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Dienstag, 29. Oktober 2013

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Mein Herz zwischen den Zeilen" von Jodi Picoult & Samantha van Leer



Boje/Bastei Lübbe (Juli 2013),
Hardcover mit SU, 288 Seiten,
14,99 € [D] 


"Hilf mir" - Deliah kann es kaum fassen, als sie diese Nachricht in ihrem Lieblingsbuch findet. Offensichtlich hat Oliver, der umwerfend gut aussehende Prinz der Geschichte, die Bitte speziell für sie hinterlassen. Und tatsächlich: Schnell stellen die beiden fest, dass sie über die Grenzen der Buchseiten hinweg miteinander sprechen können. Doch das reicht ihnen schon bald nicht mehr aus. Oliver ist schon lange genervt von seinem Märchen, das er immer wieder durchspielen muss, sobald ein Leser das Buch aufschlägt. Und er findet Gefallen an Deliah, die so anders ist als die langweilige Prinzessin Seraphima, die er sonst immer küssen muss. Da ist es doch klar, dass er endlich zu ihr will! Und Deliah: Die hat sich längst Hals über Kopf in ihren Märchenprinzen verliebt. Und ist begeistert von der Idee, Oliver aus dem Buch herauszuholen. Doch wie können die beiden es schaffen, die Grenzen zwischen ihren so unterschiedlichen Welten zu überwinden? (Text-, Bild- und Zitatquelle: Bastei Lübbe)


"Nur weil es Fiktion ist, ist es nicht weniger wahr", ... - S. 221


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Eines ist für mich herzensklar. "Mein Herz zwischen den Zeilen" gehört zu den am schönsten gestalteten Büchern überhaupt! Manche Bücher heben sich durch ihre Gestaltung ein wenig, andere komplett vom sonstigen Einheitsbrei ab. "Mein Herz zwischen den Zeilen" hat ein dreifarbiges Schriftbild (je für Olivers und Delilahs Sicht, sowie für das eigentliche Märchen), viele Bilder im Text und dazu noch einige seitenfüllende Kunstzeichnungen, die eine jeweilige Szene des Märchens wiedergeben, in dem Prinz Oliver gefangen ist. Sogar das Papier ist glatter als üblich, einfach hochwertig. Man sieht also schon, in diesem Bereich ist das Buch ein Juwel.
  2. Die Geschichte an sich ist einfach und auch sehr gut zu verstehen, das Konzept gut durchdacht. Oliver ist ein Märchenprinz, und spielt zeit seines Lebens die Rolle, die ihm die Autorin des Märchens zugedacht hat. Immer wieder, jedes Mal, wenn ein Leser das Märchenbuch aufschlägt. Wird das Buch nicht gelesen, bzw. ist es zugeschlagen, haben alle Personen darin ein Eigenleben. Doch Oliver reicht das nicht mehr, er möchte raus - aus dem Buch. Hilfe erhofft er sich von Leserin Delilah, die einzige Leserin, die ihn hört und mit der er sich je unterhalten konnte.
  3. Trotz der guten Idee, die hinter der Geschichte steckt, zündet diese nicht so recht. Alles wirkt etwas kindlich und dazu auch naiv. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass sich Delilah Hals über Kopf in eine Märchenfigur aus einem Buch verliebt (und dabei alles um sich herum vergisst). Die ganze Geschichte dreht sich um das Bemühen, einen Weg zu finden, um Oliver aus dem Buch in die reale Welt zu verhelfen. Teilweise ist das ganz niedlich und herzergreifend, aber längenlos geht das Ganze nicht vonstatten. Für jüngere Leser mag "Mein Herz zwischen den Zeilen" eine süße Geschichte sein, einige ältere Jugendliche werden ihn Herz nicht zwischen den Zeilen verlieren.
  4. Im Buch gibt es drei Handlungsstränge. Delilahs, in der realen Welt, Olivers, innerhalb des Buches und außerdem noch das eigentliche Märchen aus dem Märchenbuch, in dem Oliver die Hauptrolle spielt. Dieses Märchen wird nebenher erzählt und immer wieder zwischen die Haupthandlung geschoben. Meiner Meinung nach hätte man diesen Part komplett weglassen können. Er bringt die Geschichte nicht voran, ist nicht mit "richtigen" Märchen zu vergleichen und gehört somit zu den langweiligsten Parts der Geschichte. Leser werden wissen wollen, wie sich die Geschichte zwischen Oliver und Delilah entwickelt. Das Märchen wurde schon am Anfang des Buches zusammengefasst. Dies hätte auch vollkommen gereicht.
  5. Etwas Probleme bereitete mir dann das Ende der Geschichte. Es mag zwar ein Happy End für die Hauptcharaktere sein, aber zu welchen Preis? Scheinbar sind alle beteiligten Personen damit zufrieden und glücklich ... wahrscheinlich bis an ihr Lebensende, wie es so schön heißt. Weitreichende Konsequenzen für z.B. angehörige Personen wurden aber nicht berücksichtigt. Dieser Punkt war mir persönlich viel zu konstruiert. Eine weitsichtigere Betrachtung wäre hier sinnvoll gewesen. 

