Dieser All Age- und Jugendbuchblog wurde beendet. Schau dich jedoch gerne um! Infos dazu gibt es HIER.

Dienstag, 29. Dezember 2015

Review zu "Im Schatten deines Herzens" von Kerstin Arbogast



Drachenmond Verlag (November 2015),
Taschenbuch, 430 Seiten,
14,90 € [D]


"Meine Flucht war sinnlos. Bereits jetzt in diesem Moment gehörte ich dir."

Um zum Star der elterlichen Pferdeshow zu werden, ist dem Stuntreiter Jarosch kein Preis zu hoch. Eine geheimnisvolle wie gefährliche Stute soll ihm zum erhofften Erfolg verhelfen - selbst wenn sie ihn seine Seele kostet.
Als Johanna Jarosch und seinem wilden Pferd begegnet, kann sie sich deren Faszination nicht lange verschließen. Doch kann sie die dunklen Schatten der beiden verscheuchen, ohne selbst davon verschlungen zu werden? (Text-, Cover- und Zitatrechte: Drachenmond Verlag)


"Im Schatten eines Herzens können keinen Träume wachsen." - S. 402


Meine Meinung
Bücher über Pferde faszinieren nicht nur Fans und junge Leserinnen. Es fällt schwer, sich diesen Tieren zu entziehen, als Pferdemädchen ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst bei neutralen Lesern wecken diese Bücher Kindheitserinnerungen (habe ich mir sagen lassen). "Im Schatten deines Herzens" ist ein Debütroman und erschien noch Ende 2015. Zum Glück! So bleibt die düster-atmosphärische Geschichte keinem mehr vorenthalten.

Das Buch ist umfangreich, die Seiten dicht beschrieben. Und doch ist es es nicht nur die wunderschöne Innengestaltung, die von Anfang an ungemein fesselt. Jarosch ist mit seinen zwei Brüdern auf dem Weg von Deutschland nach Rumänien, um eine wunderschöne wilde Stute einzufangen. Im Grunde weiß er, dass das Pferd in die Wildnis gehört, dass er kein Recht hat, der Stute die Freiheit zu nehmen. Jedoch verfolgt Jarosch eigene Interessen und Ziele und ist bereit, mit den Konsequenzen zu leben. Das liest sich unheimlich spannend und intensiv. So gut, dass das erste Buchdrittel mich völlig vereinnahmte. 

Jede Faser meines Körpers spürte, dass ich das Falsche tat, tun würde. Aber ich konnte nicht anders. Ich war besessen von ihr. Schon als Kind, nur war mir das damals nicht bewusst gewesen. - S. 10

Denn schreiben kann die Autorin! Vor allem hat man das Gefühl, dass sie weiß wovon sie schreibt. Verhalten von Mensch und Tier sind äußerst präzise. Mit prägnanten Sätzen und greifbaren Gefühlen erschafft sie eine düstere und anziehende Atmosphäre, die ganz im Gegensatz zum märchenhaft-lichten Cover steht. Bisweilen erscheinen einige Passagen durch die Verwendung vieler Adjektive etwas blumig, die Umgebungs- und Situationsbeschreibungen des Buches sind sehr genau. Das tat meiner Lesefreude keinen Abbruch, denn erlebt man die Geschichte buchstäblich. Zwischendurch fühlte ich mich im Mittelteil bei einzelnen Kapiteln sehr informiert, war eher dabei statt mittendrin, was an (zu) spärlicher Kommunikation und einfachen Konfliktlösungen lag.

