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Sonntag, 10. Mai 2020

5 (Bücher) vom SuB #7


2019 startete ich eine Challenge. Ich hatte mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen, bzw. abzubauen. Das motivierte mich stark und machte so großen Spaß, dass ich die Aktion 2020 fortführe. Mir ist diese Sache wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine damals rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschten, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #6. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Jetzt folgt die #7 der Aktion ...


All the strangest things are true von April Genevieve Tucholke
Midnight ist fasziniert von Poppy. Poppy, die gemein ist und berechnend und andere wie Marionetten nach ihrem Willen tanzen lässt. Das weiß Midnight auch, und so ist er froh, ans andere Ende der Stadt zu ziehen, weit weg von Poppy. Dafür lernt er Wink kennen, das Mädchen vom gegenüberliegenden Farmhaus der berüchtigten Familie Bell. Wink ist verträumt, zurückhaltend und mysteriös, nicht ganz von dieser Welt. Aber gleichzeitig so echt, dass sie Midnight Halt gibt. Doch was passiert wirklich hier? Jemand weiß es.

"All the strangest things are true" ist wohl eines der seltsamsten Jugendbücher, die ich je gelesen haben. Alleine die Namen. Und dann dieses nagende Gefühl beim Lesen. Seltsam und faszinierend. So stark, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Manchmal auch beängstigend, toxisch und mysteriös. Am Ende wartet ein Twist, der nicht so einfach nachzuvollziehen ist, der einiges an Überlegungen benötigt. Die Verknüpfungen von Geschichten in der Geschichte bedeutet viel Kopfarbeit. Das Buch lässt mich etwas verstört zurück, ich weiß nicht, ob ich damit richtig glücklich bin ... jedoch ist da auch dieses leise Anklopfen in mir, dass es irgendwie großartig war.


Emma, der Faun und das vergessene Buch von Mechthild Gläser
Weil ihr Vater der Schulleiter ist, besucht Emma ein sehr exklusives Internat - Schloss Stolzenburg. Als Emma mit ihren Freundinnen die alte Bibliothek entmüllt und aufräumt, um dort einen Aufenthaltsraum und Literaturclub zu gründen, findet sie in einem Geheimfach ein altes Buch. Dies stellt sich als eine Art Internatschronik heraus. Doch nicht nur, denn alles, was in die Chronik geschrieben wird, wird wahr. Begeistert nützt Emma das zuerst aus, um Dinge zu "verbessern", dann kommt sie einem alten Geheimnis auf die Spur. Und der Erkenntnis, dass die Chronik zwar nützlich, aber ebenso gefährlich sein kann.

"Emma, der Faun und das vergesse Buch" ist Jugendliteratur wie ich sie mag - charmant, witzig und spannend. Es ist ein Buch, dass man mit einem Haps verschlingen mag, weil man mit dem Lesen gar nicht aufhören kann. Und ich war andauernd am Grinsen. Die Handlung ist herrlich charmant und vor allem amüsant. Es gibt eine kleine Lovestory, diese nimmt aber nicht den Hauptteil der Handlung ein und passt sehr gut. Zwecks Auflösung gelingt es Mechthild Gläser dann auch tatsächlich, ihre Leser*innen mit Spekulationen hinzuhalten. Am Ende kommt dann noch eine Art kurzes Zwischenspiel, dass das Buch rund abschließt. Gefiel mir sehr!

Dienstag, 11. Februar 2020

5 (Bücher) vom SuB #6


Weil mich meine 2019-Challenge, den SuB abzubauen, motivierte und großen Spaß machte, geht es auch 2020 damit weiter. Ich habe mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine damals rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #5. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Und jetzt weiter mit #6 ...


Apple und Rain von Sarah Crossan
Als kleines Kind wurde Apple von ihrer Mutter verlassen, bei der Großmutter zurückgelassen, die sich seither um sie kümmerte. Jetzt, elf Jahre später, ist die Mutter zurück, und Apple zieht begeistert bei ihr ein. Ist ihre Mum doch so viel cooler und lockere als die strenge Oma. Doch die Frage, warum sie von ihrer Mum verlassen wurde, nagt an Apple. Denn die Wahrheit schmeckt bitter.

Von Sarah Crossan habe ich bisher nur Bücher gelesen, die herausstachen. Durch die Geschichte und den einzigartigen Stil in Gedichtform. "Apple und Rain" ist ein stilistisch normaler Roman und geht doch so tief und mir beim Lesen sehr zu Herzen. Ich hatte nicht selten Tränen in den Augen. Es ist eine tragische Familiengeschichte, ein Schicksal, das man keinem Kind wünscht. Die Autorin scheut sich hier nicht vor großen Konflikten, sie lässt ihre jungen Protagonistinnen am Ende aber nicht alleine. Man hat das Gefühl, das es gut wird. Für Apple ... und für Rain.


Die Welt, wie wir sie kannten von Susan Beth Pfeffer
Miranda führt mit ihrer Familie ein normales Leben in den USA. Sie alle fiebern einem großen Ereignis entgegen, das von der Erde aus gut zu sehen ist: ein Meteorit soll auf dem Mond einschlagen. Doch danach verändert sich das Leben komplett, denn der Mond wurde durch den Einschlag aus seiner Umlaufbahn geworfen. Die Welt gerät aus den Fugen. Plötzlich müssen Miranda und ihre Familie jeden Tag aufs Neue ums Überleben kämpfen.

"Die Welt, wie wir sie kannten" erschien bei uns 2010, also schon vor geraumer Zeit. Es ist ein Endzeit-/Katastrophenroman. Als mein Sohn das Buch vor einiger Zeit abbrach, gab er als Grund an, nicht alles gut zu verstehen. Vielleicht war es ihm auch einfach zu nervenaufreibend, und es ist gut, dass er es zur Seite legte, mit seinen 12 Jahren ist er dafür noch eindeutig zu jung. Denn die Handlung ist schlimm und heftig. Ich habe das Buch in zwei Tagen kaum aus der Hand gelegt. Bis zum Schluss war ich völlig gebannt und mitgerissen, hatte während des Lesens einen ständigen Knoten im Magen. Bin sehr gespannt, wie es in Band 2 und 3 weitergeht.

Freitag, 27. Dezember 2019

5 (Bücher) vom SuB #5


Im ersten Quartal 2019 habe ich mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine damals rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #4. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Weiter geht es mit #5 ...


Soul Beach: Frostiges Paradies von Kate Harrison
Alice' Schwester Meggie, ein Fernsehstar, wurde ermordet. Die Familie leidet. Doch dann erhält Alice eine E-Mail - von ihrer toten Schwester. Zuerst glaubt sie an einen schlechten Scherz, folgt aber schließlich der Mail-Einladung an den virtuellen Strand Soul Beach. Und dort trifft sie tatsächlich auf ihre Schwester und noch viele weitere tote Jugendliche, die alle dort festsitzen. Wer steckt hinter Soul Beach und gibt es eine Möglichkeit, von dort zu entkommen?

"Frostiges Paradies", der erste Band der Soul Beach-Trilogie war das älteste Buch auf meinem SuB. Etwas Sorge hatte ich vor dem Lesen, ob es noch meinen Geschmack treffen würde. Ich fand es spannend und super zu lesen. Die Verbindung von realer und virtueller Welt ist hier gut gelungen, hat außerdem etwas Übernatürliches, Mysteriöses. Eine Begriffe und Ansichten von Alice empfand ich als oberflächlich, oder bin inzwischen für Derartiges sensibilisiert. Gefühle, wie Trauer oder Verlust, empfand ich auch nicht als sehr ausgeprägt. Ich bin aber schon sehr gespannt wie es weitergeht.



Soul Beach: Schwarzer Sand und Salziger Tod von Kate Harrison
Meggie ist tot, lebt aber weiter am Soul Beach, einer scheinbar wunderschönen Ewigkeit, voller umwerfender junger Menschen. Am Soul Beach kann Alice ihre tote Schwester weiterhin treffen. Doch um sie von dort zu befreien, muss sie deren Mörder finden.

