Dieser All Age- und Jugendbuchblog wurde beendet. Schau dich jedoch gerne um! Infos dazu gibt es HIER.

Sonntag, 7. Februar 2016

Review zu "Zusammen werden wir leuchten" von Lisa Williamson



FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch (Dezember 2015),
Klappenbroschur, 384 Seiten,
übersetzt von Angelika Eisold Viebig,
12,99 € [D]


Es ist Davids vierzehnter Geburtstag und als er die Kerzen ausbläst, ist sein sehnlichster Wunsch ... ein Mädchen zu sein. Das seinen Eltern zu beichten, steht auf seiner To-do-Liste für den Sommer - gaaaanz unten. Bisher wissen nur seine Freunde Essie und Felix Bescheid, die bedingungslos zu ihm halten und mit denen er jede Peinlichkeit weglachen kann. Aber wird David jemals als Mädchen leben können? Und warum fasziniert ihn der geheimnisvolle Neue in der Schule so sehr? (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB)


Ich schlucke. Hier ist sie: meine Gelegenheit mit zu outen. Fünf kurze Wörter: Ich - möchte - ein - Mädchen - sein. Aber sie kommen nicht heraus. [...] Mum erwartet, dass ich mich als schwul oute. [...] Aber sie und Dad haben meine Signale falsch verstanden, genau wie Leo neulich. Ich bin nicht schwul. Ich bin einfach ein Mädchen, das blöderweise im Körper eines Jungen steckt. Aber wie soll ich ihnen das erklären? - S. 150


Meine Meinung
Zwischenzeitlich gibt es recht viele Bücher über Homosexualität. Ob als Sachbuch oder Roman, man wird fündig werden. Lisa Williamson thematisiert in ihrem Buch "Zusammen werden wir leuchten" eine andere From der sexuellen Identifikation, nämlich Transgender. Für mich persönlich war es das erste Buch, das sich mit diesem Thema anhand einer realistischen Geschichte auseinandersetzt. Es hat mich völlig vereinnahmt.

Hauptprotagonist David lebt mit seiner Familie in einem besseren Stadtviertel. Dass er ein Mädchen sein möchte, bzw. sich als Mädchen fühlt, hält er vor seinen Eltern geheim. Diese ahnen zwar, dass er gerade eine "Phase" durchmacht, wissen aber nicht genau Bescheid. In der Schule gilt David eher als unauffällig, wird sogar oft gehänselt und als Freak bezeichnet. Nur seine beide besten Freunde wissen alles von ihm und kennen seine Gefühle.
Es gibt zwar eine propagierte Hauptperson in der Geschichte, nämlich David, jedoch enthält das Buch zwei Sichtweisen. Leo, ein Junge aus schwierigen Familienverhältnissen und einem berüchtigten Stadtviertel, kommt an Davids Schule und erhält seine eigene Perspektive im Buch. Somit besteht das Buch aus zwei Geschichten, die aber direkt miteinander verbunden sind.

Autorin Lisa Williamson zeigte mir David als absoluten Sympathieträger. Ich fand ihn sehr freundlich, auch humorvoll, und bescheiden. Trotz seines Gefühlschaos, und den Sticheleien durch andere, ist er sehr hilfsbereit. Das hat mir imponiert. Gleichzeitig tat er mir leid. Dass er als Mädchen in einem Jungenkörper festsitzt, ist sehr deutlich beschrieben. Hier kratzt die Autorin nicht nur an der Oberfläche, sondern liefert während der Geschichte Informationen und Details - schön dosiert und passend zur Handlung. Ich wusste zwar, dass David ein Junge ist, seine Gedanken, sogar seine Sprache, waren aber die eines Mädchens. Ich konnte so gut mit ihm mitfühlen.

Die Geschichte hat mich völlig gebannt und beeindruckt, weil sie aus dem Leben gegriffen sein könnte, aber einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt eines Teenagers gibt, der im falschen Körper geboren ist. An einer Stelle im Buch wurde ich so unerwartet überrascht, dass ich richtig baff war. Man könnte darüber streiten, ob diese Wendung vielleicht nicht zu viel Zufall für eine solch besondere Geschichte ist, aber sei's drum. "Zusammen werden wir leuchten" wird in seiner Gesamtheit lange unvergessen bleiben.

