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Mittwoch, 16. Januar 2013

Buchthema im Januar 2013 - Der ewige Kampf gegen den SuB oder "Das Luxusproblem einer Buchbloggerin"

TeilSuB 1 (alle diese Bücher warten darauf, dass ich sie lese)


Liebe Leser, BloggerkollegInnen, Interessierte und Mal-eben-kurz-VorbeischauerInnen,


das ist er, mein aktueller SuB. Für alle, die dieses, in der Literatur- und Buchblogszene etablierte, Wort zum ersten Mal hören:


SuB, der = Stapel ungelesener Bücher 

Hier wird die Menge an Büchern definiert, die ein Leser ungelesen im Regal, auf Stapeln, unter dem Bett, in Kisten, Zimmern, Kellern, usw. hat und die er über kurze oder lange Zeit lesen möchte, aber (aus welchen Gründen auch immer) noch nicht dazu kam. So, dann hätten wir das geklärt. 
Edit: Inoffizielle Bezeichnungen könnten RuB, die (Regale ungelesener Bücher) oder ZuB, das (Zimmer ungelesener Bücher) lauten. Bestätigten Berichten zufolge, kommt das bei fanatischen Lesern durchaus vor. Etabliert hat sich aber der SuB, darum möchte ich in meinen Ausführungen dabei bleiben.

Mein SuB umfasst zum Zeitpunkt dieses Beitrags 48 Bücher. Und bevor hier die Protestschreie von Buchbloggern und Lesern durch die Blogssphären hallen ("Ich habe noch viel mehr!", "Der ist doch nicht groß!", "Meiner ist 3-stellig!", "Warum ist dir das zu viel? Du hast ein Luxusproblem!", ...), ja, ich weiß, es gibt viel größere SuBs. Von 3-stelligen, gar 4-stelligen SuBs lese ich andauernd. Kindle E-Books zähle ich übrigens NICHT zu meinem SuB. Meine ungelesenen E-Books haben meinen realen SuB schon überschritten. Aber die sehe ich nicht, die nehmen mir keinen Platz weg, und deswegen stresse ich mich damit auch nicht.
Für mich persönlich bedeuten 48 ungelesene Bücher zum einen Herzchen in den Augen und ein verzücktes Grinsen im Gesicht, wenn ich täglich mehrmals (!) über die Buchrücken meiner ungelesenen Bücher streiche oder sie einfach nur betrachte. Zum anderen nagen diese ungelesenen Bücher ständig an meinem Gewissen und appellieren an meine Vernunft. Um das zu erklären, muss ich etwas ausholen ...


TeilSuB 2: (Stapel für eine Young-Adult-Challenge und ein paar Neuerscheinungen)


Als ich vor ziemlich genau zwei Jahren mit dem Buchbloggen anfing, lagen 9 ungelesene Bücher in meinem Regal (von einem Wort "SuB" hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas gehört!). Mittlerweile habe ich das Gefühl in meinen ungelesenen Büchern baden zu können. Ich besitze immer mehr davon, als ich in ein bis zwei Monaten lesen könnte. Gut, irgendwie ist das auch ganz logisch. Mode- und Beautyblogger schwimmen in Klamotten und Schminki, Filmblogger in DVDs und Blu-rays und Buchblogger eben in Büchern. Warum ist das so? Wir sind einfach zu gut informiert! Schließlich ist das Bloggen zwar aufwändig, aber eben doch unser liebstes Hobby. Neben dem Lesen und Rezensieren bekomme ich täglich haufenweise Informationen über Neuerscheinungen, empfehlenswerte Bücher und Must-Reads von Verlagshomepages, Facebook und anderen Buchbloggern. Diesem "Druck" erliege ich, ganz klar. Ich stehe auf Bücher! Ich liebe sie einfach und kann meine "Gier" nach einem bestimmen Buch kaum zügeln, sobald ich eine Must-Read-Empfehlung dazu gelesen habe. Dazu kommt auch noch, dass man angefangene Buchserien beenden möchte (und das sind viele!), monatlich aber immer auch viele Neuerscheinungen rauskommen - ein ewiger Kreis, der nie ein Ende haben wird.