Ich bin kaum bis zur Hälfte des zweiten Bandes der Soul Beach-Trilogie "Schwarzer Sand" gekommen, da habe ich mich entschieden, das Buch abzubrechen. Folglich werde ich auch den Abschlussband "Salziger Tod" nicht mehr lesen. Das Buch gehört wohl zu der Sorte von YA-Titeln, die mir überhaupt nicht mehr zusagen. Die Handlung war mir zu oberflächlich oder zu naiv. Das mysterös-fesselnde Element des Soul Beachs, des Strandes, gerät hier immer mehr in den Hintergrund. Erzählerin Alice nervt mit ihrer ständigen Beurteilung von Menschen, die sich meist auf Äußerlichkeiten reduzieren. Sie beschreibt Leute als fett oder fragt sich, warum ein bestimmter Junge mit einem bestimmten Mädchen zusammen ist, "da er doch so viel besser aussieht als sie". Nein, das ist eine falsche und fragliche Wertvorstellung, die jugendliche Leser*innen hier vermittelt bekommen. Abgesehen davon, dass mich die Handlung nicht mehr sehr reizte, ist mir meine Zeit dafür zu schade.

Mittwoch, 20. November 2019

5 (Bücher) vom SuB #4


Anfang 2019 habe ich mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #3. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Und jetzt geht es weiter mit #4 ...


In my Dreams: Wie ich mein Herz im Schlaf verlor von Claudia Siegmann
Das ehemals adelige Anwesen Runmore Manor wurde zu einem gemütlichen Hotel umgebaut. Und hier lebt auch Lu Runmore mit ihrer Familie. Lu kann Geister sehen, die früher auf dem Anwesen gewohnt haben, aber das stört sie nicht groß, sie hat sich mit ihnen arrangiert. Doch in letzter Zeit beginnt Lu zu schlafwandeln und hat seltsame Träume, die bis in die Wirklichkeit nachwirken. Was geschieht im Hotel? Und warum schleicht Ben, ein Gast, nachts durch die Hotelgänge?

Ich hatte mit meinem Griff zu "In my Dreams" nicht gedacht, welch süsses und humorvolles Jugendbuch da auf mich warten würde. Die Geistergeschichte ist charmant und total lustig und turbulent-spannend aufgebaut. Sie erinnerte mich an das Lesegefühl, das ich bei Büchern von Kerstin Gier oder Dagmar Bach habe. Diese Art von Geschichten finde ich klasse und komplett zum Wohlfühlen. "In my Dreams" ist abgeschlossen, ein Einzelband.


Wer braucht schon Liebe? von Denise Deegan
Die 16-jährige Alex hat ein Leben, das sich viele erträumen. Ihr Vater ist ein Rockstar, sie geht auf eine angesagte Schule und hat zwei allerbeste Freundinnen. Doch seit dem Tod ihrer Mutter, vor nicht mal einem Jahr, lässt Alex niemanden mehr an sich ran. Auch ihr Vater arbeitet rund um die Uhr, ist nicht für Alex da. Erst David McFadden, den Alex anfangs rundum doof findet, gelingt es, ihr harte Schale aufzubrechen.

"Wer braucht schon Liebe?" machte mir zu Beginn großen Spaß. Zwar ist Alex als Protagonistin schon sehr speziell, aber ich habe ihre Situation gut verstanden, konnte nachvollziehen, wie es ihr geht. Auch die Lovestory mit David fand ich frisch und schön zu lesen. Ab der Mitte des Buches ändert sich das, denn David muss umziehen. Alex Reaktion darauf ist völlig überzogen, ihr Verhalten nur noch bockig und verbohrt. Schwer zu ertragen. Ich weiß zwar, was die Autorin damit bezwecken wollte, gefallen hat es mir aber ab diesem Zeitpunkt nicht mehr richtig. Am Ende lässt mich das Buch mit gemischten Gefühlen zurück. Es war okay, und trotzdem nervig. Zwei weitere Bände der Reihe, in denen es um Alex' Freundinnen geht, habe ich aussortiert. Ich möchte sie nicht mehr lesen.

Freitag, 6. September 2019

5 (Bücher) vom SuB #3


Anfang 2019 habe ich mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #2. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Und jetzt geht es weiter mit #3 ...


Eins von Sarah Crossan
Die Zwillinge Tippi und Grace sollen ab jetzt auf eine normale Schule gehen, weil sich die Eltern den Unterricht zu Hause nicht mehr leisten können. Die 16-jährigen Mädchen sind siamesische Zwillinge, ab der Hüfte zusammengewachsen, und befürchten an der neuen Schule einen Spießrutenlauf. Doch dort erleben sie nicht nur befremdliche Blicke und Unsicherheit, sondern auch echte Freundschaft. Als es Tippi und Grace gesundheitlich immer schlechter geht, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Vor dem Lesen wusste ich überhaupt nicht, was hier auf mich zukommt. Nur, dass der Roman in Gedichtform geschrieben ist. Die kurzen Kapitel sind optisch wie ein Gedicht verfasst, dadurch bekommen einzelne Sätze und Wörter eine sehr deutliche Gewichtung. Obwohl es keine Reime gibt, ist das Lesegefühl sehr besonders. Ich mag das sehr.
Die Geschichte selbst hat mich sehr berührt und aufgewühlt. Das Thema siamesische Zwillinge ist mir bisher noch in keinem Buch begegnet, Umsetzung und Feinfühligkeit empfand ich als perfekt. "Eins" ist ein Buch, an das man sich lange erinnern wird.


Die Quersumme von Liebe von Katrin Zipse
Luzie hat schon als Kind ihren Vater bei einem Wanderunfall verloren und auch ihre Oma ist schon seit einer ganzen Weile verstorben ... meint sie. Denn eines Tages findet sie im Hausmüll eine Todesanzeige, in der steht, dass ihre Oma erst kürzlich verstorben ist. Luzie beginnt nachzuforschen, denn sie mag sich nicht mehr mit den Familienlügen abfinden, die ihr Leben bestimmen. Dabei deckt sie bei sich selbst tief verschüttete Erinnerungen auf.

"Glücksdrachenzeit" der Autorin gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Und auch "Die Quersumme von Liebe" konnte mich voll und ganz für sich einnehmen. Die Geschichte ist düster, tragisch und tut oftmals sogar ziemlich weh. Neben der Tatsache, dass man unbedingt wissen möchte, was in Luzies Kindheit passiert ist, ist das Buch so gefühlvoll und echt, dass ich es wie im Rausch lesen musste. Und das Ende ... komplett wunderbar und berührend.

Sonntag, 28. Juli 2019

5 (Bücher) vom SuB #2


2019 soll das Jahr sein, in dem ich endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff nehme. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der Anfang wurde bereits mit 5 (Bücher) vom SuB #1 gemacht. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Weiter geht's ...


Nur drei Worte vom Becky Albertalli
Simon vergisst in der Schule versehentlich, sich von seinem Mail-Account abzumelden. Und weil ein Mitschüler nun von den Mails zwischen Simon und Blue weiß, wird er erpresst. Denn Simon ist schwul, möchte aber selbst bestimmen, wann er sein Coming-out hat. Hoffentlich bekommt Blue nichts von den Erpressungsversuchen mit, denn Simons Leben ist auch so schon kompliziert genug.

"Nur drei Worte" ist ein sehr menschlich-sympathischer Coming-out-Jugendroman mit einem tollen Hauptprotagonisten. Simon lässt Leser*innen direkt in sein Inneres blicken, hat einen tollen Humor, aber auch Ängste und übersprudelnde Gefühle. Die Handlung wirkt spritzig-natürlich, nur selten ein bisschen inszeniert. Man kann das Buch fast in einem Rutsch durchlesen. Ich empfand es als herzlich und wunderbar und irgendwie auch jugendlich romantisch, auch wenn mir an ein bis zwei Stellen zu viele Klischees bedient wurden. Am Ende war ich dann sehr glücklich mit dem Buch.


Im Herzen der Zorn von Elizabeth Miles
Em hat mit den Furien einen Pakt geschlossen. Weil sie aber nicht darüber reden darf, scheint ihre große Liebe JD nun für sie verloren. Em verändert sich zusehends, möchte aber um JD kämpfen.
Gleichzeitig taucht ein neues Mädchen in Ascension auf. Skylar möchte ihr altes Leben hinter sich lassen und endlich beliebt und geschätzt werden. Dafür freundet sie sich mit Meg an und ihr Plan, zu den beliebtesten Jugendlichen zu gehören, scheint aufzugehen. Doch sie hat keine Ahnung, wer Meg wirklich ist.