Durch wechselnde Perspektiven und einer hervorragenden Charaktergestaltung besitzt die Geschichte eine permanente Spannung. Besonders Hauptcharakter Jarosch sticht heraus, denn er ist ein echter Gegenpol zu Johanna. Er ist keine bequeme Person, polarisiert durch seine Gedanken und Handlung sehr stark. Dennoch ist seine Geschichte ergreifend, und er hatte mich von Anfang bis Ende auf seiner Seite.
Man könnte es nicht meinen, denn "Im Schatten deines Herzens" liest sich wie ein zeitgenössischer Jugendroman, aber das Buch hat eine deutliche Fantasy-Komponente. Die Thematik ist mutig und sicher nicht alltäglich in Jugendbüchern! Meine Gefühlspalette wechselte von anfänglich kichernd-irritiert bis überrascht, freudig und sehr angetan. Die Umsetzung ist perfekt gelungen, einfach schön, und macht das Buch zu etwas sehr Besonderem.

Fazit
"Im Schatten deines Herzens" ist ein All Age-Einzelroman, mit einem atmosphärisch-schönen Lesegefühl. Die  Geschichte ist anziehend, düster, hat eine gute Portion Humor und eine hohe Grundspannung. Sie liest sich trotz des Umfangs flott und (fast) ohne Einbrüche. Die Charaktere sind die große Stärke und der Fantasy-Part ebenso ungewöhnlich wie mutig und geht zu Herzen. Ein faszinierendes Leseerlebnis, nicht nur für Pferdefans. 4 von 5 Punkte von mir.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Buchisches Statement #27


© Damaris liest.
Bilder der Rubrik "Buchisches Statement" dürfen mit unverändertem Inhalt verwendet werden

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Rezension zu "Blut aus Silber" von Alex Marshall



Verlag: Piper (Oktober 2015)
Originaltitel: A Crown for Cold Silver
Übersetzer: Andreas Decker
Reihe: Band 1/3 (?)
Ausführung: Klappenbroschur, 864 S.
ISBN: 978-3492703611
19,99 € [D]

Genre: High Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Piper Verlag


Das Thema
Es gab eine Zeit, da hatte Zosia mit ihren fünf Schurken das Imperium das Fürchten gelehrt, jedes Gebiet erobert und sich selbst den Thron erkämpft. Doch diese Zeiten sind vorbei. Zosia möchte nicht mehr kämpfen und mit ihrem Mann in einem kleinen Dorf zufrieden alt werden. Und jetzt, nach zwanzig Jahren, wird ihr Dorf Schauplatz eines grausamen Verbrechens. Zosia sinnt auf Rache. Sie sucht einige ihre alten Verbündeten auf, um erneut in den Kampf zu ziehen.

Die Rezension

Der Anfang: Alles verlief so schön nach Plan. Jedenfalls bis zu dem Massaker.

Alex Marshall soll das Pseudonym eines bekannten Autors sein, der mit "Blut aus Silber" sein erstes Fantasywerk geschrieben hat. Die Gerüchteküche brodelt, und die Leser rätseln, wer sich hinter dem Autorenpseudonym verbirgt. Im Grunde ist das jedoch egal, denn Alex Marshall schreibt gut, zuweilen anspruchsvoll und immer etwas bösartig und schräg.

Hätten sie den Bal-Amon-Riffen ausweichen müssen, wäre das möglicherweise anders gewesen, aber im Goldenen Kessel würde gewiss nicht viel schiefgehen. Abgesehen von einem Seeungeheuer. Die konnte es überall geben, auch wenn sie für gewöhnlich kühlere Gewässer vorzogen. Oder eine Meuterei? Aber es war nie gut, über die schlimmsten Möglichkeiten zu brüten - darüber konnte man sich noch immer Sorgen machen, wenn das Pech tatsächlich zuschlug. 
Was es tat.
- S. 262

Die Geschichte beginnt mit vielen Einzelgeschichten. Zuerst erschließt sich dem Leser nicht, was (und ob) die Handlungsstränge miteinander zu tun haben. Das erfordert Geduld. Dabei sind die einzelnen Geschichten durchaus interessant und spannend zu lesen und die kurzen Kapitel treiben den Leser voran. Nach etwa 200 Seiten verknüpfen sich die ersten Stränge und offenbaren das wahre Muster der Geschichte. Startet die Geschichte noch herrlich böse und schräg, muss man sich im Mittelteil etwas mehr durchbeißen. Ungewöhnlich ist das für diese Art umfangreicher Fantasy nicht.