Fazit
"Zusammen werden wir leuchten" leuchtet nicht nur äußerlich in allen Farben. Die Geschichte ist so besonders und mutig, dass sie mich am Ende mit einem aufgewühlt-beeindruckten Rundumgefühl zurückgelassen hat. Bei aller Dramatik und Brisanz ist der Humor, der feinfühlig zwischen die Zeilen gestreut wurden, eine perfekte Zugabe. Dieses Buch unterhält, weckt Empathie, und lässt mich über den persönlichen Lese-Tellerrand blicken. Genau so soll das sein! Dafür volle 5 von 5 Punkte.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Donnerstag, 4. Februar 2016

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Februar 2016

Schon seit Anfang des Jahres habe ich das Gefühl, dass 2016 meine Wunschliste sprengen wird. War der Januar noch recht gemütlich, was die Neuerscheinungen betrifft (aber man findet ja immer was!), geht es im Februar schon ganz schön zu Sache. An den März mag ich noch gar nicht denken ...
Zwölf buchische Neuerscheinungen habe ich für den Februar auf meine Liste gepackt.


Fantasy - Zauber - Dystopie

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Diamantkrieger-Saga: Damirs Schwur von Bettina Belitz ... ist der Start einer neuen Fantasy-Trilogie einer meiner liebsten Autorinnen. Sara arbeitet als Meisterdiebin für die Unterwelt und stiehlt Diamanten. Irgendwann muss sie sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht.
Das Spiel der Wünsche von Maggie Lehrman ... soviel ich weiß, ist das ein Einzelband. Ari möchte die schmerzliche Erinnerung an ihren Freund Win löschen - durch einen Zauber. Aber jeder Wunsch hat seinen Preis.
Infernale von Sophie Jordan ... das neue Buch der Firelight-Autorin ist ein Lesemuss für mich und der Beginn einer Dilogie. Davy wird beim DNA-Test positiv auf das Mördergen HTS getestet. Ab jetzt bricht ihre heile Welt völlig zusammen.



Panthersommernächte von Bettina Belitz ... ist der neue Jugendroman der Autorin und sicher keine Fantasy im herkömmlichen Sinn. Aber alleine, dass ein Panther unter Ninas Bett lebt, macht das Buch zu einem interessanten Leseabenteuer. Und das Cover ist so herrlich retro!
Anna und der Schwalbenmann von Gavriel Savit ...spielt 1939. Annas Vater, ein jüdischer Intellektueller, wird von den Deutschen mitgenommen, und Anna bleibt allein zurück. Da trifft sie den Schwalbenmann. Ich bin mir nicht sicher, ob das Buch Phantastik enthält, aber es klingt sehr tragisch und mysteriös.
Zorn und Morgenröte von Renée Ahdieh ... ist ebenfalls ein Dilogie-Start und eine 1001-Nacht-Geschichte. Der Herrscher Chalid hat begonnen, jeden Tag ein anderes Mädchen zu heiraten, nur um sie bei Sonnenaufgang hinrichten zu lassen. Shahrzad versucht mit einer Geschichte den Herrscher hinzuhalten. Und tatsächlich, sie bekommt einen Tag Aufschub.


Roman - Drama - Lovestory - Humor

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Du und Ich? Ohne mich! von Kristi Cook ... Ryder und Jemma können sich nicht ausstehen und versuchen den Kuppeleien ihrer Familien, die sich hervorragend verstehen, zu entgehen. Zu allem Übel schneidet ein Hurrikan sie vollständig von der Außenwelt ab. Klingt amüsant.
Liebe ist die schönste Naturkatastrophe der Welt von Kasie West ... viele sind begeistert von den Büchern der Autorin. Für mich wäre es das erste Lesevergnügen. Abschlussball, Last-Minute-Date und verzwickte Situationen - klingt nach einer humorvoll-turbulenten Lovestory.
Mein Herz wird dich finden von Jessy Kirby ... von Titel und Kurzbeschreibung kann ich schon etwas auf die Thematik schließen und die klingt sehr gefühlvoll und "herzerweichend". Zwischen Mia und Noah ist es Liebe auf den ersten Blick. Dabei ist Mias große Liebe bei einem Autounfall ums Leben gekommen und sie hätte Noah niemals begegnen sollen.