Band 1 der Furien-Trilogie "Im Herzen die Rache" lag schon so lange zurück, dass ich das Buch vor diesem zweiten Band nochmals gelesen habe. Das war auch sinnvoll, ich konnte mich nur noch bruchstückhaft an die Handlung erinnern. "Im Herzen der Zorn" gefiel mir grundsätzlich gut, das Buch war intrigant, mit sehr spannenden und oftmals auch gruselig-abgedrehten Stellen. Doch es gehört auch zu den Büchern, deren Zeit für mich irgendwie vorbei ist. Ich ging davon aus, diese Trilogie im Regal behalten zu wollen, weiß aber jetzt schon, dass ich mich von ihr trennen werde ... nach dem Lesen von Band 3.

Donnerstag, 25. April 2019

5 (Bücher) vom SuB #1


Ich hatte es lange vor, und jetzt ist es soweit: 2019 ist das Jahr, in dem ich endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff nehme. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Und weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Dafür suche ich mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Los geht's ...


Wenn ihr uns findet von Emily Murdoch
Carey lebt mit ihrer kleinen Schwester Nessa in einem kaputten Wohnwagen, mitten in einem riesigen Wald. Dorthin hat sie ihre Mutter gebracht, die fast nie da ist, die Mädchen monatelang alleine lässt. Doch dann werden die verwahrlosten Mädchen gefunden, vom Jugendamt und ihrem Vater. Eine neues Leben und eine Aufarbeitung der Dinge, die geschehen sind beginnt.

"Wenn ihr uns findet" habe ich fast am Stück verschlungen, und die Geschichte hat mir mehrfach das Herz gebrochen. Es ist kaum auszuhalten, was man hier liest und was die Mädchen durchgemacht haben. Das Buch ist sehr ausdrucksstark geschrieben und geht tief unter die Haut. Ich las es mit einem permanenten Knoten im Magen und komme jetzt, auch nach dem Ende, gedanklich nicht davon los. Ein Highlight!


Lamento: Im Bann der Feenkönigin von Maggie Stiefvater
Was mit ihr geschieht, kann die 16-jährige Deirdre selbst nicht so richtig erklären. Ständig und überall findet sie vierblättrige Kleeblätter. Sie kann plötzlich Dinge sehen, die andere nicht sehen können. Und dann steht ihr auch noch der Junge gegenüber, den Deirdre schon öfter in ihnen Träumen gesehen hat. Sie wird in eine gefährliche Welt hineingezogen, aus der es kein Entkommen gibt.

Maggie Stiefvaters erstes Buch "Lamento" erschien 2009 (leider gibt es den PAN Verlag schon seit einigen Jahren nicht mehr), und ich finde, das merkt man dem Buch auch an. Für mich war die Geschichte etwas über ihrer Zeit. Ich sag's mal lapidar runtergebrochen "normales und scheinbar unscheinbares Mädchen verliebt sich in paranormalen Jungen", und der Stil/Ausdruck ist auch (noch) nicht das, was ich von der Autorin gewöhnt bin. Ihr Hang manche Dinge nur anzureißen, und nicht näher zu erklären, zeigt sich schon hier. Aber das Buch hat auch etwas Soghaftes und düster Unheimliches, es wird richtig böse. Ich meine - Feen! Es gefiel mir schlussendlich so gut, dass es im Regal bleiben darf.

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Review zu "Dazwischen: ich" von Julya Rabinowich



Carl Hanser Verlag (August 2016),
Klappenbroschur, 256 Seiten,
15,00 € [D]


Das Los der 15-jährigen Madina teilen viele Flüchtlingskinder: Sie alle sind Brückenbauer zwischen ihren Familien und dem neuen Leben in der westlichen Welt. Nach einer beschwerlichen Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat ist Madina endlich angekommen, in einem Land, das Sicherheit verspricht. Doch nicht allen in ihrer Familie fällt es leicht, Fuß zu fassen. Und so ist es an Madina, Mittlerin zu sein zwischen ihrer Familie im Flüchtlingsheim und dem unbekannten Leben außerhalb. Sie nimmt das Schicksal ihrer Familie in die Hand und findet in Laura eine Freundin, die für sie in der Fremde Heimat bedeutet. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag)


Ich war einerseits ganz glücklich und andererseits traurig. Hier kann Damals einfach nicht ersetzen. Gegenwart kann Vergangenheit nicht ersetzen. Ist einfach so. Gegenwart kann Vergangenheit nur abschwächen, sie verschleiern, sie überdecken. Dann spürt man sie nicht mehr so tief und schneidend. Aber sie ist dennoch da. - S. 119


Meine Meinung
Julya Rabinowich hat für ihren ersten Jugendroman ein brandaktuelles Thema gewählt. Sie erzählt von Madina, einem 15-jährigen Flüchtlingsmädchen, das mit seiner Familie in einem sicheren Land angekommen ist. Die Familie ist erleichtert, wird aber gleichzeitig vor ganz neue und ungewohnte Herausforderungen gestellt. Und die Autorin muss es wissen, denn sie ist als kleines Mädchen ebenfalls mit ihrer Familie emigriert. Wie authentisch und empfindsam Madinas Geschichte erzählt wird, hat mich während des Lesens immer wieder auf's Neue überrascht.

Aus welchem Land Madina und ihre Familie stammen, weiß der Leser nicht. Man kann es sich aber (leider!) sehr bildlich vorstellen. Auch das Ankunftsland wird nicht namentlich erwähnt, nur, dass es sich um ein sicheres Land in Europa handelt. Anhand von Kleinigkeiten in der Geschichte, wie eine Bergwanderung, Behördengänge oder den Schulalltag, kann man sich aber auch hier schnell festlegen.
Erzählt wird die Geschichte von Madina selbst. Wie ihre ganze Familie freut sie sich in Sicherheit zu sein, möchte für immer bleiben und sieht in dem neuen Land ihre Zukunft. Darum lernt sie fleißig die fremde Sprache, um sich gut verständigen zu können. Damit sind die Probleme aber nicht gelöst. Denn Madina erfährt nicht nur Ablehnung und Ungerechtigkeiten, sie wird auch verantwortlich für die gesamte Kommunikation ihrer Familie gegenüber Behörden und im Alltag. Obwohl sie positiv in die Zukunft schauen will, bleiben ihre Eltern hinter ihr zurück. Der Vater schottet sich frustriert ab, die Mutter schweigt hilflos und das Verhältnis zu ihrem kleinen Bruder ist konfliktreich.

Alle warten hier. Niemand hat etwas anderes zu tun. Bis der Startschuss zum Hierbleiben fällt. Dieses Warten ist so schwerelos wie Gegenstände im Weltraum. Kein Boden. Kein Oben, kein Unten. Die Erwachsenen kreisen um sich selbst, weil einfach nichts anderes da ist. Alle die noch nicht volljährig sind, haben es leichter. Wir dürfen etwas. Wir tun etwas. Die Erwachsenen kreisen um sich selbst, und wir sind Kometen, die zwischen Schule und Kindergarten und dem großen Warten hin- und herziehen. Das hilft. - S. 29

Im Buch geht es nicht nur um die offensichtlichen Schwierigkeiten einer Flüchtlingsfamilie nach ihrer Ankunft. Es geht um Ängste, die Verarbeitung von großem Leid, und um das Bewusstsein kultureller Unterschiede zwischen zwei völlig unterschiedlichen Ländern. Vor allem aber geht es um Madinas Ansichten, um ihre Gefühle. Sprachlich einzigartig und wunderbar speziell, entwickelt sich die Geschichte überraschend, vielleicht nicht immer verständlich, und auch tragisch. Madina wird regelrecht gezwungen über sich hinauszuwachsen und sich vom konventionellen Denken ihrer Familie zu lösen. Das Ende ist zielgerichtet und willensstark. Es stimmt nachdenklich und lässt das Buch noch lange nachklingen.

Fazit
"Dazwischen: ich" ist ein Goldstück der authentischen Jugendliteratur. Das Buch öffnet die Augen für Dinge, die oft außerhalb der persönlichen Komfortzone liegen. Um die sich Menschen wie du und ich keine Gedanken machen müssen. Die Geschichte ist sehr bewegend, mit großartigem Ausdruck und in einer exzellenten Sprache erzählt. Dabei ist sie nicht wertend und lässt Raum für eine eigene Meinungsbildung. 4,5 von 5 Punkte gibt es dafür von mir.

