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Donnerstag, 14. April 2016

Review zu "Blutwald" von Julie Heiland



FISCHER FJB (September 2015), Band 2,
Hardcover/SU, 432 Seiten,
16,99 € [D]


Du wirst eine von ihnen werden. Du wirst mit ihnen an einem Tisch sitzen. Du wirst ihr Essen essen. Du wirst in ihrem Bett schlafen. Du wirst töten.

"Wir dürfen uns nicht mehr sehen", waren seine letzten Worte. Und auch wenn Robin weiß, dass sie nur so ihrer beider Leben schützen können, scheint mit jedem Tag ihre Sehnsucht nach Emilian zu wachsen. Doch als Birkaras, der Anführer der Taurer, sie zwingt ihren Stamm zu verlassen und einen unschuldigen Menschen zu töten, muss Robin eine Entscheidung treffen - eine Entscheidung auf Leben und Tod. Wird Emilian an ihrer Seite sein? (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB)


Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen. Ich spüre, dass ich immer noch dicht hinter ihm bin. Es ist nicht einfach, ihm zu folgen. Er flüchtet, schlägt Haken, hat Angst vor mir. Diesmal hat er Angst. Diesmal flüchtet er und nicht ich. Ich bin ein Monster, und er spürt es. - S. 9/10


Meine Meinung
Der Reihenbeginn "Bannwald" hat mich überrascht, und Überraschungen sind im Buchgenre Romantasy selten geworden. Trotz einigen bekannten Storymustern und leicht stereotypen Charaktereigenschaften, las ich wie im Rausch. Besonders Hauptprotagonistin Robin gefiel durch ihre kantige Art und ihre Willensstärke. Der Nachfolger "Blutwald" steht dem in nichts nach. Das Buch ist äußerst spannend und abwechslungsreich. Es lässt sich kaum aus der Hand legen.

Gleich zu Anfang fühlte ich mich im Buch heimisch. Wieder rennt Robin durch den Wald, wieder gibt es eine Verfolgung. Nur, dass diesmal Robin nicht die Gejagte ist, sondern die Jägerin. Auch wenn der erste Band schon etwas zurückliegt, findet man gut in die im Präsens erzählte Geschichte zurück. Stilistisch ist sie sehr besonders, schriftstellerisch perfektioniert, mit vielen Kurzsätzen, und akzentuierten Satzanfängen. Die Umgebungsbeschreibungen, der Wald und die Lebensweise der Charaktere, das alles liest sich sehr fesselnd und vereinnahmend. Das ganze Setting wirkte auf mich grün und dunkel, passend zum Wald und der Stimmung, die im Buch vorherrscht. Besonders reizvoll ist die nicht eindeutig zuzuordnende Zeitepoche. Moderne und Rückstand geben sich die Hand, bzw. gehen nahtlos ineinander über. Hier wird jeder Leser seine eigenen Vorstellungen haben.

Ich-Erzählerin Robin wurde durch die vorangegangenen Ereignisse gebrochen. Sie wirkt erschöpft, verunsichert und deprimiert. Erst mit der Zeit besinnt sie sich auf alte Stärken, eine gewisse Zurückhaltung blitzt aber immer wieder bei ihr durch. Diese neue Robin habe ich gerne akzeptiert. Nach wie vor gehört sie zu den schwierigeren Charakteren und ist gerade darum sehr interessant.
Die Lovestory zwischen Robin und Emilian hat etwas Prickelndes. Einige Parts sind vorhersehbar, z.B. konnte ich irgendwann darauf wetten, dass, sobald Robin unbeobachtet oder alleine unterwegs ist, Emilian auftaucht. Dennoch fiebert man mit den beiden mit oder leidet bei Rückschlägen. Die Ausrichtung ist hier jugendlich aber sehr konsequent und, das Beste, überhaupt nicht kitschig.