"Blut aus Silber" besitzt ausgeprägte Charaktere, die alle eine Art dramatischen Hintergrund haben. Manche sind in diesem Buch deutlicher thematisiert als andere. Fast alle haben einen bösen, aber sympathischen Charakterzug, viel Selbstironie und ein loses Mundwerk. Es fällt schwer hier ein Schwarz-Weiß-Denken anzuwenden. Bleibt abzuwarten, in welche Richtung die Handlung in den Folgebänden steuern wird.
Besonders viel Spaß macht der Sprachstil, bei dem der Übersetzer sehr gut Arbeit geleistet hat. Er ist gehoben und modern, sehr bissig und voller Sarkasmus und schwarzem Humor. Meist kommt etwas anders, als Leser und Buchcharakter sich das denken. Somit bleiben Überraschungen nicht aus.

Der Weltenentwurf, hier ein Stern, kommt ohne Umgebungskarte aus. Mit der Zeit verfestigt sich die eigene Vorstellung. In das Machtgefüge aus Scharlachrotem Imperium, Kobaltblauer Kompanie und Schwarzer Kette (das ist die Kirche, bzw. Religion) muss man sich erst einlesen, obwohl Fantasylesern der Grundgedanke bekannt sein dürfte. Einige Besonderheiten und moderne Auslegungen geben dem Buch einen eigenen Pfiff.
Die grobe Rahmenhandlung ist in "Blut aus Silber" abgeschlossen. Jedoch ist das weitere Vorgehen der Charaktere und der Verbleib einzelner von ihnen noch ungewiss. Antworten dürften Leser im Folgeband erhalten. Auch, welche Rolle die Teufel in der Geschichte spielen.

Das persönliche Fazit
"Blut aus Silber" hat mich angenehm überrascht. Ein bissiger und hervorragender Stil, mit viel subtilem Humor und Sarkasmus, böse-sympathische Schurken und eine Handlung, in der es (anfangs) ganz schön zur Sache geht, hielten mein Interesse konstant hoch. Das Buch verlangt einiges an Aufmerksamkeit. Im Mittelteil benötige auch ich etwas Durchhaltevermögen. Trotzdem überzeugt die Geschichte. Alles fügt sich zusammen, man erhält Antworten und der Autor weiß zu überraschen. Mitdenken sollte man jedoch allemal. 4 Sterne.

Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Freitag, 18. Dezember 2015

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im November 2015

Noch eine Woche, dann ist Weihnachten. Und natürlich fällt mir ausgerechnet jetzt ein, dass ich meine buchische Novemberstatistik noch gar nicht geschrieben habe. Viel gelesen habe ich nicht, und man könnte meinen, ich wäre im Stress. Aber nein! Der Vorweihnachtsstress prallt dieses Jahr nämlich an mir ab. Gerade, weil drei Kinder um mich herumwuseln, habe ich mich entschlossen, die Weihnachtszeit ruhig und besinnlich zu verbringen, mit der Familie und Dingen, die für Kindern (und mich!) den Zauber dieser Zeit ausmachen. Ganz klassisch eben. Dafür lasse ich auch gerne einiges ausfallen, Weihnachtskarten schreibe ich in diesem Jahr zum Beispiel nicht. Trotzdem steht das Lesen gerade etwas hinten an. Leider.


Meine Buchzugänge im Oktober 2015 - 7 Bücher:




Mein SuB wächst zur Zeit wieder mal enorm. Vorbei die Zeit, als ich ihn so schön schlank gelesen hatte. Die Schuld liegt bei mir, weil ich mich einfach nicht zurückhalten kann (Notiz: Das wäre doch ein guter Verbesserungs-Vorsatz für's Neue Jahr!). Aber auch die Glücksfee und liebe Bücherfreundinnen und Bloggerkolleginnen meinten es extrem gut mit mir.