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

niedlich, wirkungslos, kindlich-sympathisch, augenschmausig und lang(weilig)


Zusammengefasst vom Fazitbär:
Zwischen den Zeilen musste ich bei diesem Buch nie lesen. Die Geschichte, inkl. Märchen, ist einfach und gut erzählt, die Idee sehr niedlich. Mein Herz habe ich an das Buch aber auch nicht verloren (und das trotz der phänomenalen Optik!). Dafür war es mir zu kindlich, etwas naiv und stellenweise auch zu langweilig. Einige Parts, wie den des eigentlichen Märchens, hätte man getrost kürzen oder weglassen können. Für jüngere Jugendliche, die gerne schwärmen und träumen, könnte "Mein Herz zwischen den Zeilen" aber genau das richtige Buch sein.
Und wenn sie nicht gestorben sind ...


© by Damaris liest.

Freitag, 25. Oktober 2013

Rezension zu "Days of Blood and Starlight: Zwischen den Welten" von Laini Taylor



Verlag: FJB (September 2013)
Originaltitel: Days of Blood and Starlight
Übersetzer: Anna Julia u. Christine Strüh
Reihe: Band 2/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 624 S.
ISBN: 978-3841421371
16,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Das Thema
Karou kann dem Engel Akiva, ihrem ehemaligen Geliebten, seinen Verrat an den Chimären nicht verzeihen. Weil kaum noch Chimären am Leben sind, fühlt sich Karou verpflichtet ihnen zu helfen. Schließlich hat sie einiges bei ihrem Ziehvater und Wiedererwecker Brimstone gelernt und kann dieses Wissen nun bei der Erschaffung einer neuen Chimärenarmee einsetzen. Aber obwohl sie die Chimären sehr stark - ja monströs - erschafft, nimmt der Krieg zwischen ihnen und den Engeln kein Ende.

Akiva ist nach Eretz zurückgekehrt, hoffnungslos Karou jemals wiederzusehen, am Boden zerstört bei den Gedanken an seinen eigenen Verrat an den Chimären. Nun dient er wieder unter dem grausamen Imperator der Seraphim und soll die wenigen restlichen Chimären in Eretz töten. Weil ihm das immer mehr widerstrebt, sucht er nach einer Möglichkeit, die Grausamkeiten des Krieges zu beenden.

Die Rezension

Der Anfang: Es war einmal, da zogen ein Engel und ein Teufel an einem Wunschknochen, und als er brach, brach die ganze Welt entzwei.