Die Handlung weiß nicht nur durch wechselnde Orte zu überraschen, sie schreitet schnell fort und ist nicht selten brenzlig und aufwühlend. Gewalt gibt es auch hier, immer noch wirkte sie auf mich manchmal unwirklich und platt, wie ein Stilmittel, trug aber gleichzeitig zur Spannung bei. Viel zu schnell kommt das längenfreie Leseerlebnis zu einem vorübergehenden Schlusspunkt (der wirklich fies ist!). Der Abschlussband "Sternenwald" erscheint im Mai 2016.

Fazit
"Blutwald" ist beste deutsche Jugendfantasy. Obwohl ich nicht kritikfrei bin, in punkto routinierter Gewaltdarstellung und zuweilen Vorhersehbarkeit, kommen diese Punkte kaum zum Tragen, denn das Buch liest sich einfach zu gut. Das Lesegefühl ist so allumfassend, die Geschichte ohne Längen, dass man es nicht weglegen kann. Der Schreibstil ist die reine Freude und die kantige Hauptprotagonistin Robin gehört zu den besten dieses Genres. Nicht verpassen! Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkte.

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Bannwald-Trilogie:

Band 1 - Bannwald
Band 2 - Blutwald
Band 3 - Sternenwald

Montag, 11. April 2016

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im März 2016

Das Jahr ist noch nicht alt. Trotzdem war der März der Monat mit den meisten Neuerscheinungen. Kein Wunder, dass sich bei mir die neuen Bücher stapeln. Ich starte sofort und stelle sie genauer vor.


Meine Buchzugänge im März 2016 - 15 Bücher



Als wir unendlich wurden fehlt auf dem Bild. Im Rahmen einer Blogtour habe ich das Buch mein Exemplar verlost. Es ist schon bei der neuen Besitzerin.

Bei einem weiteren Blogtour-Gewinnspiel hatte ich Glück und Ein Sommer ohne uns kam zu mir. Die Bücher von Sabine Both/Franziska Moll waren für mich bisher sehr eindrücklich, ich freue mich auf ihr neuestes.

Bereits gelesen sind Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance (nahm mich stellenweise sehr mit), Die Seiten der Welt: Blutbuch (der Reihenabschluss DER Serie über Bücher!), Plötzlich It-Girl: Wie ich versuchte, die größte Sportskanone der Schule zu werden (ein zweiter Band, und eine absolute Empfehlung für alle, die herzlich-amüsante Unterhaltung lieben) und Playlist for the dead (ein Musikbuch, das der Musik zu wenig Platz einräumt - startet super, war mir dann aber zu kraftlos).

Gayle Formans Nur ein Tag ... Und ein ganzes Jahr ist eine Geschichte, verteilt auf zwei Büchern. Eine Doppelneuerscheinung sozusagen. Von der Autorin habe ich "Wenn ich bleibe" und die Fortsetzung "Lovesong" (neu: "Nur diese eine Nacht") verschlungen.

Den dritten Band Grischa: Lodernde Schwingen konnte ich mir bei Tauschticket anfordern. Jetzt fehlt mir nur noch der zweite Band, um die Reihe abzuschließen.

Zwei erwartete März-Highlights sind für mich die neuen Romane von Isabel Abedi, Die längste Nacht, und Kira Gembri, Ein Teil von uns. Nach etlichen Jahren hat Isabel Abedi endlich einen neuen Jugendroman. Ich verpasse keinen davon! Kira Gembris Romane sind wunderbar zu lesen. Humorvoll, kribbelnd und besonders.

Schöne Mädchen brennen nicht ist ein Jugendthriller (?) und interessiert mich, weil ich "Mottentanz" der Autorin sehr genial fand.

Herzflattern mit Karamell oder Wie ich in zwei Wochen mein Leben ruinierte ist ein Debütroman und spielt in Australien. Das Buch war eine Empfehlung. Es soll humorvoll und berührend sein.

Nach der Leipziger Buchmesse (auf der ich selbst nicht war) erreichte mich ein riesiges Überraschungs-Paket mit vielen tollen Goodies von der Messe. Anima: Schwarze Seele, weißes Herz war auch darunter. Danke Cindy! Ich bin immer noch völlig verblüfft.