Zum Thema Tauschen: Seit ich vor eineinhalb Jahren das Büchertauschen für mich entdeckt habe, ist es noch einfacher, an viele, viele Bücher zu kommen. Bei über 130 gelesenen Büchern pro Jahr kann ich keinesfalls alle behalten, da müsste ich anbauen. Ich bin mittlerweile soweit, dass ich mir nach dem Lesen ganz genau überlege, ob ich das Buch jemals noch mal lesen würde oder nicht. Wenn nicht, dann tausche ich auf einer Büchertauschplattform gegen virtuelle Tickets. Dafür kann ich mir wieder neue Bücher ertauschen/anfordern - also alles nach dem Prinzip "Geben und Nehmen". Sonst funktioniert es nicht. Und glaubt mir, hier versiegt der Büchersegen nie! Im Gegenteil, es läuft sogar so gut, dass es zu einer Art Sucht ausarten kann. Der Beweis: 80% meines SuBs sind ertauschte Bücher! (davon sind ca. 60% fremdgetauscht und 40% mit befreundeten Bloggerinnen getauschte Bücher)

Hier werden sich jetzt viele fragen, warum ich mir solch einen Stress mache, 48 ungelesene Bücher sind doch schließlich eine feine Sache. Stimmt schon, und hier geht auch jeder Blogger/Vielleser, der einen SuB besitzt, anders mit dem Thema um. Manchen kann der SuB gar nicht hoch genug sein und sie machen sich auch keine Gedanken darüber oder sehen ungelesene Bücher als Sammlung. Von mir gibt es hier (ehrlichen!) Respekt, diese mentale Ausdauer habe ich nicht. Und ich weiß auch, dass ich mit der andauernden Sorge über den SuB nicht alleine bin. Von vielen Buchbloggern hört man von einem ewigen Kampf gegen denselben. Buchkaufverbote, SuB-Abbau-Challenges, "Schlechte-Gewissen-Posts", etc. bestätigen dies. 

Neben den Vorteilen einen SuB zu besitzen (ich kann theoretisch lesen, vorauf ich Lust habe, habe immer die volle Auswahl, ...) habe ich mir, für mich ganz persönlich, Gedanken darüber gemacht, warum ich ständig mit meinem Gewissen gegen meinen SuB ankämpfe:

  • Ich habe die Entdeckung gemacht, dass ich viele Bücher unbedingt haben muss. Sobald sie auf dem SuB sind, bleiben sie oft - nicht immer - erst mal liegen (vor dem Bloggen hätte ich sie wahrscheinlich sofort gelesen).
  • Stattdessen lese ich viele Neuerscheinungen. Liegengebliebene SuB-Bücher rutschen so immer weiter nach unten/hinten (ich habe ja immer mehr als ich lesen kann!). So manche Neuerscheinung wird somit "alt".
  • Auch habe ich teilweise die Erfahrung gemacht, dass ich dann irgendwann keine rechte Lust mehr auf die "alten" SuB-Bücher habe. Was man vor Monaten unbedingt sofort haben musste, wird uninteressant. Das merke ich sofort an meiner Lesemotivation, sobald ich dann danach greife. Das ist einfach nur schade! Diese Erfahrung würde man mit einem kleinen oder keinem SuB wahrscheinlich nicht machen, da alle Bücher ja zeitnah gelesen werden. Natürlich ist das nicht immer so, aber es kommt vor.
  • Bücherkauf und Büchertausch sind eine Art Sucht. Sobald ich ein neues Buch habe, lacht mein Herz und stahlen meine Augen, mein Körper produziert Glückshormone. Das ist wie Weihnachten als Kind. Bücherfans werden das verstehen. Stelle ich das Buch dann aber zu den anderen ungelesenen ins Regal, lässt die Freude ganz schnell nach. Ein kleines, schlechtes Gewissen meldet sich, weil da ja noch so viele andere Bücher rumstehen und man weiß, dass man gar nicht so viel Zeit aufbringen kann, um alle bald zu lesen.
  • Ich fühle mich zeitweise von meinem SuB erschlagen. Und obwohl das Lesen mein liebstes Hobby ist, bin ich mich manchmal regelrecht "buchübersättigt". Dieses Gefühl kenne ich von früher, als ich noch beschwingt durch die Buchhandlungen stöberte und jedes erstandene Buch zeitnah gelesen habe, nicht.
  • Ich möchte ALLE Bücher auf meinen SuB nicht nur ungelesen im Regal stehen haben, sondern sie auch wirklich lesen! Weil oft mehr Bücher pro Monat dazukommen als ich auch lesen kann, schaffe ich das nicht zeitnah. Das frustriert mich. Oft lese ich ein aktuelles Buch mit der Aussicht auf das nächste ungelesene in meinem Regal. Das ist nicht gerade konzentrations- und motivationsfördernd (ich kann mich nicht richtig ins Buch fallen lassen).
  • Pro Monat lese ich etwa 10-14 Bücher. Bei meinem SuB von 48 Büchern hätte ich somit Lesestoff für etwa 5 Monate, ohne einen einzigen Buchzugang. Wenn ich mir ausrechne, wie lange ich an einem SuB von 100 oder 200 lesen würde, ohne dass ein neues Buch dazu käme, wird mir ganz anderes.
  • Hätte ich keinen (oder nur einen kleinen) SuB, könnte ich alle Neuerscheinungen, Fortsetzungen oder Haben-Muss-Bücher fast sofort lesen. Dieses lange Liegenbleiben würde komplett entfallen.