Als Anfang 2012 "Daughter of Smoke an Bone" erschien, waren die Meinungen fast durchweg begeisterter Natur. Entgegen dem Trend der ewig gleichen Romantasys und Urban Fantasy-Geschichten wurden hier die Karten neu gemischt. Eine so besondere Geschichte hatten viele selten zuvor gelesen.
Jetzt können sich alle begeisterten Leser auf den Nachfolgeband "Days of Blood and Starlight" freuen. Die Geschichte hat es in sich und präsentiert sich in einem völlig anderen Gewand als der Vorgänger. Sie ist sprachlich perfekt, und bleibt in diesem Genre ebenso grandios wie ungewöhnlich.

Liegt zwischen einem Reihenbeginn und dem Folgeband einige Zeit, kann es schon mal zu Wissenslücken bei den Lesern kommen. Hier empfiehlt sich dringend, das Personenverzeichnis (am Ende des Buches) zuerst zu lesen. Die Erinnerungen kommen dann sofort wieder, ohne das etwas vom Buch vorweggenommen wird. Auch ist die Geschichte so gut erzählt, dass sich zwischendurch immer wieder an Ereignisse von früher erinnert. Perfekt!
Schlägt man das Buch auf, fällt sofort die doppelseitige Karte des Landes Eretz auf, der Heimat der Seraphim und der Chimären. Huch, die war doch in Band 1 noch nicht vorhanden. Das ist richtig. "Days of Blood and Starlight" hat, trotz Urban Fantasy-Wurzeln, viel von einem High Fantasy-Roman. Der Reihentitel Zwischen den Welten könnte nicht besser passen. Zum einen ist Hauptprotagonistin Karou tatsächlich zwischen der Menschenwelt und Eretz hin- und hergerissen, zum anderen ist die Handlung des Buches auch in beiden Welten angesiedelt.

Unabhängig von der perfekten Sprache, kann einem Karou hier wirklich leid tun. Sie wirkt komplett erschöpft und ausgebrannt. Ihre Vergangenheit drückt sie nieder, der Verrat von Akiva lastet zusätzlich auf ihr. Durch Karous Fähigkeiten ist sie zudem die einzige Hoffnung der restlichen Chimären, bevor diese von den Engeln komplett ausgelöscht werden. Gerade die "Arbeit", die sie für den Chimärenanführer verrichtet, stürzt Karou in einen großen Gewissenskonflikt. Kann sich Notwendigkeit so falsch anfühlen? Trotzdem beißt sie sich durch und zeigt in entscheidenden Momenten Größe und Stärke. Das macht sie zu einem Identifikationscharakter, mit dem man mitfühlt und für den man vollstes Verständnis hat.

Aber sie war nicht mehr Madrigal und auch keine Chimäre. Sie war Karou. Ein Mensch.
Mehr oder weniger.
Und sie hatte keine Zeit für Träume.
- S. 59

Bei aller Begeisterung während des Lesens könnte für viele auch ein kleiner Wermutstropfen dabei sein. Die Beziehung (oder zwangsläufig beendete Beziehung) zwischen Karou und Akiva wird nur sehr eingeschränkt fortgeführt. Eine Lovestory ist hier praktisch nicht vorhanden, die beiden Hauptcharaktere begegnen sich einfach viel zu selten, gefühlt so gut wie gar nicht. Der Fokus der Geschichte liegt auf dem Krieg zwischen Engeln und Chimären, mit Rache, Vergeltung und Grausamkeiten, ganz typisch für High Fantasy. Dennoch besitzt "Days of Blood and Starlight", neben all dem Kriegstreiben, eine schlummernd-unauffällige Romantik, die auch zwischen den wenigen Aufeinandertreffen von Karou und Akiva zu spüren ist. In dieser Beziehung ist das letzte Wort ganz sicher noch nicht gesprochen.

Dem unbeschreiblichen Lesefluss von "Days of Blood and Starlight" kann man sich kaum entziehen. Das Ende hält dann kleine und größere Überraschungen bereit, nachdem die etwa 600 Seiten des Romans viel zu schnell, und im wahrsten Sinne des Wortes, verflossen sind. Die Hoffnung auf ein grandioses Finale ist damit besiegelt.