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de

Montag, 19. Dezember 2016

Review zu "Worte für die Ewigkeit" von Lucy Inglis



Chicken House im Carlsen Verlag (September 2016),
Hardcover, 400 Seiten,
aus dem Englischen von Ilse Rothfuss,
19,99 € [D]


Sommer in Montana, darauf hat Hope so gar keine Lust. Aber gegen ihre resolute Mutter kann sich die 16-Jährige einfach nicht durchsetzen. Und hier, mitten im Nirgendwo, auf einer einsamen Pferderanch begegnet sie Cal, der ihr Leben für immer verändern wird.
Montana 1867, die 16-jährige Emily ist auf dem Weg zu ihrem Ehemann, den sie nie zuvor gesehen hat. Doch die Kutsche, in der sie unterwegs ist, verunglückt und als einzige Überlebende wird sie von Nate gerettet - einem Halbindianer, der ihr zeigt, was Leben und Freiheit bedeutet.

Zwei große Liebesgeschichten, die auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden sind. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag)


Und in diesem Moment sah ich dich.
Du bist auf einem weiß-braun gescheckten Pferd auf das Hotel zugeritten, die Füße in den Steigbügeln nach außen gedreht. [...] Dein Hinken hatte ich noch nicht bemerkt, auch deine hellen Augen nicht, denn mein Blick haftete an deinem langen braunen Haar und deinem unrasierten Gesicht.
- S. 16


Meine Meinung
"Worte für die Ewigkeit" eilte ein gewisser Ruf voraus. Das Buch wurde von der Romantic Novelist Association mit der besten Liebesgeschichte des Jahres ausgezeichnet. Und obwohl ich wusste, dass es um zwei Geschichten, bzw. zwei Liebespaare geht, konnte ich nicht ermessen, mit welcher Art von Roman ich es zu tun haben würde. "Worte für die Ewigkeit" ist ein wunderschöner Roman, dessen fesselnde und völlig unverkitschte Liebesgeschichte(n) lange im Gedächtnis bleiben werden.

Zu allererst geht es um Hope, die in London lebt. Aufgrund der Forschungsarbeit ihrer Mutter, soll sie einen Sommer im amerikanischen Staat Montana verbringen. Die Einsamkeit einer Ranch ist für Hope nicht sehr motivierend, und nur ihrer Mutter zuliebe möchte sie der Sache eine Chance geben. Auf der Ranch begegnet Hope dann Cal, der ihr Leben verändern wird.
Gleichzeitig geht es nochmals um eine Reise nach Montana, oder besser gesagt, um eine Durchreise. Diesmal im Jahre 1867, als Emily auf dem Weg zu ihrem Ehemann ist, dem Besitzer einer Eisenbahngesellschaft, den sie noch nie im Leben gesehen hat. Als ihre Kutsche und der Begleittrupp verunglücken, wird Emily von Nate gerettet, der sie aus ihren starren Konventionen herausholt und ihr zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt.
"Worte für die Ewigkeit enthält also zwei eigenständige Geschichten. Was diese miteinander zu tun haben, außer dem wilden und ursprünglichen Staat Montana, ahnt man anfangs noch nicht. Sie besitzen eine unheimlich schöne und emotionale Verbindung.

"Wie heißen Sie?"
"Emily. Forsythe."
Du hast mir die Hand hingehalten. "Nate".
Ich nahm sie, senkte jedoch den Kopf, eingeschüchtert von dir, von deiner Wildheit. Eine dicke Haarlocke fiel mir ins Gesicht. Du hast deine Hand ausgestreckt und sie zurückgestrichen. "Und wie fühlen Sie sich jetzt?"
Ich zuckte die Schultern, denn deine Berührung brachte mich aus der Fassung - ein unschickliche Geste. - S. 95

Die Geschichten werden im Wechsel erzählt. Während die zeitgemäße Geschichte - um Hope und Cal - in der dritten Person erzählt wird, wählt die Autorin für die historische Geschichte - mit Emily und Nate - die Ich-Form. Zusätzlich erzählt Emily so, als würde sie Nate direkt ansprechen, also mit Du-Botschaften. Das hat einen Sinn und macht diese Parts sehr besonders, vor allem gefühlvoll und persönlich.
Es ist definitiv so, dass "Worte für die Ewigkeit" sofort fesselt. Beide Geschichten sind gleichermaßen interessant, lesen sich eigenständig schon wunderbar, und entwickeln gemeinsam einen Lesesog, der nicht mehr loslässt. Ich konnte das Buch stellenweise nicht zur Seite legen. Obwohl sich historische Geschichten mein Interesse normalerweise härter verdienen müssen, muss ich zugeben, dass ich die Erzählung im Montana des 19. Jahrhunderts mit der Zeit einen Tick lieber las. Emily und Nate haben mich stark berührt und emotional für sich eingenommen. Vor allem am Ende, als ich zwar eine Wendung erwartete, mich diese dann jedoch sehr bewegend erwischte.
Die Auswirkungen, die Emilys Geschichte auf Hopes Leben hat, sind sehr überwältigend. Das Buch hat einen runden und sentimentalen Schluss.

Fazit
Ein Buch ist dann ein Herzensbuch, wenn die Geschichte mich während des Lesens fesselt und emotional mitnimmt und der Klos im Hals zurückkommt, sobald ich sie nochmals Revue passieren lasse. "Worte für die Ewigkeit" ist ein perfektes Buch! Wunderschön geschrieben, total einnehmend und tief berührend. Das darf man nicht verpassen, ich bin völlig hingerissen. Dafür gibt es Lieblingsbuchstatus!

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de

Mittwoch, 2. November 2016

Review zu "Plötzlich It-Girl: Wie ich beinah die Promi-Hochzeit des Jahres ruiniert hätte" von Katy Birchall



Schneiderbuch (September 2016), Band 3,
Klappenbroschur, 320 Seiten,
übersetzt von Verena Kilchling,
12,99 € [D]


Meine Lebensziele:
1) Einen It-Girl-würdigen Auftritt bei der Hochzeit meines Vaters hinlegen (bestenfalls ohne peinliche Aussetzer).
2) Möglichst gelassen und cool bleiben, obwohl Dad die berühmteste Schauspielerin EVER heiratet und es überall von Promis UND Paparazzi wimmeln wird (siehe Punkt 1).
3) Bloß nicht aus Versehen auf den Schleier der Braut treten (siehe Punkt 1).
4) Auf keine Fall im hohen Bogen in der Hochzeitstorte landen (siehe Punkt 1).
5) Die entzückendste Brautjungfer aller Zeiten werden, um Connors Herz (zufällig der süßeste Typ meiner Schule) zum Hüpfen zu bringen. (Text-, Cover- und Zitatrechte: EGMONT Schneiderbuch)


"Na ja, lange Rede, kurzer Sinn: Auf der Comic-Messe bin ich gestolpert und gegen das Bein von einem Typen in einem riesigen Iron-Man-Kostüm gestoßen, der wiederum gegen den großen überdachten Comic-Stand von Marvel getaumelt ist. Und der ist dann zusammengestürzt, und hat alle, die gerade drin waren [...] unter sich begraben. Eigentlich ein perfektes Beispiel für den Dominoeffekt - um auch mal das Positive daran zu sehen." - S. 12


Meine Meinung
Und wieder ist Anna Huntley zurück. Gerade mal süße 15 Jahre alt, Tollpatsch hoch drei (aber so liebenswert!) und unfreiwilliges It-Girl, nur weil ihr Vater die berühmteste Schauspielerin der Welt heiratet. Die Vorgeschichte dürfte jedem, der die Bücher kennt, ausreichend bekannt sein. Allen Interessieren kann ich nur sagen, mit Band 3 (dem letzten?) ist es an der Zeit, dass ihr Anna kennenlernt. Die Cover sind sehr jugendlich, die Buchschnitte knallbunt, diesmal leuchtend gelb. Und die Geschichte? Die macht bei jedem Buch aufs Neue riesigen Spaß.