Das soll erst mal genügen und ist Erklärung genug, warum ich mental einen ewigen Kampf gegen meinen SuB führe. Ein Luxusproblem, werden jetzt viele denken. Aber ich weiß auch, dass mir einige Blogger und Vielleser bei meinen Gedanken zustimmen, dieselben "Sorgen" haben oder sich mit ähnlichen Gedankenspielen bzgl. ihres SuBs beschäftigen.
Ich bin wieder einmal an dem Punkt (wie schon vor ca. einem Jahr) an dem ich meine Konsequenzen für mich und meinen SuB ziehen möchte. Ohne Abbau-Challenge, ohne Masterplan und ohne Geheimrezept. Darum führe ich das auch hier nicht weiter aus, sondern regle das mit mir alleine. Aber ohne Verzicht und eisernen Willen wird es nicht gehen. Soviel weiß ich schon jetzt.
Ganz ohne SuB will ich nicht sein. Mein Traum wäre ein SuB von 10-15 Büchern. Für mich wäre das genug Auswahl, wäre aber nicht mit den Stressgedanken über meinen SuB verbunden, da ich alle Bücher zeitnah, etwa innerhalb eines Monats, lesen könnte.


Mich interessiert eure Meinung zum Thema. Egal ob ihr Bücherblogger, Vielleser oder komplett Außenstehender seid. Gerne könnt ihr mir eure Meinung schreiben, bzw. hier kommentieren. Habt ihr einen SuB? Seht ihr das ähnlich wie ich oder total überzogen? Macht ihr euch Gedanken über die Höhe eures SuBs oder ist euch das komplett egal?

Mein "Buchthema des Monats" ist keine Anleitung, keine Kritik an anderen Personen und kein Richtig oder Falsch. Es ist meine persönliche Meinung zu Themen die mich beschäftigen und interessieren, rund um mein Lieblingsthema - Bücher! (und vieles, das damit einhergeht)

Montag, 14. Januar 2013

Review zu "Eve & Caleb: Wo Licht war" von Anna Carey



Loewe (Januar 2013), Band 1,
Taschenbuch, 304 Seiten,
8,95 € [D]


Wie überlebst du, wenn du vor allem fliehen musst, was du kennst? Seit ihre Mutter während der Großen Seuche vor 16 Jahren gestorben ist, lebt Eve in einem Mädcheninternat. Hier wird sie zu einem wertvollen Mitglied der neuen Gesellschaft ausgebildet – glaubt sie zumindest. Als Eve erkennt, wie sehr sie und die anderen Mädchen ausgebeutet werden sollen, flieht sie. Doch auf ein Überleben in der Wildnis und auf die Flucht vor den Soldaten des Neuen Amerikas ist Eve nicht vorbereitet. Unerwartet hilft ihr Caleb, ein junger Rebell. Kann Eve ihm trauen? Sie weiß, die Soldaten werden die Suche nicht aufgeben, und Caleb ist ihre einzige Möglichkeit zu überleben. Sie muss ihr Leben in die Hände eines Fremden legen. (Text- und Bildquelle: Loewe Verlag)


Meine Meinung
"Wo Licht war" hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber manchen seiner Dystopie-Genrekollegen: Es beginnt sauspannend! Eve lebt in einem Mädcheninternat, zusammen mit vielen anderen Mädchen des Neuen Amerika. Alle sind Waisen und haben bei der Großen Seuche ihre Eltern verloren. Eves Leben ist komplett vorgefertigt. Nach der Schule wird sie eine Ausbildung machen und ihre Talente im Neuen Amerika bestmöglich einsetzten. Ihr Leben gerät komplett aus den Fugen, als sie eines Nachts eine grausige Entdeckung macht. Es wird nicht zu viel verraten, wenn man hier den Klappentext aufgreift; Eve flieht. Daraufhin beginnt ein Abenteuer, das sich durch das ganze Buch zieht.

