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Dienstag, 14. Mai 2013

Rezension zu "Partials 1: Aufbruch" von Dan Wells



Verlag: ivi (März 2013)
Originaltitel: Partials
Übersetzer: Jürgen Langowski
Reihe: Band 1/3, ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 512 S.
ISBN: 978-3492702775
16,99 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: ivi by Piper Verlag


Das Thema
Im Jahre 2076 sind 99,9 Prozent der Bevölkerung ausgerottet. Die restlichen Menschen haben sich nach Long Island zurückgezogen und sich abgeschottet, da Manhattan von den Partials beherrscht wird. Die Partials, künstliche Soldaten, den Menschen in Kraft und Taktik überlegen, wurden nur geschaffen, um die Menschen in einem großen Krieg zu unterstützen. Danach lehnten sie sich aber auf, griffen die Bevölkerung an und infizierte sie mit dem RM-Virus. Seitdem überlebt jedes neugeborene Kind nur maximal 3 Tage. Wenn kein Mittel gefunden wird, um das RM-Virus zu bekämpfen, stirbt die Menschheit bald komplett aus.
In diesem Chaos leben Kira, eine medizinische Angestellte, und ihre Freunde. Der Senat, der die Regierung von Long Island bildet, will mit dem Zukunftsgesetz zum Schutz der Menschheit bestimmen, dass schon 16-jähre Mädchen jedes Jahr ein Kind zur Welt bringen müssen, um irgendwann ein Heilmittel gegen das Virus zu finden. Doch es gibt auch Gegenstimmen und die Bevölkerung steht am Rande einer Revolution. Kira erkennt, dass es nur weitergehen kann, wenn sie einen Wirkstoff gegen das RM-Virus findet. Doch für ihre Forschungen muss sie nach Manhattan - zu den Partials.

Die Rezension

Künstlich geschaffene Menschen, bzw. Soldaten, die sich gegen die Bevölkerung auflehnen? Das kommt dem erfahrenen Dystopieleser doch sehr bekannt vor. Gerade im Young Adult-Genre sind Assoziationen zu anderen Büchern unumgänglich. Täuschen lassen sollte man sich allerdings nicht. "Aufbruch" kann man nicht mit bekannten Büchern vergleichen. Die Geschichte geht in eine andere Richtung. Dan Wells setzt hier nicht, wie man genretypisch erwarten könnte, auf Romantik und Tragik, sondern auf Forschung, Action und ein tolles Setting. Leser könnten hier einige Überraschungen erleben.

So geht's los: Das neugeborene Mädchen 485GA18M starb am 30. Juni 2076 um 6.07 Uhr morgens. Es war drei Tage alt. Seit dem Zusammenbruch betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines menschlichen Säuglings sechsundfünfzig Stunden. Man gab ihnen nicht einmal mehr Namen. - S. 9

Wow! Ein echter Gänsehautstart. Alleine die Vorstellung ist sehr gruselig und kaum zu ertragen, die Situation der Menschen in diesem Roman scheint ausweglos. Nach diesem Start hat man sofort angebissen. Fragen über die Partials stehen im Raum und verlangen nach Antworten. Und immer wieder giert man nach einer Lösung für das Problem der Sterblichkeit bei Säuglingen. Umso mehr wundert es, dass sich die erste Hälfte des Romans dann doch etwas zäh gestaltet. Man wird mit vielen Namen konfrontiert, einen Partial (um die geht es ja schließlich) bekommt man fast 200 Seiten lang nicht zu Gesicht und alle Charaktere überschlagen sich nicht gerade mit Emotionen. Dafür lernt man Kira und das Umfeld, mit dem sie interagiert, recht gut kennen. Es wird zwar nie langweilig, aber ja, der Aufbruch benötigt schon einen gewissen Lesebiss. Dranbleiben lohnt sich aber! Die zweite Hälfte des Buches führt den Wow-Effekt vom Anfang fort.