In "Plötzlich It-Girl: Wie ich beinah die Promi-Hochzeit des Jahres ruiniert hätte" scheint alles auf das große Finale hinzusteuern. Endlich heiratet Annas Dad die weltberühmte Schauspielerin Helena Montaine. Anna soll, gemeinsam mit Stiefschwester Marianne, die Brautjungfer sein. Das (mega ... gewöhnungsbedürftige) Kleid dafür ist schon gewählt, und Anna will diesmal alles richtig machen. Zuvor steht aber noch eine Klassenfahrt nach Italien an, bei der Anna sich etwas verloren fühlt, weil ihr Freund Connor lieber zu Hause bleiben wollte. Und warum verhält sich nach Annas Rückkehr plötzlich ihr Dad so komisch? Fällt die Promi-Hochzeit etwa ins Wasser?

Schon mit dem ersten Band hatte Anna mein Herz gewonnen. In dem lustig liebenswürdigen Tollpatsch steckt nämlich ein wunderbares Mädchen, das durchaus fähig zur Selbsterkenntnis ist und gute Entscheidungen treffen kann. Das hat sich in keinem der Bücher geändert. Klar, nach wie vor ist die Handlung bewusst witzig gehalten, neigt dazu überzogen dargestellt zu sein. Doch es macht einfach Spaß Annas Geschichte, ihre Katastrophen-Listen und ihre Mails zu lesen. Denn hinter all dem Glamour geht es um eine normale Familie, die eine sehr herzliche Beziehung zueinander hat und deren (zugegeben ungewöhnliche) Familienmitglieder sich gegenseitig wertschätzen. Auch wenn Humor hier ganz groß geschrieben wird, gibt es doch auch feinfühlige oder ernsthafte Momente.
Beim Lesen vergeht die Zeit wie im Flug. Und obwohl ich am Ende immer sehr glücklich bin, mag ich mich nicht so recht von Anna verabschieden. Und so soll es ja auch sein.

Fazit
"Plötzlich It-Girl: Wie ich beinah die Promi-Hochzeit des Jahres ruiniert hätte" trägt die Reihe nach dem altgewohnten Prinzip, ohne den Charme der Geschichte und der Charaktere zu verlieren. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite spritzig humorvoll, Protagonistin Anna eine liebenswerte Klasse für sich. Umso besser, wenn dann noch, wie hier, das Feingefühl nicht fehlt. Ich kann jedem, der zum Buch greift, ein kurzweiliges und vergnügliches Lesen garantieren. 4 von 5 Punkte vergeben ich dafür.

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de



Reiheninfo Plötzlich It-Girl-Serie:

Band 3 - Wie ich beinah die Promi-Hochzeit des Jahres ruiniert hätte

Freitag, 28. Oktober 2016

Review zu "Vierzehn" von Tamara Bach



Carlsen Verlag (September 2016),
Hardcover/SU, 112 Seiten
13,99 € [D]


Der erste Schultag. Zwei Wochen vor den Sommerferien ist Beh krank geworden und konnte nicht mit den anderen in den Urlaub fahren. Als das neue Schuljahr anfängt, hat sie alle acht Wochen lang nicht gesehen. Viel ist passiert, ihre Freundinnen haben neue Leute kennengelernt und Geschichten zu erzählen. Beh dagegen war nur zu Hause. Aber eigentlich war da mehr, von dem ihre Freundinnen nichts wissen. Zu Hause liegt eine Postkarte für sie im Briefkasten, in der Stadt gibt es ein Zimmer mit blauen Wänden, da ist ein Hund, ein Mädchen mit Schwimmflügeln und lauter Orte, die Beh bis zum Abend noch fotografieren wird, weil ihnen etwas fehlt. Und als Beh am Ende des Tages ihre Zimmertür schließt, hat sie auch jemand bei ihrem vollen Namen genannt. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag)


Jeanette stellt sich zu dir. Mensch, ihr habt ja noch so viel zu besprechen. Und ob du denn heute Nachmittag Zeit hast.
Du hast Ethik.
Und dann?
Du musst auch mal nach Hause. Jeanette kann ja, denkst du, und denkst, nein, kann gerade nicht zu dir nach Hause, dich besuchen. Nein.
Aber Jeanette hat schon einen Plan.
Ins Schwimmbad will sie.
So um fünf.
Oder sechs.
Das nennt die Nachmittag.
Du weißt noch nicht.
- S. 26/27


Meine Meinung
Dieses Buch zu besprechen, ja zu beurteilen, ist schwer für mich. Denn ganz ehrlich, wenn man es in der Hand hält, fällt es schwer zu ermessen, um was es genau geht. Gerade mal gute 100 Seiten umfasst die Geschichte. Am Ende ist die Sache klar, und erschließt sich schon aus dem Buchtitel. "Vierzehn" lässt mich mit einem erstaunten, fast euphorischen Gefühl zurück. Ich bin sehr begeistert.

Tamara Bach wählt für ihre Geschichte den Du-Stil. Vielleser sind ihm sicher schon begegnet, aber nicht auf diese Weise, wie die Autorin ihn hier anwendet. Sie schreibt knapp, mit kurzen Sätzen, direkt und kompromisslos. Dialoge werden meist erzählt, nur einzelne Sätze mit wörtlicher Rede hervorgehoben. Der Schreibstil wird nicht aufgrund der besseren Lesbarkeit angepasst oder "einfacher" gemacht. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr deutlich. Der Leser fühlt sich direkt angesprochen und wird mitgerissen. Ich habe selten etwas Vergleichbares gelesen.

Es geht um ein 14-jähriges Mädchen. Den Namen kennt man anfangs nicht, nur eine Abkürzung, die sie kurz nennt. Dieses Mädchen begleitet der Leser einen Tag lang: auf dem Schulweg, in der Schule beim Unterricht, bei Nachmittagsaktivitäten und am Abend. Das scheint simpel, geht aber sehr tief. Man erfährt in der kurzen Geschichte viel über ihre aktuellen Situation, ihre Sorgen und Gefühle. Man lebt förmlich in der Geschichte, war durch den besonderen Stil nochmals verstärkt wird.

Ich ertappe mich während des Lesens bei dem Gedanken, dass ich die Autorin gerne fragen würde, wie sie es schafft, den Leser genau dort zu packen wo er steht, auf eine sehr natürliche aber offensive Art und Weise. Dafür ist das Alter ihrer Protagonistin völlig unerheblich. Man möchte herausschreien, dass das Leben genau so ist, das man die Situation absolut nachvollziehen kann. Das Buch ist verdammt realistisch!

Fazit
"Vierzehn" ist mitten aus dem Leben geschrieben und in der Umsetzung außergewöhnlich gut. Mit dem spröde speziellen Stil, der etwas im Leser anrührt und völlig natürlich wirkt, setzt die Autorin Maßstäbe. Die Geschichte ist gleichzeitig normal und tiefgründig, bekannt und einzigartig. Sie begeistert auf eine Art, die man so noch nicht erlebt hat. Nicht verpassen! 5 von 5 Punkte gibt es von mir.

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de

Montag, 17. Oktober 2016

Review zu "Wunder, die wir teilen" von Sara Barnard



FISCHER KJB (August 2016),
Hardcover, 384 Seiten,
14,99 € [D]


Über das Wunder der Freundschaft: Caddy und ihre beste Freundin Rosie sind unzertrennlich. Dann taucht Suzanne auf, faszinierend und voller Geheimnisse. Caddy, die sehr behütet aufgewachsen ist, himmelt sie an. Mit ihr zieht sie nachts um die Häuser und probiert alles aus, was sie sich vorher nicht getraut hat. Für Rosie ist in ihrem Leben kein Platz mehr. Suzannes Einfälle werden immer waghalsiger. Es dauert eine Weile, bis Caddy begreift, dass Suzanne professionelle Hilfe braucht ... (Text- und Coverrechte: FISCHER KJB)


"Aber sie hat ihre Zeit an ihn verschwendet!" Ich war frustriert. "Und jetzt leidet sie. Was soll daran gut sein, dass sie am Ende losgelassen hat? Wäre es nicht besser, mit jemandem zusammen zu sein, bei dem sich das Festhalten lohnt?"
"Es gibt Leute, die nur nach diesem Motto leben", sagt Mum. "Aber geliebte Menschen kommen und gehen, Caddy. Das heißt nicht, dass wir sie weniger lieben, wenn wir mit ihnen zusammen sind."
- S. 143


Meine Meinung
"Wunder, die wir teilen" hat mich sofort interessiert, weil es ein Buch über Freundschaft ist. Über die Freundschaft zwischen drei Mädchen. Dieses Thema wird immer präsent bleiben, denn fast jeder hat ganz persönliche Freundschaftsgeschichten erlebt oder steckt mittendrin. Kann das funktionieren, wenn zu einer allerbesten Zweierfreundschaft plötzlich ein drittes Mädchen hinzukommt? Und belastet es eine Freundschaft zwangsläufig, wenn die neue Freundin große persönliche Probleme hat?