Das alles passiert in den ersten drei (relativ kurzen) Kapiteln. Hier können sich Leser, die gerne von Anfang an informiert sein wollen, nicht beschweren. Der Einstieg fällt einem leicht, man muss sich nicht, wie so oft, in einer fremden, dystopischen Welt zurechtfinden. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt also schon, was mit der Welt geschehen war, wie sie regiert wird und wie die Zukunftsvorstellungen der Regierung, in diesem Fall eine Monarchie, sein werden. Im Laufe der Handlung wird natürlich noch einiges vertieft und man gewinnt neue Erkenntnisse.

Mit Eve wird vielleicht der eine oder andere Leser etwas warm werden müssen. Ich empfand sie zwar nicht als schwierig oder zickig, dagegen ist sie bei aller Gefahr teilweise doch recht leichtsinnig. Wenn man bedenkt, welche Entdeckung sie machen musste und dass sie vor dieser Gefahr geflohen ist, ist das nicht leicht zu verstehen. Dadurch bringt sie sich und andere oft in unnötige Gefahr und das kann teilweise etwas nerven. Sehr gerne mochte ich das Mädchen Arden, eine Nebenrolle der Geschichte. Sie ist ein sehr kantiger Charakter und passt damit hervorragend zur Geschichte. 
Caleb ist ein ruhiger und sehr verlässlicher männlicher Hauptcharakter. Ich hätte ihn mir etwas aussagekräftiger gewünscht, mochte ihn aber trotzdem sehr gerne. Er ist auf jeden Fall ein Ruhepol gegenüber Eves unbedarfter Art. Das ergänzt sich sehr gut.

Anna Carey beschreibt Eves Reise sehr bildlich. Man kann sich wirklich vorstellen, wie sich die Natur nach der Seuche die Straßen und Städte zurückerobert (Film-/Bildvergleich: "I Am Legend" - mit Will Smith). Manchmal haben ihre Beschreibungen fast schon Dokumentationscharakter. Mich hat es nicht gestört, ich fühlte mich beim Lesen sehr wohl. Einige von Careys Ideen, zum Beispiel, dass Amerika von einem König regiert wird und eine diktatorische Monarchie darstellt, wirken frisch und unverbraucht.
Ich bezeichne "Wo Licht war" als klassische Abenteuerdystopie. Die Handlung wechselt relativ konstant zwischen Gefahr - Flucht - Hilfe, ist aber, auch wenn man das meinen könnte, überhaupt nicht vorhersehbar. Der Umstand des Abenteuers, dass es hier zu überstehen gilt, hat eindeutig mehr Gewichtung als die zarte Lovestory - welche mir im Übrigen sehr gut gefiel. Hier haben Eves Erfahrungen, die Schlüsse, die sie daraus zieht und ihr Handeln dann wirklich Hand und Fuß. Die Lovestory ist passend, nicht übertrieben und kitschfrei.

Das Ende war für mich dann unerwartet und überraschend. Und ... ich hatte einen dicken Klos im Hals! Trotz etwas Kritik an den Charakteren sind mir Eve und Caleb sehr ans Herz gewachsen. Einen direkten Cliffhanger gibt es zwar nicht, aber nach diesem Ende MUSS man einfach wissen, wie es mit diesem Abenteuer weitergeht. "Wo Licht war" ist der Beginn der Eve & Caleb-Trilogie. Die Folgebände "In der gelobten Stadt" (Bd. 2) und "Kein Garten Eden" (Bd. 3) erscheinen in kurzer Veröffentlichungsreihenfolge im Herbst 2013 und Frühjahr 2014.

Fazit
"Wo Licht war" ist genau das richtige Buch für alle, die Abenteuerdystopien mögen und den Fokus gerne auf eine spannende Handlung legen. Ich fühlte mich beim Lesen teilweise wie in einem Film. Die Lovestory gehört zur Handlung, drängt sich aber nicht auf. Mir gefielen die einfachen, aber nicht oberflächlichen, Strukturen und die gut verständliche Ist-Situation der dystopischen Welt von Anna Carey. Am Ende war ich dann sowohl überrascht, als auch sehr berührt. Für mich geht es mit Eve & Caleb definitiv weiter!