Mein Leben nebenan von Huntley Fitzpatrick ... ist zwar ein Einzelband, aber auch ein Spin-off zum Buch "Mein Sommer nebenan" derselben Autorin. Das fand ich ganz große Klasse und freue mich auf ein Wiederlesen mit den Garretts.
Nur drei Worte von Becky Albertalli ... Simon tauscht mit Blue die geheimsten Dinge per Mail aus und verliebt sich langsam in ihn. Doch ein Treffen ist schwierig. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände. Die schönste Liebesgeschichte aller Zeiten verspricht der Verlag.
Weil du mein bist von Sean Olin ... klingt nach einem problematischen Liebesroman, in dem ein Seitensprung Konsequenzen hat, mit denen niemand rechnen konnte.


Auf die Wunschliste!

Mittwoch, 3. Februar 2016

Blogspecial - "Im Schatten deines Herzens" - Tag 3: Das Auge liest mit!


Nachdem man bei Leselurch gestern einen genauen Blick auf die Hauptcharaktere von "Im Schatten deines Herzens" werfen konnte, macht das Blogspecial heute bei mir halt. Man sieht es schon an der Überschrift, hier dreht sich alles um das visuelle Leseerlebnis, vor allem um das Cover. Denn das Auge liest schließlich mit.


Das Cover


"Im Schatten deines Herzens" hat ein Cover, das sofort anspricht. Das ist mein ganz persönlicher Eindruck und zeigt sich durch die vielen positiven Reaktionen, die andere Leser äußern, sobald ich das Buch irgendwo zeige. Aber was ist es nun genau, das ein Cover für das Auge schön macht? Und hat das Cover Einfluss auf unser Leseverhalten? Auf jeden Fall beinhaltet jedes Buchcover auch eine Portion Mut und ist ein Wagnis. Selbst unter Berücksichtigung aller Trends und Voraussagen bleibt es immer noch Geschmacksache.
Ein professionelles Buchcover ist das Resultat tage- oder gar wochenlanger Arbeit. Das Gesamtpaket muss am Ende stimmen und der Leser sollte evtl. schon im Vorfeld einen optischen Hinweis auf das Genre bekommen. Einige Verlage beschäftigen eigene Grafiker, viele vergeben den Auftrag aber an eine externe Agentur oder einen Designer. Der Drachenmond Verlag hat den Auftrag für das "Im Schatten deines Herzens"-Cover an Alexander Kopainski Artwork vergeben. Der junge Designer entwirft seit 2015 u.a. Buchcover für den Verlag. Für dieses Blogspecial hat er uns drei seiner Entwürfe zur Verfügung gestellt.

Zu allererst wählt der Designer die Bilder und Designs, aus denen er dann das Cover kreiert. In den meisten Fällen, und für gute Bilder, muss man dafür Lizenzgebühren bezahlen. Im Fall von "Im Schatten deines Herzens" besteht das Cover aus den folgenden zwei Fotografien (und weiteren Grafiken) vom Anbieter Shutterstock.


     


Daraus macht der Designer nun das Grundcover, indem er Elemente aus den erworbenen Fotos mit einem Grafikprogramm ausschneidet, übereinanderlegt, platziert und verbindet. Wer auch nur eine kleine Ahnung von Bildbearbeitung hat, kann sich vorstellen, wie viel Arbeit in solch einem Cover steckt. Mit passenden Schriftarten und zusätzlichen Grafiken/Designs entstehen die ersten Entwürfe.
In Absprache mit dem Verlag, manchmal auch mit dem Autor, werden Änderungen und Ergänzungen vorgenommen, bis das endgültige Buchcover festgelegt wird.
Die folgenden drei Entwürfe sehen schon sehr professionell und vollständig aus. Dennoch wurden auch daran noch Änderungen vorgenommen.






Autorin Kerstin Arbogast durfte bei der Entscheidung mitreden und erzählt: "Die ersten beiden Entwürfe waren mir zu sommerlich, bzw. frühlingshaft für die Geschichte. Ich hatte da immer ein kühlere, dunklere Atmosphäre vor Augen, außerdem spielt ja ein Großteil der Geschichte im Winter, weshalb wir dann die eisigen Blättlein hinzugenommen haben. Und für die türkisfarbene Schrift haben wir uns entschieden, weil die im Gesamtbild kühler wirkte und das Goldene leicht ätherisch wurde."