Kira ist eine taffe Hauptprotagonistin. Ihr Durchsetzungsvermögen und das Festhalten an ihrem Ziel, trotz tödlichen Gefahren, gefallen sehr gut. Insgesamt fällt auf, dass man die Protagonisten beim Lesen wie aus der Ferne betrachtet. Sie drücken zwar Emotionen aus, haben Angst, weinen, empfinden Freude, Mitleid, usw., eine direkte Beziehung zu ihnen fehlt. Wenn man sich an diesen Stil gewöhnt hat, erscheint er aber nicht mehr als Schwäche.
Wer viele Jugenddystopien liest, erwartet natürlich die Integrierung einer Lovestory. Hier hält sich Dan Wells (noch) sehr zurück. Kira hat zwar eine Beziehung mit Marcus, mit dem man aber nicht recht warm wird. Andere Möglichkeiten für Kira - es gibt mindestens zwei - malt man sich aus, hofft vielleicht sogar darauf, doch auch hier setzt der Autor (noch?) nicht an. Dieser Trilogieauftakt ist also eher unromantischer Natur.

Zum Pageturner wird das Buch, sobald dann tatsächlich die Partials ins Spiel kommen. Man wird mit Gefühlen konfrontiert, die man zuvor von der Story gar nicht erwartet hätte. Das wundervolle Setting, vor der zerstörten Kulisse von New York City, passt sehr gut zur spannenden Handlung. Es gibt mehrere Ortswechsel und Wendungen, an die man nicht mal im Traum gedacht hätte. Der Storyaufbau und -verlauf erinnert sehr an einen epischen Roman, der bis ins kleinste Detail durchdacht ist. Insgesamt ist das Buch durch und durch handlungsorientiert. Es gibt ein Ziel, bzw. Zwischenziele, und die Charaktere machen sich auf den Weg, um zur angestrebten Lösung zu gelangen.
"Aufbruch" enthält am Ende eine Zwischenlösung, die gut gewählt ist, und dem Buch einen gewissen Abschluss gibt. Doch nach den 500 Seiten ist man definitiv auf dem Geschmack gekommen und in Aufbruchstimmung für Band 2.

Das persönliche Fazit
Dieses Buch geht seinen eigenen Weg. Wer meint, dass er hier eine Story serviert bekommt, die ähnlich bereits veröffentlichten YA-Dystopien ist, der irrt sich. "Partials 1: Aufbruch" hatte mich erst ab der zweiten Buchhälfte auf seiner Seite. Dann aber komplett. Trotz etwas emotionslosen Charakteren hat das Buch eine tolle Story mit viel Spannung und interessanten Ideen. Sogar die medizinischen Parts, zur Erforschung des RM-Virus, waren plausibel und gut zu lesen. Vollkommen überrascht wurde ich dann von einer Wendung, die ich nicht einmal in Erwägung gezogen hatte. Wer gerne aufwändige und durchdachte Dystopien liest, kann direkt zu seinem bevorzugten Buchhändler aufbrechen. "Aufbruch" wartet! 4 Sterne.

Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Partials-Trilogie:

Band 1 - "Aufbruch"
Band 2 - "Fragmente"
Band 3 - "Ruinen"

Freitag, 10. Mai 2013

Review zu "Dein Blick so kalt" von Inge Löhnig



Arena (Januar 2013),
Klappenbroschur, 368 Seiten,
12,99 € [D]


Das Praktikum in einer Werbeagentur war Lous großer Traum. Doch der entpuppt sich schon bald als Albtraum: Lous Mitpraktikantin ist eine Oberzicke, ihr Chef ein Grabscher. Dennoch gibt Lou nicht auf, auch nicht, als sie eines Tages eine unheimliche E-Mail erhält. Jemand will sie fertig machen, soviel steht für sie fest. Jemand, der nicht davor zurückschreckt, ihr die Bestattungsanzeige eines ermordeten Mädchens zu schicken. Mehr und mehr hat Lou das Gefühl, beobachtet zu werden. Doch außer Lysander, dem süßen Typen, den sie beim Grillen an der Isar kennenlernt, nimmt niemand ihre Angst ernst. Bis Lou eines Tages verschwindet. (Text- und Bildquelle: Arena Verlag)