Der Winter der schwarzen Rosen ist Nina Blazons neuester Geniestreich. Ihre Bücher sind ein Muss für mich. Plötzlich lag das Schmuckstück im Briefkasten, neu und eingeschweißt. Das Geschenk einer Bücherfreundin aus dem hohen Norden. Danke <3
Ich habe ganz schön überrascht geschaut, als ich Heute trägt der Himmel Seide vom Postboten überreicht bekam. Vanessa von Glitzerfees Buchtempel hat mit ihr Exemplar geschenkt. Einfach so, weil mich die Geschichte interessiert. Vielen Dank, bin noch immer ganz baff!
Der erste Band der Zeitenspringer-Saga hat mir gut gefallen. Das Buch war rasant und die Zeitreisethematik gut. Band 2 Die Farbe der Zukunft bewerten einige Leser sogar noch besser. Ich ging immer von einer Dilogie aus, aber Band 2 soll ein ganz fieses Cliffhanger-Ende haben. Über einen dritten Band ist noch nichts bekannt.
Nach "Bannwald" möchte ich auch unbedingt Blutwald lesen. Trotz leichter Kritik hatte Band 1 ein tolles Lesefeeling und Suchtpotenzial. Wie gut, dass ich den zweiten Band beim Tauschticket ergattern konnte.
Gerade ist Die Dreizehnte Fee-Trilogie in aller Munde. Es gab eine tolle Blogtour zum Erscheinen von Band 1 und 2 beim Drachenmond Verlag (Band 3 folgt 2016), bei der ich Erwachen und Entzaubert gewonnen habe.
Bei Ein anderes Paradies reizt mich die Thematik. Ein Mädchen lernt eine wohlhabende Familie kennen und möchte unbedingt dazugehören. Doch der Schein trügt ... 


Buchabgänge - gelesen habe ich im November 4 Bücher:



   

Töchter des Mondes: Sternenfluch von Jessica Spotswood ... ist der zweite Band dieser Trilogie. Band 1 "Cate" war toll, "Sternenfluch" war ebenfalls gut, riss mich aber nicht ganz so dolle mit. Das Ende ist richtig schön fies und ich freue mich schon auf Band 3 "Schicksalsschwestern".
Aller Anfang fällt vom Himmel von Veronika Peters ... hat das Potenzial zum Wohlfühlbuch. Die schöne Geschichte über einen pedantischen Wittwer, in dessen Leben ein obdachloses Mädchen schneit, ist eine echte Empfehlung. (meine "Aller Anfang fällt vom Himmer"-Review gibt's hier)
Two Boys Kissing: Jede Sekunde zählt von David Levithan ... benötigt etwas Zeit, bis es seinen Lesesog entfaltet. Das liegt sicher an der ungewöhnlichen und einzigartigen Erzählweise und der poetischen Schreibweise. Kein einfaches Buch über homosexuelle Jugendliche, aber so besonders. (meine "Two Boys Kissing"-Rezension gibt's hier)
Nacht ohne Sterne von Gesa Schwartz ... ist ein Urban Fantasy-Roman, der sich wie ein High Fantasy-Roman liest. Das Buch hat eine düster-spannende Atmosphäre einen tollen Antagonisten und enthält etwas abstraktere Fantasy. Ich mochte es. Ganz nebenbei ist das Cover eines meiner liebsten in diesem Jahr. (meine "Nacht ohne Sterne"-Rezension gibt's hier)


Highlight: Ui, schwierig. Ich habe jedes November-Buch gerne gelesen und keines war schlecht oder nur Mittelmaß. "Aller Anfang fällt vom Himmel" und "Two Boys Kissing" sind perfekt geschrieben. "Sternenfluch" ist einfachere, "Nacht ohne Sterne" aufwändigere Fantasy. Beide Bücher sind gut. David Levithans Buch bekam Höchstwertung, darum entscheide ich mich für Two Boys Kissing als November-Highlight.

Lowlight: Gibt es folglich keines.