Zuletzt wird Liebe ist die schönste Naturkatastrophe der Welt mein zweites Buch von Kasie West sein. Die Autorin schreibt (unter anderem) sehr schöne Contemporary-Romane.


Buchabgänge - gelesen/gehört habe ich im März 8 Bücher


      

The Returned: Die Vergangenheit kehrt zurück von Seth Patrick ... hat mich unterschwellig so sehr gegruselt, dass ich das Buch nachts umdrehen musste. Das Buch war ein tolles Leseerlebnis und ich hoffe bald auf den zweiten Teil.
Als wir unendlich wurden von Carrie Firestone ... hat ein sehr eindringliches Thema und setzt dieses besonders und auch humorvoll um. Ich mochte es gerne, war aber mit dem Verhalten der Hauptprotagonistin nicht immer glücklich und empfand die Lovestory als überflüssig.
Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance von Estelle Laure ... handelt von zwei Schwestern, denen das Schicksal übel mitspielt. Mich hat das Buch stellenweise sehr mitgenommen und berührt. Es ist ein kleiner Buchschatz.
Die Diamantkrieger-Saga: Damirs Schwur von Bettina Belitz ... hat mich eingesaugt und befremdet. Ich mochte die düster-harte "reale" Welt, der Fantasypart jedoch war mir viel zu esoterisch.


      

Die Seiten der Welt: Blutbuch von Kai Meyer ... ist der Abschlussband der wohl hochwertigsten Reihe über eine Welt voller Bücher. Kritik ist hier wirklich subjektiv, ich war von jedem Band fasziniert.
Plötzlich It-Girl: Wie ich versuchte, die größte Sportskanone der Schule zu werden von Katy Bichall ... musste ich sofort lesen, weil Band 1 eines der vergnüglichsten Leseerlebnisse 2015 war. Bei Band 2 war die Art des Humors zwar bekannt, Spaß hat es aber trotzdem gemacht.
Die Beschenkte von Kristin Cashore ... habe ich zur Auffrischung als Hörbuch gehört. Ich möchte Band 2 und 3 der Reihe bald lesen und fühle mich wohler, wenn ich wieder komplett im Bilde bin.

... außerdem habe ich ein unveröffentlichtes Manuskript testgelesen. Das Buch erscheint im Frühjahr 2017.


März-Highlight: Hier küre ich "Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance". Ich mochte die Sprache, die Geschichte und die Auflösung am Ende und empfand das Buch als einen echten Schatz unter den Jugendbüchern. Über etwas viel Drama am Ende konnte ich hinwegsehen.

März-Lowlight: "Die Diamantkrieger-Saga: Damirs Schwur" ist toll geschrieben, hat Gänsehautmomente und polarisiert. Mit der Grundthematik und der esoterischen Meta-Ebene konnte ich weniger anfangen. Darum bin ich auch unsicher, ob ich die Reihe weiter verfolgen soll.


Geflüster im März


Den März empfand ich als sehr voll, trotz den Ostertagen, und ich habe nicht wirklich viel gelesen. Einige Bücher waren etwas aufwändiger, gedanklich und vom Umfang her.
So war ich z.B Teil einer sehr großen Blogtour zu "Als wir unendlich wurden". Die ganze Tour stand unter dem Motto Über das Leben nachdenken. Das war super und hat großen Spaß gemacht. Mein Beitrag stellt dieses spezielle Buch (Thema: Selbstbestimmtes Sterben - Sterben mit Würde) genauer vor. Persönlich hatte ich auch Kritik am Buch, bzw. der Lovestory und der teilweisen Oberflächlichkeit einiger Protagonisten. Es ist dennoch einen Blick wert, denn die Geschichte macht, selbst bei der Ernsthaftigkeit des Themas, viel Spaß.