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Montag, 7. Januar 2013

Rezension zu "BETA" von Rachel Cohn



Verlag: cbt (Februar 2013)
Originaltitel: ANANDA Series 1: Beta
Übersetzer: Bernadette Ott
Reihe: 1/4, ab ca. 13 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 416 S.
ISBN: 978-3570161647
17,99 € [D]

Genre: Science-Fiction

© Cover- und Zitatrechte: cbt Verlag


Das Thema
Elysia ist ein weiblicher Klon, genauer, ein Teenager-Beta-Klon in der Testphase. Sie wurde geschaffen, um reichen Celebritys auf der paradiesischen Insel Demesne zu dienen. Den Dienstbereich legen die Besitzer durch ein Tattoo auf der Schläfe des Klons fest, nachdem sie ihn gekauft haben. Klone unterscheiden sich von den Menschen durch ihr Äußeres, z.B. haben sie alle fuchsiafarbene Augen, und dadurch, das sie keine Seelen und die damit verbundenen Gefühle haben (sollten). Sie dienen ohne zu hinterfragen, bei allem, was man von ihnen verlangt. Doch Elysia merkt schnell, dass das Verhalten der Menschen gegenüber den Klonen nicht richtig ist, das sie die Klone in jeder Hinsicht ausbeuten. In ihr regt sich Widerstand. Doch wenn sie diesen offen legt bedeutet das, dass sie nicht perfekt ist. Dass sie einen Defekt hat - und auf Demesne hat dies für einen Klon den Tod zur Folge.

Die Rezension

Der Anfang: Sie will mich kaufen.

Rachel Cohn ist den meisten Lesern ein Begriff. Man kennt die Autorin hierzulande vor allem durch ihre Kooperationsprojekte mit Kollege David Levithan ("Nick & Norah - Soundtrack einer Nacht", "Dash & Lilys Winterwunder). Jetzt hat die Autorin einen eigenen Science-Fiction Roman, der Start einer neuen Serie für Jugendliche geschrieben. Und das ist ihr sehr gut gelungen!

Die Umgebung, in der "BETA" spielt kann nur als paradiesisch-künstlich beschrieben werden. Die Insel Demesne wurde für die Superreichen geschaffen. Es ist ein Privileg dort zu leben. Alles ist optimiert, vieles nicht natürlich: Die Luft wird künstlich verbessert, das Wasser violett und weich gemacht, sogar die Wellenhöhe kann gesteuert werden. Klone stehen den reichen Bewohnern rund um die Uhr für jeden Wunsch zur Verfügung und Dienstklone halten die Insel schön und sauber - hier ist alles optisch tadellos, perfekt. Und genau so "perfekt" verhalten sich die versnobbten Inselbewohner. Sie sind anspruchsvoll, ständig am jammern, hamoniesüchtig und wollen sich gegenseitig mit Prestige übertrumpfen.

Wir klettern hoch, was nicht ganz einfach ist. Oben angekommen entdecke ich, dass sich auf der anderen Seite eine versteckte Bucht mit tiefblauviolettem Wasser befindet, dessen Wellen mit goldenem Schaum an einem rosenquarzfarbenen Strand auslaufen. Das ist der Hidden Beach. - BETA, S. 81

Das Lesegefühl, das die Autorin hier vermittelt gleicht dem ersten Eindruck, den man sich nach einigen Kapiteln von der Insel und ihren Bewohnen macht. Die Geschichte wirkt sehr ruhig, künstlich beherrscht und irgendwie Lila. Dabei ist sie aber sehr einprägsam mit einer kühlen, klaren Schreibweise. Sehr passend. Filmkenner werden sofort eine Assoziation zu "Die Insel" (ET 2005 mit Ewan McGregor, Scarlett Johansson) herstellen. Natürlich ist die Handlung nicht dieselbe, aber das Setting und Verhalten der Menschen und Klone weißt einige Ähnlichkeiten auf. Auch wenn die Grundthematik ("unterdrückte Minderheit gewinnt an Stärke und plant den Aufstand") nicht neu ist, so ist es gerade der eindringliche Handlungsverlauf der Geschichte, der einen an die Seiten fesselt.