Meine Meinung
Über neue Jugendthriller des Arena Verlags freue ich mich immer sehr. Das Böse hat seine guten Seiten, wie der Verlag so schön wirbt. Bei den Arena Thrillern trifft dieser Slogan komplett ins Schwarze. Die Jugendthriller sind einfach besonders gut. Mit den X-Thrillern wird, was Spannung, Umfang und Anspruch betrifft, nochmals etwas nachgelegt. Damit sprechen die X-Thriller ein etwas älteres Zielpublikum an. Wer gerne Jugendthriller liest, ist hier also bestens bedient. Dennoch gehört "Dein Blick so kalt" für mich zu den seichteren Vertretern der Reihe X-Thriller, vor allem, was die Spannung betrifft. Die Bezeichnung Krimi würde hier wohl besser passen.

Im ersten Drittel lernt man die Hauptprotagonistin Lou sehr gut kennen. Die Geschichte wird im personalen Erzählstil, meist aus der Sicht von Lou, erzählt. Nur selten sind kurze Kapitel aus der Sicht des Mörders eingeschoben, die sein Wesen und seine vorangegangene Tat näher beleuchten.
Man weiß ab Beginn, dass in München ein Mord passiert ist, und das ist ein weiterer Grund, warum sich Lous Eltern so vehement gegen ein Praktikum ihrer Tochter dort stäuben. Trotzdem geht es anfangs vor allem um Lous Teenager-Probleme, mit vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen, zu Hause. Dabei ist Lou mitunter sehr bockig und unehrlich ihren Eltern gegenüber. Sie ist sehr offensiv und möchte immer ihren Willen durchsetzen. Jugendliche werden sich in dieser Lebensphase sicher wiederfinden, auf erwachsene Leser wirkt Lous Verhalten teils nervig.

Die Spannung steigt etwas, als Lou in München ankommt und ihr Praktikum beginnt. Der grabschende Chef und die oberzickige Mitpraktikantin sind sehr gut dargestellt, genau wie Lous taffe Reaktionen auf die beiden. Mit unheimlichen Vorkommnissen streut die Autorin gekonnt verschiedene Hinweise auf mögliche Täter. Man ist sich nicht sicher, wer als Mörder in Frage kommt, da hier mehrere Möglichkeiten zur Auswahl stehen. Ausschließen kann man keine der genannten Personen.
Die Lovestory, die sich zwischen Lou und Lysander (toller Name!) anbahnt, hält sich dezent im Hintergrund, ist aber wichtig für den Verlauf der Geschichte.

Nach einem Vorfall in der Webeagentur, Lous Chef betreffend, bricht dieser Handlungsstrang beinahe abrupt ab. Warum erfährt man nicht, wie es mit Lous grabschendem Chef weitergeht? Nachdem Lou ihre Konsequenzen aus der Sache gezogen hat, ist von ihm und der zickigen Mitpraktikantin plötzlich keine Rede mehr. Gerade dieser Storyverlauf wäre für mich sehr interessant gewesen.
Lous taffes Wesen kommt ihr vor allem zugute, als sie vom Mörder entführt wird. Denn das Mädchen verhält sich absolut nicht so, wie es von ihm gewünscht und erwartet wird. Leider hielt sich die Spannung auch im letzten Buchdrittel, wenn es richtig zu Sache geht, nur im unteren Bereich. Sehr schade fand ich, dass Lou und ihr Entführer immer getrennt voneinander agieren. Selbst im Versteck wird Lou nur von außen beobachtet. Beide werden nie direkt miteinander konfrontiert, es scheint als koche jeder sein eigenes Süppchen.
Auch dieser X-Thriller ein jugendgerechtes Ende und eine abgeschlossene Handlung.