Caddy wächst sehr behütet auf. Im Gegensatz zu ihrer besten Freundin Rosie, geht Caddy auf eine Privatschule. Die Mädchen haben aber ein tolle Beziehung, eine echte Freundschaft. Und weil Caddy immer sehr angepasst und unauffällig agiert, hat sie sich für ihr neues Lebensjahr drei elementare Dinge vorgenommen: Einen Freund finden, keine Jungfrau mehr sein, ein einschneidendes Ereignis erleben. Dieses einschneidende Ereignis kommt in Form von Suzanne, einem sehr hübschen Mädchen mit Charme und Charisma. Zuerst hat Caddy Angst, dass Suzanne sich zwischen Rosie und sie drängt. Doch das Gegenteil ist der Fall.

"Das habt ihr euch selbst eingebrockt", bemerkt Rosie. "Ich kann nichts dafür, dass du eine Strafe bekommen hast. Ich bin deine beste Freundin, ich werde dir nicht sagen, dass alles gut ist, wenn es das nicht ist. Ich finde, deine Eltern haben recht. So, jetzt ist's raus. Sie hat definitiv einen schlechten Einfluss auf dich." - S. 293

Die Dynamik der Geschichte entsteht aus einer gewissen Normalität. Alles, was man liest, könnte einem selbst so passieren. Begonnen habe ich das Buch mit einer eindeutigen Sensationslust. Was diese Suzanne wohl so alles anstellen wird? Wird sie die Freundschaft zwischen Caddy und Rosie zerstören? Schnell war ich überrascht, dass die Handlung anfangs relativ unspektakulär daherkommt. Das steigert sich natürlich, aber hier geht es hauptsächlich um zwischenmenschliche Beziehungen zu Freundinnen und Familie, und eine Thematisierung von Problemen wie Misshandlung und den psychischen Störungen, die daraus resultieren.

Während Rosie einen klaren Blick auf die Situation behält, musste ich über Caddy einige Male stark den Kopf schütteln. Sie scheint völlig eingenommen von Suzanne, verändert sich stark, wird bockig und rebellisch, was überhaupt nicht zu ihrer Persönlichkeit passt. Das ändert sich auch mit einem dramatischen Höhepunkt nicht wirklich.
Die Autorin hat das Buch dennoch zu einem guten, den Umständen entsprechend positiven Ende gebracht. Sie hat mich tatsächlich mit Caddy und Suzanne versöhnt. Man entlässt beide (Rosie sowieso) mit einem guten Gefühl.

Fazit
"Wunder, die wir teilen" ist ein Buch über eine echte Freundschaft. Die Geschichte erscheint normal, fast alltäglich, und doch speziell mit ihrem dramatisch-schlimmen Thema. Ich habe gerne beobachtet, habe mitgefühlt, mich geärgert und war am Ende sogar positiv gerührt. Wenn es gelingt, dass der Leser die problematische Freundin zuletzt in einem ganz neuen Licht sieht, wurde vieles richtig gemacht. 4 von 5 Punkte für diese authentische Freundschaftsgeschichte.

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Review zu "Wonderland" von Christina Stein



FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch (August 2016),
Klappenbroschur, 384 Seiten,
12,99 € [D]


Sie machen eine Reise ins Paradies. Und landen in der Hölle auf Erden.
Thailand. Sonne, Palmen, eine Villa direkt am Strand. Der perfekte Urlaub! Doch als Lizzy am Morgen nach einer Strandparty aufwacht, ist sie gefangen. Mitten im Dschungel, mit ihren besten Freunden – und mit Jacob. Jacob, den keiner von ihnen richtig kennt, und der sie auf diese verdammte Strandparty eingeladen hat. Nur wegen ihm sind sie in einem Reality Game gelandet, in dem es nur schwarz oder weiß gibt, verlieren oder gewinnen, opfern oder geopfert werden.
Wer sind die Player in diesem Spiel? Was haben sie vor? Und welche Rolle spielt eigentlich Jacob? Lizzy hat keine Ahnung. Sie weiß auch nicht, wie lange sie ohne ihre Herzmedikamente überleben kann. Sie weiß nur eines: Die Gruppe muss bis morgen entscheiden, wer von ihnen das nächste Opfer sein wird ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch)


"Alle Mann in einer Reihe vor dem Tor aufstellen!" Es ist weniger der Inhalt, der mir den Boden unter den Füßen wegzieht, als die Stimme selbst, künstlich verzerrt, eine Monsterstimme aus einem Horrorstreifen.
Man kennt das einfach nicht aus dem echten Leben. Man kennt das aus Filmen, die man sich an Halloween anschaut, dicht in die Lieblingsdecke gekuschelt. In der Realität will man solche Sachen nicht wissen. Die will man nicht spüren, die sollen einen nicht so erschüttern, nicht bis ins Mark treffen.
- S. 35


Meine Meinung
Ein Opfer macht frei. Mit diesem Motto, oder besser Aufforderung, findet sich Liz im Dschungel wieder. Gefangen mit ihren Freunden, nicht wissend, was der Spruch konkret bedeuten soll. Fast unmittelbar müssen sie der Realität ins Auge sehen. Diese ist schlimmer als ihre Vorstellung reicht.
"Wonderland", der neue Jugendthriller von Christina Stein, gehört definitiv zu den härteren Vertretern seines Genres. Darum wird das Buch auch erst ab 16 Jahren empfohlen. Zurecht!

Ich finde es absolut klasse, wenn ich ein Buch beginne und mir sofort eine Besonderheit auffällt. Bei "Wonderland" ist es der Stil. Die Art, mit der Autorin Christina Stein die Geschichte erzählt. Sie schreibt teilweise in langen Sätzen, die auch mal einen ungewöhnlichen Aufbau haben, ganz abseits von allem, was man heute so kennt. Zwar ist das, was man liest, immer gut zu verstehen, einlesen muss man sich aber dennoch. Umso mehr die Handlung voranschreitet, umso eingängiger wird der Stil. Man empfindet ihn nicht mehr als ungewöhnlich, nur noch als sehr gelungen.
Die Charaktere stechen in diesem Buch besonders heraus. Alle haben eine markante Persönlichkeit oder eine auffällige Eigenschaft. Das funktioniert so gut, dass regelmäßig am Kapitelanfang die Perspektive zwischen den Protagonisten Liz und Jacob gewechselt wird, ohne dass dies durch eine Überschrift oder anderweitigen Hinweis angezeigt wird. Ich wusste jedoch immer nach ein paar Zeilen, wer die Geschichte gerade erzählt. So wird die Spannung hochgehalten, man erfährt als Leser Dinge, die andere Gruppenmitglieder (noch) nicht wissen.

Die Geschichte selbst ist eine Mischung aus Big Brother und Dschungelcamp - in böse. Mehr will ich gar nicht verraten, denn diese Assoziationen geben ziemlich genau wieder, was den Leser erwartet. Das Buch ist megaspannend und beängstigend realistisch. Realistisch aber nur bedingt. Man weiß zwar, dass die Situation theoretisch möglich wäre, dass es auf dieser Welt unvorstellbar kranke und grausame Menschen gibt, ist von einigen Szenen aber dann so abgründig überwältigt, dass es fast schon unwirklich wirkt. Die Handlung ist schonungslos und lässt kaum Zeit zum Luftholen. Und gerade wenn man meint, man hat es überstanden, geht es erst richtig los. "Wonderland" endet nicht offen oder mit der eigenen Vorstellungskraft, die Geschichte wird zu Ende erzählt.