Das Stöbern auf anderen Blogs ist super, ich hätte gerne viel mehr Zeit dafür. Viele März-Beiträge der BloggerkollegInnen sind so lesenswert, dass ich sie hier erwähnen möchte:

Bei Fantasie und Träumerei gibt es ein persönliches Statement zum aktuellen Weltgeschehen. Schweigen ist wie mitmachen! ist eine provokante Aussage - und doch so richtig!

Die Blogger-Mitmachaktion "Mehr Aufmerksamkeit für ..." ging auf Glitzerfees Buchtempel im März schon in die 20. Runde. Das vorgestellte Buch interessiert mich ebenfalls.

Favolas Lesestoff ist bekannt für die legendären Rezigramme. Diese Art der Buchbesprechung geben einen wunderbaren Überblick, im März ist mir das Rezigramm zu "Schnee Elfen Herz" ins Auge gesprungen.

Das Buch "Ein Sommer ohne uns" wird mit einer ausführlichen Rezension auf Kumos Buchwolke vorgestellt. Offene Beziehung ist das Thema das Buches.

Ankas Geblubber war auf der Leipziger Buchmesse unterwegs. Anka hat dort viel erlebt und berichtet so sympathisch und mitreißend darüber, dass mich sofort der (unter Bloggern und Buchfreunden berüchtigte) Messeblues überkommt.


Instagram ist klasse! Zum Abschluss meines Montasrückblicks hier noch drei meiner März-Pics. Ich bin dort unter @damarisliest, zeige, was ich aktuell lese, was mich bewegt und begeistert und lasse manchmal auch ein bisschen Privates durchblitzen.



Freitag, 8. April 2016

Rezension zu "Playlist for the dead" von Michelle Falkoff



Verlag: Coppenrath Verlag (März 2016)
Originaltitel: Playlist for the Dead
Übersetzer: Sonja Häußler
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover, 272 S.
ISBN: 978-3649668848
14,95 € [D]

Genre: Jugendbuch, Drama

© Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Das Thema
Sam findet seinen besten und einzigen Freund Hayden in dessen Zimmer. Tot. Für Sam völlig unerklärlich, denn an dem Streit auf der Party kann es nicht gelegen haben. Oder doch? Der einzige Hinweis, der Sam von Hayden bleibt, ist eine Playlist und die Notiz "Wenn du das hörst, wirst du mich verstehen." Sam hört sich die Lieder immer wieder an, auf der Suche nach Antworten. Mit der Zeit muss er erkennen, dass er seinen besten Freund doch nicht so gut gekannt hat wie er dachte.

Die Rezension

Der Anfang: Nach all den Jahren, die ich vor dem Fernseher verbracht hatte, glaubte ich, man könnte eine Leiche finden und es erst dann merken, wenn man sie umdreht und das Einschussloch oder den Messerstich oder was auch immer entdeckt. Und irgendwie stimmte das auch. Hayden lag unter der Decke, ...

Das Thema ist mysteriös und sehr undurchsichtig. Ein Junge bringt sich um, und seinem besten Freund fällt einfach kein Grund ein, der diese Tat rechtfertigt. Klar, da ist die Tatsache, dass beide Jungen keinen weiteren Freunde haben, dass sie ziemlich nerdig-isoliert und doch so verschieden sind. Und da gab es noch die Hänseleien an der Schule. Aber sind das alles plausible Gründe für einen Selbstmord? Was Sam von Hayden bleibt, ist seine Playlist und einen Notiz dazu. Ab hier stellt man sich die Geschichte als eine eindringlich-spannende Schnitzeljagd nach Antworten vor. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Am Anfang der Geschichte steht der Selbstmord von Hayden, der von seinem besten Freund Sam gefunden wird. Das erzählt die Autorin in Gänsehautmanier. Man ist bestürzt, sofort mittendrin und wird ab Beginn von dem Gedanken beherrscht, was hier passiert ist, warum Hayden diesen endgültigen Weg gewählt hat. Sam, der Ich-Erzähler, ist daraufhin Teil einer Handlung voller Fragen, und Rückblicke, kleinen Erkenntnissen und Antworten, die der Leser irgendwann voraussehen kann. Obwohl das Buch ein sehr prägnantes Thema hat, kommt die Geschichte etwas kraftlos daher.