Fazit
"Dein Blick so kalt" ist ein ansprechend geschriebener X-Thriller, der vor der toller Kulisse Münchens spielt. Alle Personen sind glaubhaft, die Geschichte sehr geradlinig. Trotzdem vermisste ich hier etwas die bei einem X-Thriller obligatorische Spannung und die Fortführung eines für mich total interessanten Handlungsstrangs, weshalb dieser Jugendthiller zu den schwächeren seines Genre zählt. Darum würde ich persönlich den Roman eher als Krimi bezeichnen und ihn in die Sparte Arena Thriller, für jüngere Leser, einordnen. Gewohnt schnell und gut zu lesen, ist der Roman für jüngere Krimileser empfehlenswert.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Montag, 6. Mai 2013

Buchzugänge vs. Buchabgänge im April 2013

Nicht wundern, nicht lachen. Ich, die monatlich im Durchschnitt 7-15 Buchzugänge meldet, hatte im April tatsächlich nur 4 (!) Neuzugänge. Das ist vor allem meinem eisernen Willen zu verdanken und dem Vorsatz, meinen SuB zu reduzieren. Er stieg zwischenzeitlich auf ca. 55 Bücher, und jetzt bin ich wieder unter 50. So soll es auch weitergehen.

Meine Buchzugänge von April 2013 - 4 Bücher:




Firelight: Flammende Träne stand ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Als es dann beim Tauschticket angeboten wurde, musste ich es einfach anfordern. Ich habe es auch schon gelesen und fand es, wie auch schon den Vorgängerband, wieder super. Das verbotene Eden: Logan und Gwen kommt auch vom Tauschticket. Es liegt noch auf meinem SuB. Hoffentlich nicht mehr lange, Teil 1 war nämlich richtig gut. Über ein Mädchen habe ich bereits gelesen und rezensiert, ebenso Bitterzart. Letzteres habe ich sofort nach dem Lesen abgegeben, weswegen ich es für das Neuzugängefoto nicht mehr da hatte und einfach das Cover ins Bild eingefügt habe. 


Buchabgänge - Gelesen habe ich im April 9 Bücher:





Rezensionen, Reviews und High Fives gibt es zu

... also habe ich tatsächlich zu allen Büchern im April etwas geschrieben (und wenn es nur ein Kurzspot auf FB war.). Meine persönlichen Highlights waren Firelight 2 und Artikel 5. Auch Über ein Mädchen ist große Klasse. Rush of Love 1 habe ich in einer Mini-Leserunde gelesen und hatte viel Spaß und einen schönen Austausch darüber. Es ist zwar ganz typische New Adult-Literatur, dafür leicht, schnell und zwischendurchkribbelig zu lesen. Bitterzart hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt und war für mich nur durchschnittliches Mittelmaß. 


Freitag, 3. Mai 2013

Rezension zu "Über ein Mädchen" von Joanne Horniman



Verlag: Carlsen (April 2013)
Originaltitel: About a Girl
Übersetzer: Brigitte Jakobeit
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 224 S.
ISBN: 978-3551582713
15,90 € [D]

Genre: Jugendbuch

© Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Das Thema
Anna ist mit 19 Jahren von zu Hause ausgezogen, weil sie wegen diverser Persönlichkeitsprobleme auf eigenen Füßen stehen will. Nun lebt sie, ein paar Stunden von ihrem ehemaligen Zuhause entfernt,  in Lismore/Australien. Dort arbeitet sie in einer Buchhandlung und hat sich eine eigene Wohnung gemietet. 
Doch Anna findet kaum Anschluss und verbringt ihre freie Zeit meist allein. Auf einem kleinen Konzert sieht sie die quirlige Sängerin Flynn und ist sofort fasziniert von ihr. Durch Zufall begegnen sie sich wieder, schließen Freundschaft und Anna verliebt sich Hals über Kopf in Flynn. Auch bei Flynn funkt es - irgendwie. Für Anna bedeutet Flynn alles, trotzdem stöbert sie unerlaubt in Flynns Vergangenheit. So nah sich die beiden einander fühlen, so fremd sind sie sich manchmal. In der recht frischen Beziehung gibt es nicht nur rosarote Verliebtheitsgefühle, sondern auch Ängste, Misstrauen und Unsicherheiten.

Die Rezension

Der Anfang: Heute Morgen bin ich aufgewacht und musste an sie denken. 