Das persönliche Fazit
"Days of Blood and Starlight" ist ein bildgewaltiges und wunderbares Urban Fantasy-Epos, welches das Blut zum Kochen bringt und dessen perfekte Sprache einem Sternchen in die Augen zaubert. Es liest sich wie ein Gedicht! Damit knüpft der Roman unmittelbar an seinen Vorgängerband an. Gerade die unerwartete Andersartigkeit, mit High Fantasy-Anbindung, und die perfekten Charaktere machen das Buch einzigartig gut. Hier ist der Aufkleber auf dem Cover "Die besten Serien der Welt" genau richtig platziert. Wer die Zwischen den Welten-Reihe noch nicht kennt sollte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. 5 Sterne!

Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Zwischen den Welten-Trilogie:

Band 2 - "Days of Blood and Starlight"

Dienstag, 22. Oktober 2013

Lindas Gastrezension zu "Ghostman" von Roger Hobbs



Verlag: Goldmann (August 2013)
Originaltitel: The Ghostman
Übersetzer: Rainer Schmidt
Reihe: -
Ausführung: Klappenbroschur, 385 S.
ISBN: 978-3442313372
14,99 € [D]

Genre: Mystery Thriller

© Cover- und Zitatrechte: Goldmann Verlag


Inhalt:
Sein Name ist Jack Delton, aber natürlich heißt er nicht wirklich so. Er ist ein "Ghostman", spezialisiert darauf, sich unsichtbar zu machen und Beweise verschwinden zu lassen. Jack ist der Beste auf seinem Gebiet. Nur Wenige wissen, dass es ihn gibt, und kaum einer, wie man ihn erreicht. Doch sein neuester Auftrag hat es in sich: Vor Jahren hat Jack einen großen Fehler begangen und einen Super-Coup, den Überfall auf eine Großbank in Kuala Lumpur, vermasselt. Dem "Jugmarker" von damals, Marcus Fairlan, ist er deshalb noch einen Gefallen schuldig. Und Marcus kontaktiert ihn nach einem gründlich misslungenen Überfall auf ein Casino in Atlantic City. Einer seiner Leute ist tot, der andere mit mehr als einer Million Dollar auf der Flucht. Der Ghostman soll den Flüchtigen finden und die Beute sicherstellen. Doch er hat nur 48 Stunden Zeit, bevor das Geld hochgeht – und er muss feststellen, dass ihm Marcus ein entscheidendes Detail verschwiegen hat: am Tatort muss es einen dritten Schützen gegeben haben! Was wird hier gespielt? Und wird der Ghostman heil aus dieser Sache herauskommen?

Lindas Meinung:

Cover: Ich muss zugeben, dieses Cover hätte ich wahrscheinlich so nicht zur Hand genommen. Auf den ersten Blick wirkt es etwas wie eine Hommage an Bücher aus Sizilien. Ein Mix aus Der Pate und Mafia. Irgendwie erinnert es mich auch ein wenig an Computerspiele, könnte also auch gut eines sein. Im Zusammenhang mit der Story und auch mit der Idee "Ghostman" passt es dann doch wieder sehr gut. Denn der Ghostman ist ja eigentlich nicht da und versucht eigentlich wirklich “schwarz” zu sein. Daher finde ich es jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe sehr gut gelungen.