Komplett überzeugend ist die Darstellung von Teenagerklon Elysia, vor allem von der Gefühlswelt, die sie hat. Und diese sollte ja bei ihr nicht vorhanden sein. Der Spagat zwischen ihrem anfänglichen Verhalten und ihrer Denkweise später ist enorm und großartig ausgeführt. Dabei wirkt das Buch bis auf das letzten Viertel nicht gehetzt, alles entwickelt sich fast "wie in Echtzeit" und hat eine authentische Wirkung auf den Leser.
Etwas fragwürdig bleibt die starke Thematisierung von Sex und Drogen in diesem Jugendbuch. Während ersterer jugendgerecht umschrieben wird und (bis auf handlungsrelevante Ausnahmen) ein unterschwelliger Begleiter der Story bleibt, rück das Thema Drogen in einen fast schon verherrlichenden Vordergrund. Dass Jugendliche bei der heutigen Jugendliteratur und ihren Brennpunktthemen einen eher gefestigten Charakter haben sollten, zeigt sich stellenweise auch bei "BETA".

Auch in "BETA" gibt es die obligatorische Lovestory. Hier wieder in einer sehr positiven Umsetzung. Sie wirkt nicht, wie bei vielen Bücher, vorprogrammiert. Das Wer-mit-wem ist nicht von vornherein klar und kommt dann auch noch anders, als man es vielleicht vermutet. Man fragt sich sogar teilweise ob und wann denn da lovestorytechnisch noch etwas kommt soll. Es soll und gefällt! Und das auf eine etwas andere, aber sehr gefühlvolle Art.
Die letzten 100 Seiten werden sehr rasant und, nach der anfänglichen paradiesischen Ruhe und lila Einfarbigkeit, schon fast zu bunt. Da wird noch einmal richtig dick aufgetragen und so manches Klischee in die letzten Seiten gequetscht. Mitreißend ist es trotzdem ... bis dann wieder ein mal ein gemeiner Cliffhanger für große Augen und frustriertes Aufstöhnen sorgt. Wann, bitte, kommt Band 2?

Das persönliche Fazit
"Huch", dachte ich am Ende. "Das war jetzt aber ganz schön krass!" Ich mochte dieses Buch sehr gerne. Da ich den Film "Die Insel" mag und sich für mich ein ungefährer Vergleich mit "BETA" förmlich aufdrängte, entsprach die Geschichte meinem Sci-Fi-Geschmack. Rachel Cohns nüchterner und unterschwellig-gefühlvoller Stil ist super. Und obwohl nicht alles in der Geschichte neu ist, gibt es einige Szenen und Wendungen, die es ganz schön in sich haben. Außerdem gefiel mir eine nicht vorprogrammierte Lovestory. Den Part mit den Drogen sehe ich etwas kritisch, aber auch passend. Hier bin ich etwas zwiegespalten. Rückblickend empfand ich das Buch als eindringlich und eben ... Lila. Wobei es am Ende wohl in allen Regenbogenfarben schillern dürfte. Ob einem das zu viel, bzw. zu bunt wird, wird der individuelle Geschmack eines jeden Lesers entscheiden. Der fiese Cliffhanger am Ende schreit förmlich nach den Folgeband. Es wird spannend! 4 paradiesisch-lila Sterne.


Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5

Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Freitag, 4. Januar 2013

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Dezember 2012 + kurzer Jahresrückblick

2012 ist vorbei - 2013 ist da! Es ist gar nicht leicht ein Resümee, bzgl. Damaris liest., für das vergangene Jahr zu ziehen. Das Bloggen und Rezensieren hat Spaß gemacht, doch vor allem im alten Jahr wurde mir bewusst, dass Bloggen auch sehr viel Arbeit und Stress bedeuten kann. Schließlich hat man auch noch ein (intensives) Leben neben dem Blog. Macht man sich beim Hobby selbst zu viel Stress, dann leidet der Spaß!
Darum gab es auch einige Änderungen, die vor allem die vielen Buchlisten, Statistiken und "Ich lese"-Posts auf Damaris liest. betreffen. Mit den Bloggerjahren findet man seinen Stil. Ich bin ein Ordnungs-, Planungs und Listenfreak, kurz - eine Perfektionistin. Das ist einerseits gut, andererseits stehe ich mir damit oft selbst im Weg, bzw. nehme vieles zu ernst. Das Buchbloggen hat mir im vergangenen Jahr gezeigt, dass man in diesem Bereich nicht alles zu verbissen sehen sollte. Es geht auch ohne Listen, tägliche Updates und "Ich lese"-Posts zu jedem Buch. Bloggen soll mir an erster Stelle Spaß machen. Einen gewissen Anspruch habe ich nach wie vor an meine Buchbesprechungen (Rezensionen, Reviews und High Fives). Dieser Baustein bedeutet zwar die meiste Arbeit, ist aber auch das Fundament eines Buchblogs - und daran wird nicht gerüttelt.