Ich war mir ziemlich sicher, dass es meine Schuld war, auch wenn ich im Moment noch nicht bereit war, darüber nachzudenken. Aber ich hatte die Playlist rauf und runter gehört und nach einem Song gesucht, der das bestätigen würde, dem Song, der mir die ganze Schuld zuweisen würde. Bisher hatte ich ihn noch nicht gefunden. - S. 11

Jedem Kapitelanfang ist ein Song von Haydens Playlist vorangestellt (toller Musikgeschmack!). Diese Playlist ist das Grundthema. Das zeigt sich schon am Buchtitel, und dass die Playlist der einzige Hinweis auf Antworten ist. Leider ist genau diese Playlist der Punkt in der Geschichte, der die geringste Bedeutung bekommt. Zwar gibt es eine Bassline, einen roten Faden, viel mehr Wert wird jedoch auf die vielen Personen gelegt, deren hoher Stellenwert für die Geschichte fraglich ist. Der Autorin ist das vollkommen bewusst, denn Sam kommt am Ende selbst zu der Erkenntnis, dass die Playlist nicht viel, eigentlich nichts, zur Lösung des Falls beigetragen hat. Vielmehr geht es um zwischenmenschliche Probleme von Jugendlichen und die Einsamkeit und Verzweiflung, die daraus entstehen kann. Sehr komisch mutet ein mysteriöser Part an, der die Handlung beherrscht und nach Auflösung schreit. Am Ende wird er jedoch nur mit zwei Sätzen "wegerklärt".

Das persönliche Fazit
"Playlist for the dead" hatte mich ab Beginn auf seiner Seite. Das erschütternde Thema, in Kombination mit Musik, versprach ein bedeutungsvolles Jugenddrama zu werden. Hätte sich der eindringliche Start gehalten, hätte die Playlist die zentrale Rolle gespielt, hätte sich das Drama auf die unmittelbaren Hauptpersonen konzentriert, dann hätten sich meine Erwartungen auch vollständig erfüllt. Doch so, wie sie umgesetzt war, kam die Handlung etwas kraftlos daher. Das Buch wurde somit zu einem durchschnittlichen Roman, den ich gerne gelesen habe, dessen Eindrücke sich aber nicht lange halten werden. 3 Sterne.


Aufmachung: 3,5 / 5
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 3 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 6. April 2016

Kathrin Lange liest aus "Herz aus Glas" - eine Leserin berichtet

Die Bücher der Herz aus Glas-Trilogie sind etwas Besonderes. Autorin Kathrin Lange hat hier eine äußerst spannende Geschichte geschrieben, sie mit viel Mystery und einer prickelnd-gefährlichen Lovestory untermalt. Die Bücher sind sehr eindringlich, nicht vorhersehbar und gehen unter die Haut. Und auch die Lesungen der Autorin sind sehr originell ...


... Leserin Katharina Franke war auf einer Lesung des Buches "Herz aus Glas" in der Alfelder Bücherei und freut sich, hier darüber zu berichten.


"Heute ist auch für mich eine Premiere."
So läutete Kathrin Lange ihre Lesung in der Alfelder Bücherei am Mittwoch, den 09.03.2016, ein. Und in der Tat war es keine gewöhnliche Lesung: Mit Hilfe unterschiedlicher, passend ausgesuchter Requisiten stellte sie verschiedene Szenen ihres Buches "Herz aus Glas" vor und gab interessante Hintergrundinformationen. Das gemischte Publikum wurde in die Stimmung des Buches versetzt und hing gebannt an den Lippen der Autorin. Es wurden spannende Einblicke in das Buch gewährt und nach der Lesung gab es viele positive Rückmeldungen und allgemeines Interesse an dem Buch, welches auch in der Trilogie in der Alfelder Bücherei erhältlich ist.