Schlussendlich haben sich Verlag, Autorin und Designer auf die finale Version verständigt. Ist das Cover nicht wunderbar stimmig? Nachdem man "Im Schatten deines Herzens" gelesen hat, wird man feststellen wie gut die äußere Erscheinung mit der Geschichte harmoniert. HIER findet ihr meine Rezension zum Buch. Und HIER äußert sich sich Blogspecial-Teilnehmerin Marie dazu.


© Coverrechte und -entwürfe: Drachenmond Verlag/Kopainski Artwork


Das Innenleben


Die Geschichte ist das, was ein Buch ausmacht. Cover und Innengestaltung unterstützen im besten Fall und rücken den Roman ins ideale Licht. Neben der Optik des Buches, achten viele Leser auch auf die inneren visuellen Werte. Das wird von den Verlagen vermehrt aufgegriffen. "Im Schatten deines Herzens" hat zwei äußerst passende Grafiken auf jeder (!) Doppelseite, dazu hervorgehobene Überschriften, die dem Text eine ansprechende Einteilung geben. Meine Augen haben sich über jedes Umblättern gefreut.


    
© Copyright Drachemond Verlag


Das Gewinnspiel


Nützt die Chance auf einen absolut tollen Gewinn! Im Rahmen des Blogspecials verlosen wir drei Gewinnpäckchen, die Autorin Kerstin Arbogast selbst zusammengestellt hat. Vielen Dank dafür! Um teilzunehmen, füllt einfach das folgende Gewinnspielformular aus. Auf jedem Blog des Specials könnt ihr ein Los sammeln, insgesamt sechs Stück.


1. Preis
"Im Schatten deines Herzens" Taschenbuch + Windlicht zum Buch + Schmucklesezeichen

2. Preis
"Im Schatten deines Herzens" Taschenbuch + Schlüsselanhänger

3. Preis
"Im Schatten deines Herzens" Kühlschrankmagnet + Kette mit Opalit



Das Gewinnspiel ist beendet! Es wurde ausgelost und gewonnen haben ...

1. Preis - Susan
2. Preis - Mary Thielen
3. Preis - Marion Geier

Herzlichen Glückwunsch an euch <3 - eine E-Mail wurde bereits versandt.



Teilnahmebedingungen: Keine Barauszahlung, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Teilnahme ist ein Mal pro Blog möglich, insgesamt also sechs Mal. Gewinnspielende ist Samstag, der 13. Februar 2016. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.


Die Blogspecial-Stationen


 Montag, 1.2. - Wortmalerei
Dienstag, 2.2. - Leselurch
Mittwoch, 3.2. - Damaris liest.
Donnerstag, 4.2. - Ricas fantastische Bücherwelt
Freitag, 5.2. - Kumos Buchwolke

Montag, 1. Februar 2016

Review zu "Divinitas" von Asuka Lionera



Drachenmond Verlag (November 2015),
Taschenbuch, 348 Seiten,
14,90 € [D]


"Eine Halbelfe!", ruft der Ritter angewidert und spuckt auf den Boden neben mir aus, während er meinen Arm fest umklammert. "Ich dachte, diese Missgeburten hätte man ausgerottet!"
Sie haben sie gesehen! Sie haben meine Ohren gesehen! Sie wissen, was ich bin!

Von den Elfen verachtet und den Menschen gefürchtet hat sich die Halbelfe Fye in die Abgeschiedenheit zurückgezogen. Doch sie wird enttarnt und gefangen genommen und an der Schwelle von Leben und Tod gerät sie in eine uralte Fehde. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Drachenmond Verlag)


Ich will es nicht tun. Ich will nicht ins Dorf.
Aber ich weiß, dass ich es muss.
Nicht, weil ich den langen Marsch von etwa einem halben Tag scheue. Auch nicht, weil mir bei den dort verlangten Preisen die Galle hochkommt.
Sondern wegen der Menschen. - S. 5/6


Meine Meinung
Bücher über Elfen, in sämtlichen Formen und Auslegungen, sind so alt wie die Geschichte des Fantasyromans. Sogar in diversen Märchen hat die Elfe einen Stammplatz. Diese Fantasyfigur besitzt etwas sehr Anziehendes. "Divinitas", ein Erstlingswerk, enthält beides: Vertrautes und Überraschung.

