man keine Schmerzen empfinden kann und blindlings in alle Gefahren läuft. Das weiß Mia spätestens seit jenem Abend, an dem sie ihre Mutter verlor. Die quälende Erinnerung daran ist gleichzeitig ihr größtes Geheimnis. Zumindest bis sie Jake kennenlernt, der seinen eigenen Kummer im Fitnessstudio von Mias Vater bekämpft. Ihm kann sie sich anvertrauen, und auch er erzählt ihr von den dunklen Seiten in seinem Leben. Obwohl die beiden so verdammt unterschiedlich sind, haben sie zum ersten Mal das Gefühl, dass Sicherheit vielleicht mehr sein könnte als eine fiese Illusion.
© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arctis Verlag
Mir ist schon klar, dass ich nicht gerade der zugänglichste Mensch bin. Ich komme nicht gerne aus mir heraus. Überschwängliche Gefühle kreieren doch nur einen seltsame Form der Nähe. Nähe wiederum macht einen total anfällig für ... nun ja ... für Verletzungen. Und ich muss Verletzungen nun mal meiden - aus reinem Überlebenswillen. Denn ob kleine Schramme oder tödliche Wunde, mein Körper wird den Unterschied nicht erkennen. Was, wenn auch mein Herz diesen Unterschied nicht erkennt? Ich kann doch nicht das Fahrradfahren meiden, weil ich Angst vor einem schlimmen Sturz habe, dann aber wild drauflosfühlen und alles und jeden in mein Herz lassen? Das wäre grob fahrlässig. - Mia, S. 75/76
Das Leseerlebnis
Realistische Jugendbücher sind mein großes Steckenpferd. Ich lese sie unheimlich gerne. Es geht mir auch nicht um neuartige Geschichten oder noch nie dagewesene Situationen, denn das ist keine Voraussetzung für ein gelungenes Leseerlebnis. Es kommt darauf an, was Autor*innen aus der Geschichte machen und wie sie die Charaktere gestalten. Darum war ich auch besonders dankbar für eine persönliche Empfehlung von "Sicherheit ist eine verdammt fiese Illusion"von Kyra Groh. Nach dem Lesen stand für mich fest, dass die Autorin ein ganz großer Stern am Jugendbuchhimmel ist. Ihr Debüt in diesem Bereich strahlt nicht nur hell, es ist ein leuchtendes Beispiel für beste Unterhaltung mit Tiefsinn, Humor, herausragenden Protagonist*innen und Diversität. Das Buch ist sowas von gelungen, komplett gut!
Zum Inhalt sei an dieser Stelle hoffentlich nicht allzu viel verraten, doch die Protagonisten sind wichtig. Es geht um Mia, die ein großes Päckchen Sorgen mit sich herumschleppt. Mia hat eine Krankheit, die Analgesie heißt. Das bedeutet, dass ihr Körper keine Schmerzen empfinden kann. Ob sie sich in den Finger schneidet oder den Fuss bricht, es tut nicht weh. Darum sie auch keine natürlichen Abwehrreaktionen entwickelt. Mia musste Verhaltensweisen, die für andere Menschen ganz normal sind, erst nach und nach lernen. Zum Beispiel, dass man nicht auf eine heiße Herdplatte fasst. Mia ist ständig auf der Hut, um Verletzungen zu vermeiden. Ihre Krankheit ist der Grund, und noch ein Ereignis ihrer Kindheit, das sie bis heute nicht verarbeiten konnte, weshalb Mia kein sehr zugänglicher Mensch ist. Sie ist zwar sehr schlagfertig, aber auch zynisch und zurückgezogen. Das geht so tief, dass Mias körperliche Krankheit auch ihre Psyche belastet. Sie möchte niemanden an sich ranlassen.