Martha's Vineyard
Das von Kathrin Lange auf Martha’s Vineyard erstandene Holzschild sollte als Einleitung in das erste Kapitel dienen, das besonders durch seine blumigen Beschreibungen bestach. Sehr detailliert werden die einzelnen Figuren und die Grundstimmung beschrieben. Juli und David, die beiden Hauptpersonen, treffen zum ersten Mal aufeinander. Da Julis Vater sich beruflich zu seinem Chef nach Martha’s Vineyard begeben muss, soll Juli auf dessen Sohn David Acht geben, der kürzlich seine Verlobte verlor. Die Ich-Perspektive und kleine Details wie die beschriebenen Augen Davids, aber auch der Einbezug der Natur ("reißender Wind") machten es den Zuhörern leicht, sich sofort in die düstere Stimmung des Buches hineinzudenken.

"Rebecca" von Daphne du Maurier
Ein Bezug zur Literatur der 30-er Jahre wurde mit dem Roman "Rebecca" hergestellt. Davids Verlobte Charlie las diesen, bevor sie sich von den Klippen in den Tod stürzte. Mehr und mehr gruselige Details kommen zum Vorschein. Juli erfährt über einen Inselfluch, den Madeleine Bower angeblich auf die Insel legte. Sie war Passagierin auf der "City of Columbus", die vor der Küste von Martha’s Vineyard versank. Nur die Männer überlebten, und Madeleine sprach kurz vor ihrem Tod den Fluch aus, dass niemand mehr auf der Insel Glück in der Liebe finden solle. Die jugendlich gehaltene Sprache des Buches steht hier im Kontrast zu dem vergangenheitsbezogenen Inhalt. Sehr interessant war zu erfahren, dass die "City of Columbus" existierte und tatsächlich sank. Dass alle Frauen starben bei dem Unglück, lag in Wirklichkeit aber mehr an den sperrigen Kleidern als an einem Fluch.




Das rote Kleid
Das rote Kleid ist das Verbindungsstück, das überall auftaucht. Madeleine trug ein rotes Kleid während ihrer Fahrt auf dem Schiff, im Roman "Rebecca" spielt ein rotes Kleid eine zentrale Rolle und Juli probiert aus Versehen das rote Lieblingskleid Charlies an. Weitere Details über Davids Mutter kommen zum Vorschein. Auch sie soll sich genau wie Charlie umgebracht haben. Die bestehende "Massenpsychose" wird beschrieben, da sich schon mehrere Frauen in den letzten Jahrzehnten von den Klippen gestürzt haben sollen und somit der Fluch von der breiten Masse angenommen und geglaubt wird. Die Spannung und Verwirrung erhöhen sich und die Geschichte formt sich von einer altbekannten Jungendstory zu einem handfesten Thriller, der generationenübergreifend gelesen werden kann.

Axt
Mit musikalischer Untermalung der "Mondscheinsonate" wurde die letzte Szene der heutigen Lesung vorgestellt, die auch gleichzeitig die eindrucksvollste war. Es kommt zum Eklat zwischen David und seinem Vater, der das Klavier in Davids Zimmer mit einer Axt zerschlägt. "Zwei weiße Tasten lagen auf dem Teppich wie ausgeschlagene Zähne." Dieser Satz blieb mir im Gedächtnis hängen und gab der Szene einen dunklen Unterton, der die Grauen, die auf Martha’s Vineyard passierten, noch gespenstischer wirken ließen.

Lesungstext - Katharina Franke


Wer nun neugierig auf die Bücher der Herz aus Glas-Trilogie geworden ist - wunderbar! Die mysteriöse Geschichte ist definitiv einen Blick wert und beschert dem Leser Baukribbeln und Gänsehaut gleichermaßen. Genaue Informationen gibt es in meinen Buchbesprechungen.



Band 1 - Herz aus Glas
Band 3 - Herz zu Asche