Fazit
"Wonderland" ist ein stilistisch auffälliger, schonungsloser und atemlos spannender (Jugend)-Thriller, der die erhöhte Altersempfehlung zu Recht trägt. Ich war mir mehrmals während des Lesens unsicher, ob die Handlung nun echt oder doch nur ein äußerst makaberes Spiel ist. Die Gefühle der Charaktere sind so deutlich, dass alleine die Vorstellung der Situationen extrem beängstigend ist. Wer mal wieder einen besonders einprägsamen Jugendthriller lesen möchte, dem sei das Buch zwingend empfohlen. "Wonderland" lässt bis zum Ende garantiert nicht los. 4 von 5 Punkte von mir.

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de

Mittwoch, 14. September 2016

Review zu "Eine Woche voller Montage" von Jessica Brody



Magellan Verlag (Juli 2016),
Hardcover/SU, 448 Seiten,
17,95 € [D]


Ellie erlebt den schrecklichsten Montag ihres Lebens: Eine Katastrophe jagt die nächste, und als wären alle Peinlichkeiten nicht schon schlimm genug, macht ihr Freund Tristan aus heiterem Himmel mit ihr Schluss! Ellie wünscht sich nur eines: Sie möchte bitte, bitte eine zweite Chance. Die kriegt sie - am nächsten Morgen wacht sie auf und stellt fest: Es ist wieder Montag! Ellie setzt alles daran, die Fehler von gestern/heute zu vermeiden und für ihr eigenes Happy End zu sorgen. Doch wer hätte gedacht, dass ein Montag so hartnäckig sein kann? (Text-, Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag)


Okay, denken wir eine Minute lang darüber nach.
Was, wenn ich tatsächlich denselben Tag noch einmal erlebe - selbst wenn es nur ein Traum, die Folge abgelaufener rezeptfreier Schmerzmittel oder was auch immer ist. Sollte ich dann nicht wenigstens das Beste daraus machen? Sollte ich mein Wissen von gestern nicht nutzen, um den heutigen Tag zu optimieren?
- S. 130


Meine Meinung
Ich gehe davon aus, dass fast jeder das Prinzip des Films Und täglich grüßt das Murmeltier kennt. Ein Wetterreporter hat über einen ihm sehr verhassten Tag berichtet. Und morgens, sobald der Wecker klingelt, beginnt der gestrige Tag von vorne. Der Mann ist in einer Zeitschleife gefangen, muss den schrecklichen Murmeltiertag wieder und wieder durchleben.
Genau dieses Prinzip macht sich Autorin Jessica Brody in "Eine Woche voller Montage" zu eigen. Dachte ich anfangs noch an einen netten, vielleicht recht amüsanten Jugendroman, stellte ich schnell fest, welch großartigen Buchschatz ich vor meiner Nase hatte.

Hauptprotagonistin Ellie ist mit dem schulischen Rockstar-Schwarm liiert. Leider hatten die beiden am Sonntag Abend ihren ersten großen Streit. Schon am Montag möchte Ellie alles klären, sich mit Tristan versöhnen, um wieder zum Traumpaar der Schule zu werden. Doch der Tag gerät völlig außer Kontrolle und endet mit einem Desaster. Das ist die Grundstory des Buches. Genau diese bekommt der Leser nun mehrfach serviert, eine ganze Woche voll mit Montagen. Klingt langweilig? Ist es aber nicht! Bis zu einem gewissen Punkt ist die Geschichte tatsächlich vorhersehbar, nämlich so weit, dass es kein klassisches Happy End nach Ellies Willen gibt. Das wäre zu einfach und zu plump. Nein, "Eine Woche voller Montage" entwickelt sich überraschend anders, und weiß dabei außerordentlich gut zu unterhalten.

Blub-di-di-blub-blub-ding!
Wer schickt mir so früh schon Nachrichten? Vermutlich Owen, der wissen will, wie ich mich fühle.
Tja, das kann ich ihm gleich sagen: als wäre jemand mit einem Laster über mein Herz gefahren. - S. 93/94

Als Ellie erkennt, dass sie in ihrem Horror-Montag gefangen ist, diesen jeden Tag neu erlebt, setzt sie alles daran, die Missgeschicke des ersten Montags auszumerzen, bzw. zum Positiven zu wenden. Jeder Tag wird von Ellie anders erlebt, und obwohl sich einige Szenen wiederholen, werden sie aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Das wird nie langweilig, im Gegenteil! Mit der Zeit ändern sich Ellies Einstellungen und Gefühle, sie gewinnt an Charakterstärke, sieht manches in einem neuen Licht, bleibt dabei aber völlig menschlich. Dadurch wird das Buch erstaunlich tiefsinnig. Genau das ist das Faszinierende an der Geschichte.
Ein großer Bonus ist der Humor. Er ist immer präsent, sehr selbstironisch und animiert in manchen Kapiteln zum Dauerschmunzeln. Gleichzeitig hätte ich nicht gedacht, dass mich eine solch humoristisch-turbulente Geschichte gegen Ende sehr anrührt. Der Schluss war genau richtig.

Fazit
"Eine Woche voller Montage" gefiel mir ab Beginn, bis ich irgendwann realisierte, dass ich nicht wollte, dass das Buch zu Ende geht, und der Roman das Zeug zum Lieblingsbuch hat. Ich war vollkommen gefangen, fieberte mit, musste in jedem Kapitel herzlich lachen und genoss den herrlich kreativen Aufbau der Geschichte. Das Buch ist von der Idee über die Umsetzung weltklasse! So amüsant, so klug, so vorhersehbar-überraschend. Niemand braucht das täglich grüßende Murmeltier, wenn man eine Woche voller Montage haben kann. Dafür gibt es von mir 5 von 5 Punkte mit Lieblingsbuchstatus. Lesen!

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Freitag, 2. September 2016

Review zu "Herz aus Gold und Asche" von Katja Ammon



Planet! (Juli 2016),
Hardcover/SU, 336 Seiten,
16,99 € [D]


Elin kann es nicht fassen! Ohne große Anstrengung ergattert sie ihren Traumjob in einem der weltweit größten Pharmaunternehmen. Nicht nur, dass sie in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters tritt, nein, mit der Forschung kann sie möglicherweise ihrem schwerkranken Bruder helfen. Allerdings ist es nicht einfach, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, seit sie dort Esra begegnet ist. Er sieht umwerfend aus und ist unglaublich charmant, aber irgendetwas scheint er vor ihr zu verbergen.
Und jeder Schritt in seine Richtung treibt Elin mehr in die faszinierende sowie gefährliche Welt einer längst vergessenen Legende. Bis sie sich entscheiden muss: Wen soll sie retten - ihren Bruder oder ihre große Liebe? (Text-, Cover- und Zitatrechte: Planet! Verlag)


Aber was, wenn es nicht so war? Was, wenn der Grund, warum Esra mir aus dem Weg ging, der war, dass er tatsächlich kein Mensch war? - S. 95/96


Meine Meinung
"Herz aus Gold und Asche" hat, wenn man die Geschichte im Nachhinein betrachtet, einen sehr passenden Titel. Dadurch wirkt der Roman stimmig. Ich war vor dem Lesen komplett unwissend, um welche Thematik, ja, um welchen Wesen sich die Geschichte dreht, auch nachdem ich die Buchbeschreibung gelesen hatte. Das macht sehr neugierig. Im Grunde ist der Roman ganz konventionelle Jugendfantasy nach dem Motto: Mädchen trifft auf paranormalen Jungen. Trotz einiger Highlights, und neuen Fantasywesen, kann sich das Buch, aufgrund der Liebesgeschichte, nicht von der Masse ähnlicher Geschichten abheben.

Autorin Katja Ammon hat als Handlungsort der Geschichte ihre Heimatstadt Basel gewählt. Das ist sehr gut gelungen. Viele Eigenheiten der Stadt, Straßennamen und Altstadtflair, verpassen der Geschichte einen eigenen Stempel. Als Leser fühlt man sich "gut aufgehoben". Und das Beste, echte Sagen und Legenden der Stadt bilden die Grundlage für die Geschichte, sind frisch und teilweise überraschend umgesetzt. Das liest sich klasse. Dem gegenüber steht der moderne Pharmakonzern Panazea, der kurz vor einem Durchbruch in der Krebsforschung steht. Hauptprotagonistin Elin verfolgt durchaus eigene Interessen, als sie sich beim Pharmaunternehmen bewirbt, denn ihr Bruder hat Krebs. Die Hintergrundgeschichte ist wirklich klasse, bietet viel Raum für eine moderne und unverbrauchte Fantasygeschichte.