Schon auf den ersten Seiten stellte sich bei mir das Gefühl des völligen Abtauchens in die Buchwelt ein. "Divinitas" entstand aus einer Idee des Computer-Rollenspiels, im positiven Sinn. Denn diese Ideen sind meist sehr umfangreich und liebevoll gestaltet. Das kommt auch dem Buch zugute.
Die Rolle der Halbelfe Fye, die geächtet in der Abgeschiedenheit leben muss, interessiert sofort.
Die Autorin hat eine schöne Erzählweise. Sie schreibt ohne viele Schnörkel und sehr gut verständlich. Das Setting ist mittelalterlich-phantastisch, die (Halb)Elfen teilen sich den Schauplatz mit Menschen, Rittern und Königen. Anfangs fallen diverse Wortwiederholungen und sich wiederholende Beschreibungen auf, die mit dem Verlauf der Geschichte abnehmen, sogar verschwinden. Einige Ausdrücke empfand ich für die altertümliche Epoche zu modern (Quatsch, Herzchen in den Augen, Vollidiotin, ...)

Ich weiß so wenig über ihn und doch bin ich ihm mit Haut und Haaren verfallen. Ein Gefühl, das ich nicht kenne und das mir Angst macht. Diese Sehnsucht in meiner Brust treibt mit in den Wahnsinn und ich verwandle mich in seiner Gegenwart in eines dieser hirnlosen Mädchen, die ich im Dorf Thiras so abwertend betrachtet habe. - S. 122

Fye, die Ich-Erzählerin der Geschichte, hat mich mit ihrer Art sehr zwiegespalten. Sie ist schüchtern, aber auch mutig, klug und bedacht, aber auch naiv - folglich mochte ich sie stellenweise gerne und war einige Seiten weiter von ihr genervt.
Leider gefiel mir die Lovestory nicht sehr gut. Fyes Sicht auf "ihre Männer" ist sehr kitschig. Das zeigt sich in häufigen Erwähnungen von körperlichen Vorzügen und einem Liebes-Hin und Her, wie ich es nicht gerne lesen mag. So verfällt sie sofort und komplett einem Unbekannten, differenziert dann wieder, weil sie von ihrer ersten Begegnung ebenfalls fasziniert ist. Gleichzeitig erzählt sie, sie fühle sich z.B. bei Vaans Berührungen unwohl, fliegt ihm aber ein paar Seiten später buchstäblich um den Hals.
Das Buch enthält Erotikszenen, die für mich recht unerwartet kamen, da ich eher an ein Jugendbuch dachte. Sie sind ausführlich und gut umgesetzt, wären für die Geschichte aber nicht zwingend nötig gewesen, weil der Roman auch ohne Erotik funktionieren würde.

Die komplette Geschichte bleibt spannend und abwechslungsreich, dadurch, und ungeachtet der Charaktere, war mein Interesse konstant hoch. Die Bösen gefielen mit deutlich besser als die Guten, und teilweise wurde ich komplett überrascht. Einige Szenenwechsel könnten kurz verwirren und man muss umdenken. Dieses Stilmittel ist sehr gut eingesetzt. "Divinitas" endet abgeschlossen und ohne offene Fragen oder Unklarheiten.

Fazit
"Divinitas" ist ein Debütroman für Elfenliebhaber. Das mittelalterliche Fantasysetting und der Verlauf der Geschichte gefielen mir sehr gut. Sprachlich entwickelt sich das Buch mit dem Handlungsverlauf. Allerdings empfand ich die Liebesgeschichte als viel zu kitschig und auch die Hauptcharaktere konnten mich nicht für sich einnehmen. Trotzdem war mein Interesse an der Handlung hoch, weil sich das Buch spannend, durchaus flüssig, und oftmals überraschend liest. Und dass, obwohl es sich auf sonst vertrautem Fantasyterrain bewegt. Ich vergebe 3 von 5 Punkte.

© Damaris Metzger, damarisliest.de