Aufbau: Die Handlung wird in regelmäßigen Abständen durch Rückblenden unterbrochen. In diesen Rückblenden wir die Geschichte erzählt, wie Jack zu dem wurde, was er ist und vor allem auch, warum er Marcus einen Gefallen schuldig ist. Ohne diese Rückblenden fehlt manchmal die Logik hinter seinen Taten. Meiner Meinung nach wird die Story erst wirklich komplett durch die zwei Vorkommnisse - die in der Gegenwart und die in der Vergangenheit. Das Ende ist grausam. Ich muss es einfach so sagen. Die Geschichte an sich ist abgeschlossen - zumindest die aus der Vergangenheit und die aus der Gegenwart scheint es auch zu sein. Doch letztendlich ist der Schluss ein RIESEN Cliffhanger, der aber auch nur bedingt einer ist. Es ist schwer zu erklären ohne alles zu verraten. Ich könnte sagen, es endet wie eine Folge CSI, wo zum Schluss noch ein Drohbrief kommt und man eigentlich schon weiß, okay ich muss wieder einschalten. So ist es hier auch. Ich muss unbedingt weiterlesen und hoffe auf eine baldige Fortsetzung.

Handlung: Ich finde den Aufbau der Story total gut. Eigentlich ist die Handlung nichts wirklich Besonderes. Der Ghostman Jack soll aufräumen und tut das auch. (Ohne jetzt zu viel zu verraten.) Aber die Art wie Roger Hobbs seine Geschichte erzählt ist mehr als außergewöhnlich. Ich hatte wirklich das Gefühl im Kino zu sitzen, und mir wird ein Film in 4D gezeigt. Ich konnte mir jedes Detail super gut vorstellen und wage zu behaupten, so wie sich der Autor es gedacht hat. Doch dazu mehr beim Punkt Schreibstil. Das Ende ist für mich offen und ich bin mir nicht schlüssig zu wem Jack letztendlich hält oder ob er einfach dazwischen ist. Hierfür müsste ich eigentlich Pünktchen abziehen, denn die Ereignisse laufen dann doch alle ZU glatt. Auch für einen Profi. Aber der Schreibstil macht alles wieder wett.

Charaktere: Zu den Charakteren kann ich nicht viel sagen. Denn Jack ist nicht Jack. Er ist ein Geist, der sich immer in die Person verwandelt, die ihm gerade nützlich und dienlich ist. Da kann es zu Altersschwankungen kommen, zu Typänderungen, zu Einkommensänderungen. Jack ist alles und nichts. Immer wieder stellt man sich die Frage, was ist gestellt und antrainiert und was ist er wirklich? Doch das erfährt man nicht. Die anderen Personen sind alles Nebencharaktere und eher unwichtig – aber durchaus scharf gezeichnet und klar charakterisiert. Ich finde sie sehr gelungen, mein Hauptaugenmerk liegt aber auf Jack – dem Ghostman. Er ist einfach Dreh-und-Angelpunkt der Geschichte. Einzig die FBI-Agentin Rebecca kommt ihm näher als ihm lieb ist, denn sie durchschaut ihn und weiß, an welchem Punkt sie bei ihm ansetzen muss.

Schreibstil: Das absolute Highlight dieses Buches:

"Koksrauch riecht beißend und leicht metallisch. Ich hatte oft genug mit Gangstern und Süchtigen zu tun gehabt, um diesen Geruch aus erster Hand zu kennen, doch ich hatte mich immer geweigert mitzurauchen, wenn sie mich einluden. Das hier roch ganz anders. Viel unangenehmer. (…) In der Nähe des Kofferraums schien der Geruch schlimmer zu werden. Über der linken Radkappe war Blut, und kleine, lockere, blutige Schädelknochensplitter klebten an dem Blech über dem Radkasten. Herr im Himmel. Einen Moment lang sah ich vor mir, wie Ribbons voller Panik Morenos Leiche auf den Boden fallen ließ und den Rückwärtsgang einlegte. Der Wagen war über den Kopf gerollt und hatte ihn zermalmt." - Seite 111

Ein solches Buch habe ich noch nicht gelesen. Die bildliche Sprache ist absolut Drehbuchwürdig. Man könnte glaube ich das Buch so nehmen und verfilmen. In meinem Kopf lief auf jeden Fall schon ein kompletter Film. Ich könnte weiter so aus dem ganzen Buch zitieren und mir fehlen die Worte wiederzugeben was ich gefühlt habe. Ich war wirklich absolut begeistert. Ich habe das Buch irgendwann nicht mehr aus der Hand legen können, so wie man einen spannenden Film auch nicht abschaltet wenn es gerade spannend wird.