"Elin", begann er, "ich bin anders als du. Gefährlich."
Er beobachtete mich. In meinem Herzen wusste ich, was er mir zu sagen hatte. [...], aber auf einmal war ich mir nicht mehr sicher, ob ich es wirklich hören wollte.
"Das hier", er zeigte an sich hinunter, "ist nur ein Teil von mir. Der andere Teil ..." Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, und er schaute weg.
Ich war wie erstarrt. - S. 98

Wenn hier nicht die gewöhnliche Liebesgeschichte einen faden Beigeschmack hinterlassen würde. Sie war für mich leider genau so, wie schon hundertmal gelesen. Die sympathische Elin verliebt sich in den wunderschönen Esra. Das geht viel zu schnell und nicht ohne die typischen, die Attraktivität unterstreichenden, Adjektive von sich. Sein trainierter Körper, seine fließenden Bewegungen, seine wohlgeformten Lippen, ... - gegen ihn sehen alle anderen Männer gewöhnlich aus. Natürlich. Und er ist so anziehend gefährlich. Genau dieses schwärmerische Kennenlernen verleidet mir Lovestorys sofort. Schon bald kann man ahnen, dass sich hinter Esra mehr verbirgt, als der unglaublich attraktive Junge von Nebenan.

Der Plot ist durchdacht, die Vermischung von Fantasyreich und Realität wirkt echt und ansprechend. Während der kompletten Handlung wird die Spannung immer mehr aufgebaut, bis sie gegen Ende schaurige und nervenaufreibende Höhepunkte erreicht. Der Schluss ist nicht überstürzt oder gehetzt. Die Ereignisse haben eine angenehmen Handlungsrahmen. Die Geschichte ist abgeschlossen.

Fazit
"Herz aus Gold und Asche" ist ganz altbewährte Urban-Fantasy für Jugendliche. Der Handlungsort ist spannend gewählt, die Hintergrundstory beispielhaft. Auch die Fantasywesen, die sich an tatsächlichen Legenden des Schauplatzes orientieren, sind passend und unverbraucht. Dagegen wirkt die viel zu schnell beginnende Liebesgeschichte, mit all ihren klischeehaften und idealistischen Erkennungsmerkmalen, wie schon etliche Male gelesen. Damit kann das Buch nicht aus der Masse dieser Art Fantasygeschichten herausstechen. Genre-Neulinge dürfte das wenig stören. 3 von 5 Punkte gibt's von mir.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Samstag, 27. August 2016

Review zu "Mord ist nichts für junge Damen: Ein Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens



Knesebeck Verlag (August 2016), Band 1/9
Hardcover, 288 Seiten,
übersetzt von Nadine Mannchen,
14,95 € [D]


Deepdean-Mädchenschule, 1934. Als Daisy Wells und Hazel Wong ihr eigenes, streng geheimes Detektivbüro gründen, gibt es zuerst gar kein wirklich aufregendes Verbrechen zum Ermitteln. Doch dann entdeckt Hazel die Lehrerin Miss Bell tot in der Turnhalle. Zuerst denkt sie, es sei ein schrecklicher Unfall gewesen. Aber als Daisy und sie fünf Minuten später zurückkommen, ist die Leiche verschwunden. Jetzt sind die Mädchen sicher: Hier ist ein Mord geschehen! Und nicht nur eine Person in Deepdean hätte ein Motiv gehabt ...
Nun haben Daisy und Hazel nicht nur einen Mordfall aufzuklären - zuerst müssen sie beweisen, dass es überhaupt ein Mord war. Fest entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, bevor der Mörder wieder zuschlagen kann (und bevor die Polizei eingeschaltet wird, natürlich), müssen Hazel und Daisy nach Beweisen suchen, Verdächtige ausspionieren und all ihre Intuition einsetzen. Doch werden sie Erfolg haben? Und wird ihre Freundschaft diese Herausforderung bestehen? (Text-, Cover-  und Zitatrechte: Knesebeck Verlag)


"Da ist sie", sagte ich und zeigte mit dem Finger auf die Stelle. "Ich hab's euch ja gesag-"
Doch als ich an meinem ausgestreckten Arm entlang auf den Boden Blickte, wo - nur Minuten zuvor - Miss Bell gelegen hatte, fehlte von ihr jede Spur. Die Turnhalle war vollkommen leer und ruhig. Nur ein kleiner dunkler Fleck auf den polierten Dielen zeigte, wo sich ihr Kopf befunden hatte.
- S. 30


Meine Meinung
"Mord ist nichts für junge Damen" hatte vom ersten Moment diese magische Anziehung auf mich. Dabei kannte ich weder die Autorin, noch hat dieses brandneue Jugendbuch das kleinste Bisschen mit Magie zu tun. Der Roman sieht besonders aus und er klingt auch sehr besonders, wie eine Art Revival altertümlicher Internats-Krimis. So etwas gab es doch früher, oder? Jedenfalls scheint sich hier der erste Eindruck zu bestätigen. Robin Stevens Debüt ist ein charmantes Lesevergnügen mit einer Geschichte, die aus der Masse heraussticht.

Daisy Wells und Hazel Wong, beide 13-jährige Schülerinnen der Deepdean-Mädchenschule, haben eine Detektei gegründet. Daisy ist die Vorsitzende, Hazel die Schriftführerin. Ihre bisherigen Fälle (heimlich fremde Tagebücher lesen und anderen Schülerinnen hinterherspionieren) waren nicht sehr aufregend. Das ändert sich schlagartig, als Hazel in der Turnhalle die Leiche einer Lehrerin findet ... die nur Minuten später wie vom Erdboden verschluckt ist.
Schon auf den ersten Seiten wird klar, das wird ein entzückendes Lesevergnügen. Die Sprache ist gepflegt, angepasst an Romane der 30er-Jahre, jedoch modern interpretierte und gut verständlich. Auch das Schriftbild wurde authentisch an die Geschichte angepasst. Die schwarz-weiße Übersichtskarte der Schule und einen Auflistung der wichtigsten Personen schmücken das Buch zu Beginn. Hier stimmt alles, und der Roman macht im Gesamtbild einen sehr hochwertigen Eindruck.

Ich-Erzählerin Hazel hat einen tollen, oft trockenen, Humor. Sie ist die Sympathieträgerin der Geschichte. Als Leser erhält man einen guten Einblick in ihre Hintergrundgeschichte, ihre Stärken, aber auch Schwächen und Ängste. Hazel ist Daisy gegenüber sehr ergeben und angepasst. Dagegen wirkt Daisy fast schon zickig und resolut, oft nicht sehr freundlich gegenüber ihrer Freundin. Im Laufe der Geschichte finden beide Mädchen erst richtig zueinander, bis sich am Ende ein liebevoll-respektvolles Miteinander entwickelt. Das wirkt glaubhaft und gut durchdacht.

Der Kriminalfall, bzw. die Spannung, wurde an die Zielgruppe angepasst. So hat die Geschichte auch Passagen, in denen augenscheinlich nicht viel passiert, die Ermittlungen nebensächlich werden. Aber selbst dann ist die Anziehung der Handlung ungebrochen. Gegen Schluss steigert sich die Spannung und die Lösung des Falls wird für viele Leser unerwartet oder überraschend sein. Die Handlung ist für diesen ersten Band abgeschlossen, weitere Folgen werden hoffentlich folgen.

Fazit
"Mord ist nichts für junge Damen", der erste Fall der Detektei Daisy Wells & Hazel Wong, ist ein Highlight im Jugendbuch. Die Geschichte hat eine exzellente gehobene Sprache, die zum Flair einer Mädchenschule der 30er-Jahr passt. Sie liest sich sehr charmant mit einem feinen Humor. Der Kriminalfall ist besonders und unaufgeregt spannend, die beiden jugendlichen Detektivinnen sind eine Klasse für sich. Diese moderne, junge Version eines Agatha Christie-Krimis kann sich äußerlich und innerlich sehen lassen und ist eine große Empfehlung! Ich hoffe auf viele weitere Fälle für Wells & Wong. Für den Reihenstart gibt es von mir 4,5 von 5 Punkte.

© Damaris Metzger, damarisliest.de





Reiheninfo Ein Fall für Wells & Wong-Serie:

Band 1 - Mord ist nichts für junge Damen