Nimmt man den wunderschön gestalteten Roman "Über ein Mädchen" zu Hand, ist einem mit einem Blick klar; das ist ein Mädchenbuch! Vintagestyle, pastellenes Rosa, Teekanne und Rosenmotiv, ja, eindeutig ein Mädchenbuch. Sogar die auf dem inneren Einband aufgedruckten Teeflecken, passen zur Geschichte und fügen sich harmonisch ins Gestaltungsbild.
Aber wo bitte steht, dass es in der Geschichte um eine Liebesbeziehung zwischen zwei Mädchen geht? Nirgends. Flynn könnte auch ein Jungenname sein, und lt. (hinterem und innerem) Klappentext ist nicht ersichtlich, dass dem Roman eine lesbische Liebesgeschichte zugrunde liegt. Wahrscheinlich hat sich der Verlag hier absichtlich bedeckt gehalten und möchte Leser des Buches überraschen. Die Überraschung ist gelungen. "Über ein Mädchen" ist zauberhaft erzählt, konfliktbelastet und wunderschön zugleich.

Denn man kann sich entscheiden, ob man sich verlieben will. Doch sobald man das getan hat und mittendrin steckt, kommt man nicht mehr heraus. Es gibt keinen Weg zurück. - S. 197

Joanne Horniman hat ihre Geschichte in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil erfährt man, wie und wo Anna lebt (aber nicht warum), wie in etwa ihr Alltag aussieht und wie sie Flynn kennenlernt. Im Mittelteil erzählt Anna von früher und warum sie alleine nach Lismore gezogen ist. Personen, deren Namen anfangs zum Beispiel nur erwähnt wurden, werden hier in die Geschichte integriert und man lernt Anna, und auch ihr Umfeld, sehr gut kennen. Im dritten und letzten Buchteil konzentriert sich die Geschichte wieder auf die Beziehung zwischen Anna und Flynn.
Obwohl Anna die Ich-Erzählerin der Geschichte ist, lernt man auch Flynn sehr gut kennen. Beide Mädchen habe eine vorbelastete Vergangenheit, beide sind gewiss keine einfachen Charaktere. Flynn ist sehr besonders. Unbeständig, sonderbar und doch anhänglich. Anna sehnt sich nach einem echten Zuhause mit Beständigkeit und Liebe - mit Flynn. Durch die drei Romanteile ergibt sich am Ende ein rundes Gesamtbild von Annas Situation. Dieser Stil ist perfekt gewählt.

"Über ein Mädchen" ist ein sehr ruhiger Roman. Die Stimmung ist oft schwer, wirkt nachdenklich-bedrückt, dann wiederum auch leicht, fröhlich uns ausgelassen. Erfreulich ist, dass Probleme und Charakterschwächen offen thematisiert und angesprochen werden. Neben den vielen philosophischen Parts enthält die Geschichte sogar Anflüge von Humor.

Er lehnte sich mit der Schulter an das Regal und musterte mich aufmerksam. Er signalisierte mir deutlich, dass er mich attraktiv fand. Wenn ich gewollt hätte, wenn ich anders veranlagt gewesen wäre, hätte ich bestimmt zurückflirten können [...]. Absurderweise hätte ich gern gesagt: "Ich möchte deine Schwester kennenlernen." - S. 58

Jugendbücher dieser Art gibt es nicht viele. Vor allem die Beziehung zweier Mädchen wird ihn Büchern nicht häufig so gefühlvoll thematisiert. Oft wird sie nur erwähnt oder angeschnitten. Dabei verfolgt die Geschichte gar keinen besonderen Zweck. Sie will nicht belehren und sicher keine Toleranz schaffen. "Über ein Mädchen" passiert einfach. Selten fühlt man sich authentischer in die Situation von Anna und Flynn versetzt. Manch unverständliches Verhalten der Mädchen ist dennoch nachvollziehbar. Denn so ist das Leben.

Das persönliche Fazit
Nicht nur optisch traf "Über ein Mädchen" meinen Geschmack. Die Geschichte hatte mich sofort durch ihre Brisanz und ihre gefühlvolle Art. Der ruhige und teils philosophische Erzählstil ist nicht frei von Kummer und Tragik, brilliert aber gleichzeitig durch gewaltige Authentizität. Der Roman ist mit etwa 220 Seiten recht kurz, dafür umso bedeutungsvoller. Nicht einfach, doch wunderschön. Unzweifelhaft ein Glanzstück. 5 Sterne!
Handlung: 5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de