Fazit
Dieses Buch muss begeistern. Ein absolut grandioses Debüt. Wenn ich mir vorstelle, dass der gute Herr Hobbs jünger ist als ich und solche Bilder in meinem Kopf gemalt hat: Er verdient meinen absoluten Respekt. Ein absolutes LESEMUSS. Wer es noch nicht getan hat sollte es schnellstmöglich lesen!!!

5 von 5 möglichen Punkten!





Über den Autor
Roger Hobbs ist z. Zt. 24 Jahre alt und hat die Rohfassung seines ersten Romans "Ghostman" bereits fertiggestellt, als er noch zum College ging. 2011 schloss er sein Studium am Reed College erfolgreich ab. Derzeit schreibt er an der Fortsetzung seines Romans. Außerdem hat ihn Warner Bros. für ein weiteres Projekt als Drehbuchautor verpflichtet. Roger Hobbs lebt in Portland, Oregon. (Quelle)

© Linda Niemann, flyingwords.de

Samstag, 19. Oktober 2013

Rezension zu "Wen der Rabe ruft" von Maggie Stiefvater



Verlag: script5 (Oktober 2013)
Originaltitel: The Raven Boys
Übersetzer: Jessika Komina & Sandra Knuffinke
Reihe: Band 1/4
Ausführung: Hardcover/SU, 464 S.
ISBN: 978-3839001530
18,95 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: script5 Verlag


Das Thema
Blue lebt mit ihrer Mutter und deren besten Freundinnen in der Kleinstadt Henrietta. Ihren Lebensunterhalt verdienen sich die Frauen mit Weissagungen. Diese sind, lt. Blues Mutter, zwar korrekt, aber nie konkret - also Auslegungssache. Blue selbst hat keine hellseherischen Fähigkeiten, sie verstärkt nur die Fähigkeiten ihrer Mutter, soll also bei den Kundengesprächen meistens dabei sein. Bis sie eines Abends dann eben doch den Geist eines Jungen sieht. Der Junge ist ausgerechnet von der elitärsten Schule Henriettas und gehört zu den Raven Boys, einer Gruppe Jugendlicher, von denen Blue sich generell fern hält. Aber kann sie dem Jungen wirklich verschweigen, was es bedeutet, dass sie seinen Geist gesehen hat? Dass er innerhalb eines Jahres sterben wird?

Die Rezension

Der Anfang: Blue Sargent wusste mittlerweile schon gar nicht mehr, wie oft ihr gesagt worden war, dass sie ihrer wahren Liebe den Tod bringen würde.

Für viele Leser ist Maggie Stiefvater ein Garant für gute Bücher und beeindruckende Geschichten. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen. Der Autorin gelingt es immer wieder selbst kommerziellen Geschichten ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Sie schreibt Fantasybücher, die so natürlich wirken, als besäßen sie keine Fantasyelement. Nicht alles ist neu, und muss es auch nicht sein, aber vieles ist anderes. Ihr neuestes Buch "Wen der Rabe ruft", der Beginn einer vierteiligen Reihe, ist wieder schlecht in eine Schublade zu stecken. Schon der Klappentext macht es einem schwer zu erfassen, mit was man es in der Geschichte genau zu tun hat. Gut so! Denn auch hier hält man wieder ein Buch in Händen, das einen ganz eigenen Stil besitzt und einprägsam zu fesseln weiß.

Ein Buch lebt von seiner Sprache, eine gute Story kann durch einen langweiligen und einfallslosen Satzbau schnell zu einer weniger guten Story werden. Der Stil von "Wen der Rabe ruft" kann geradezu als ungewöhnlich beschrieben werden. Er ist sehr schön, wieder perfekt übersetzt, weicht dabei aber auch etwas von der Norm ab. Manchmal ist die Satzstellung ungewöhnlich und die Sprache wirkt hochtönender als in vielen All Age-Büchern. Nachdem man sich im Buch und mit den Charakteren zurechtgefunden hat, ist es gerade dieser Stil, der ungemein fasziniert.