Meine Buchzugänge vom Dezember 2012 - 8 Bücher:





Danke an Reni, die mit mir Asche und Phönix getauscht hat. Amy on the Summer Road war eine Geburtstagsüberraschung von Asaviel - vielen Dank auch an dich! Dann war ich in unserer kleinen Stadtbuchhandlung stöbern, auf der Suche nach weihnachtlichem Lesestoff und die Fortsetzung der Ewiglich-Trilogie musste natürlich auch sein! Besonders gespannt bin ich auch auf die zwei Loewe-, bzw. script5-Neuerscheinungen Im Herzen die Rache und Der Mann, der den Regen träumt.


Buchabgänge - Gelesen habe ich im Dezember 13 Bücher:





Rezensionen und Reviews gibt es zu

Santa's Baby und Ewiglich die Hoffnung waren im Dezember meine Highlights! Kuss des Tigers war eine absolut positive Überraschung, trotz Kitsch- und Schmachtfaktor unbedingt zu empfehlen.


Kurzer Jahresrückblick 2012:


Gelesen: 136 Bücher (HC, TB, Broschur und Kindle)
davon englische Bücher: 2
Gehört: 2


Highlights 2012:


ein Klick auf die Trilogie führt zu den Rezensionen

Die komplette Splitterherz-Trilogie! Ich habe alle Bücher 2012 gelesen und jedes einzelne ist für mich ein Meisterwerk. Diese Trilogie sprach alle meine Sinne an, wie selten eine Buchreihe zuvor. Am Ende war ich emotional so ergriffen, dass ich froh war die Bücher mit einer Bloggerin gemeinsam gelesen zu haben und wir darüber reden konnten. Ich bin begeistert!


  
ein Klick auf die Buchcover führt zu den Rezensionen

Dark Canopy gehört für mich zu den besten Dystopien auf dem dt. Buchmarkt. Story und Charaktere sind Weltklasse! Das Buch hat bei mir Lieblingsbuchstatus - verdient! Beautiful Disaster habe ich auf Englisch gelesen und verschlungen. Es ist sexy, witzig und für mich die perfekte Bad Boy-Lovestory. Das Schicksal ist ein mieser Verräter gehört zu den emotionalsten Büchern 2012. Wenn ich bestimmt Szenen im Buch nachschlage oder Zitate lese, schießen mir noch heute die Tränen in die Augen. Keiner kann ein Schicksalsbuch so berührend, authentisch und gleichzeitig humorvoll schreiben wie John Green. Ein Lesemuss!


Enttäuschung/Abgebrochen 2012:


  
ein Klick auf das Cover führt ggf. zur Besprechung

Stange Angels: Verflucht war verflucht strange und rotzig derb. Mich hat das Buch komplett kalt gelassen, auch wenn sprichwörtlich die Zombiefetzen flogen. Mein High Five zum Buch sagt alles. Neee! Sixteen Moons: Eine unsterbliche Liebe war nicht unbedingt schlecht, kam bei mir aber überhaupt nicht in Fahrt. Es war mir schlicht zu langweilig. Nach 200 Seiten war dann für mich Schluss. Halo hatte tatsächlich einen Heiligenschein. Ab Beginn trieften die Seiten vor wunderschönen Menschen/Engeln, Kitsch und Schmalz. Dazu muss man sagen, dass ich beim Trendgenre Romantasy sehr anfällig für Kitsch geworden bin und sehr schnell genug von einem Buch habe, bei dem dieser Faktor überhand nimmt. Ich habe es versucht, ehrlich! Über 150 Seiten kam ich beim Buch nicht hinaus, dann zog es auch sofort auf meinem Regal aus.


Das war's auch schon mit meinem Jahresrückblick. Länger soll er nicht werden und sich aufs Wesentliche beschränken. Erstaunlich waren bei den 136 gelesenen Büchern 2012 viele Highlights (mir viel es schwer mich hier festzulegen) und wenige Enttäuschungen dabei. Ich freue mich auf mein Lesejahr 2013 - es wird bestimmt spannend!