Die Bäume wurden immer höher, manche von ihnen waren zu regelrechten Festungen zusammengewachsen, riesenhaft und mit spitzen Türmchen bewehrt. Hoch über ihnen schwebten die Kronen, rauschend und Ehrfurcht gebietend. Alles war grün, grün, grün. - S. 252

Ein weitere Pluspunkt sind die Charaktere in "Wen der Rabe ruft". Die Erzählperspektive wechselt meist in jedem Kapitel. Anfangs benötigt man etwas Zeit um alle Beziehungen untereinander zu erfassen (Blues Beziehung zu ihrer Familie, sowie die Beziehungen der vier Raven Boys untereinander). Danach wird das Lesen ganz natürlich und die einzelnen Sichtweisen sind sehr spannend.
In den meisten Büchern gibt es ein eindeutiges Lovestory-Paar. Hier nicht. Die Meinung, die man sich anfangs bildet, kann man nach ein paar Kapiteln sofort wieder revidieren. Und bis zum Ende ist nicht ganz klar, wie sich dieser Punkt entwickelt. Die Handlung kommt komplett ohne das übliche Lovestory-Klischee aus.
Jeder Charakter ist äußerst vereinnahmend gestaltet, einige Schicksale berühren sehr und sind zutiefst konfliktbelastet. Weil die Geschichte eine vierteile Reihe wird, könnte man davon ausgehen, dass die Autorin in jedem Buch einen der vier Raven Boys thematisiert. Der Storyverlauf, sowie einige Wendungen sprechen aber dagegen. Man darf gespannt auf die Folgebücher sein.

"Wen der Rabe ruft" wirkt insgesamt sehr ruhig aber mitreißend und ungewöhnlich. Die Geschichte fasziniert! Richtig kategorisieren kann man die Handlung nicht. Vielleicht als eine Art schaurig spannende Schnitzeljagd mit Thrillerelementen? Stellenweise wird es ganz schön spooky und gruselig, einfach "wie nicht von dieser Welt". Trotzdem liest sich auch diese Story echt, nicht wie ein Fantasybuch, obwohl es eindeutig eines ist. Diese Tatsache ist eine Kunst von Maggie Stiefvater und in dieser Weise selten zu finden.
Ein paar Szenen sind tatsächlich mysteriös und zum Fürchten, manche etwas eigentümlich-wunderlich und bei anderen fallen einem fast die Augen aus dem Kopf. Besonders eine Wendung verspricht Spannung pur.

Am Ende könnte man diesen Teil als abgeschlossenes Buch betrachten. Natürlich ist nicht alles aufgelöst, Grund- und Nebenthema sind nicht beendet. Auf fiese Cliffhanger und eine abgebrochene Geschichte verzichtet die Autorin aber komplett. Umso mehr wird man die Folgebände dick auf die Musst-Read-Liste schreiben!

Das persönliche Fazit
Die Wahrheit ist ganz einfach: Auf diesem Buch steht Maggie Stiefvater drauf und darum musste ich es lesen! Alle ihrer bisherigen Bücher waren für mich Top-Titel, ebenso dieses! Dem Ruf des Raben sollten interessierte Leser unbedingt folgen, das Buch ist etwas Besonderes und weit entfernt von Standard-Geschichten. Jeder, der ansehnlich ausgearbeitete Charaktere liebt und so manche Gänsehaut nicht scheut, liegt hier goldrichtig. "Wen der Rabe ruft" ist wieder einmal anders, wieder einmal total atmosphärisch und wieder einmal faszinierend. 5 Sterne!


Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de



Reiheninfo Raven Boys-Tetralogie:

Band 1 - Wen der Rabe ruft